Weilheim und Umgebung

Schafe hüten ist Hundesport

Rund 1 500 Besucher interessieren sich für das Leistungshüten in Weilheim

Einmal ausgepfercht, muss die Herde vom Schäfer und seinen Hunden zusammengehalten werden. Fotos: Daniela Haußmann
Einmal ausgepfercht, muss die Herde vom Schäfer und seinen Hunden zusammengehalten werden. Fotos: Daniela Haußmann

Weilheim. Schafe zu hüten ist eine Kunst für sich. Und beileibe keine einfache. Wie ein Dirigent muss der Schäfer sein aus Hund und Herde

Daniela Haussmann

bestehendes Orchester harmonisch aufeinander einstimmen. Das erfordert Erfahrung und für die vierbeinigen Arbeitskollegen intensives Training, wie beim Hütewettbewerb in Weilheim auch für Außenstehende schnell deutlich wurde.

Mit gespitzten Ohren saßen Rocky und Genna vor dem Weidezaun, in dem eine fremde Herde graste. Kein Zweifel, die Körperhaltung der Hunde sprach für sich: Sie wollten arbeiten. Doch bevor ihr Frauchen, Nancy Denecke, mit dem Auspferchen begann, musste sie sich mit den rund 250 Tieren erst einmal vertraut machen. Langsam ging sie auf die Schafe zu, die unversehens auseinandersprengten. Ruhig und mit den Händen in der Tasche setzte die Schäferin aus dem niedersächsischen Eimke einen Schritt vor den anderen. Die Leitschafe, die sich schnell an die 30-Jährige heranwagten und denen die übrigen Tiere folgten, waren rasch gefunden und zum Ausstallen in Position gebracht. Allmählich kehrte in der Herde Ruhe ein. Jetzt konnte Nancy Denecke den Weidezaun öffnen und ihre Hunde aufstellen.

Ein kurzer Ruf ertönte. Stellhund Rocky war im Nu auf den Beinen und bezog an der seitlichen Begrenzung der Ausgangsöffnung Stellung. Beihund Genna lag am unteren Ende der Öffnung konzentriert im Gras. Das Auspferchen begann. Mit leisen, ruhigen Kommandos leitete Denecke Rocky um den Weidezaun. Der Hund schien zu wissen, was folgt. Ein Ruf genügte, prompt sprang der Rüde über den Pferch und drückte die Schafe im Schritttempo aus der Koppel. Eine Aufgabe, die am Wochenende nicht bei jedem der 15 Wettbewerbsteilnehmer, die sich für das Bundesleistungshüten im September qualifizieren wollten, glatt lief. Der eine oder andere Beihund reagierte falsch und die Herde trottete zurück in den Pferch. Nicht so bei Nancy Denecke.

Kaum hatte die Herde das umzäunte Gelände vollzählig verlassen, musste sie zusammengehalten werden. „Dafür muss der Schäfer eine gute Verbindung zu den Schafen und den Hunden haben“, berichtete Bernd Mayer vom Verein für Deutsche Schäferhunde. „Einen guten Herdengebrauchshund zeichnet Gehorsam, Fleiß und Zuverlässigkeit aus.“ Unterstützt von ihren beiden vierbeinigen Arbeitskollegen lockte Nancy Denecke die Schafe mit Rufen in ein enges Gehüt. Dabei handelt es sich um eine etwa 20 Meter breite Wiese, die durch eine Furche begrenzt ist. Hechelnd lief Rocky die Grenze zum danebenliegenden Grundstück ab. „Er muss sicherstellen, dass die Schafe nicht von der Nachbarwiese naschen. Im Hütealltag könnte es sonst Probleme mit dem Eigentümer geben“, erklärt Bernd Mayer. „Der Schäfer muss durch geschicktes Stellen und Locken dafür sorgen, dass die Herde das im engen Gehüt angebotene Futter optimal nutzt.“

Nancy Denecke zieht weiter. In Windeseile beziehen Rocky und Genna am Eingang einer Brückenattrappe Stellung. Der eine Hund rechts, der andere links. „So wird sichergestellt, dass kein Schaf vorbeiläuft“, erläutert Bernd Mayer. Wäre das der Fall, könnten schwierige und gefährliche Situationen entstehen. „Die Schafe könnten auf eine Straße laufen oder in eine Schlucht fallen, über die die Brücke führt“, fuhr Mayer fort. Geduldig warteten Rocky und Genna, bis das letzte Schaf seinen Huf auf der anderen Seite der Attrappe aufgesetzt hatte. Das war für die beiden das Signal, ihren Platz zu verlassen, um der Herde ins weite Gehüt zu folgen. Dort begannen sich die Schafe auf der großen Flächen zu verteilen. „Der Stellhund darf die Schafe beim Weiden weder beunruhigen, noch beim Fressen beeinträchtigen“, sagt Bernd Mayer. „Trotzdem muss er sie auch hier von angrenzenden Kulturen fernhalten und das Gehüt abgrenzen.“

Kurz darauf kippte die Herde erneut. Im leichten Trab ging es über die Brücke zurück zum Pferch. Nancy Denecke ging mit Genna an der Leine vor der Herde her, als ihr ein Fahrzeug entgegenkam. Rocky lief zwischen den Tieren und dem Auto hin und her, um sicherzustellen, dass kein Tier unter die Räder kommt. Nancy Denecke ging aus dem Leistungshüten, das von der Landesgruppe Württemberg und der Ortsgruppe Köngen des Deutschen Vereins für Schäferhunde veranstaltet wurde, als Tagesbeste hervor. Da sie aber Mitglied der Landesgruppe Niedersachsen ist, wurde Michael Thommet von der Ortsgruppe Mägerkingen Landesmeister der Landesgruppe Württemberg. Bernd Mayer lobt die allesamt beindruckenden Leistungen der 15 Teilnehmer im Alter von 17 bis 70 Jahren. Ihnen sei es gelungen, Hundesport auf höchstem Niveau zu zeigen.

Schafe hüten ist Hundesport
Schafe hüten ist Hundesport
Klaus Wuttge
Klaus Wuttge
Einmal ausgepfercht muss die Herde vom Schäfer und seinen Hunden zusammengehalten werden. Fotos: Daniela Haußmann
Einmal ausgepfercht muss die Herde vom Schäfer und seinen Hunden zusammengehalten werden. Fotos: Daniela Haußmann
Schafe hüten ist Hundesport
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