Weilheim und Umgebung

Schilderwald lässt Ärger hochkochen

Kreisstraße Der Frust in Ohmden über die Verzögerung der Bauarbeiten an der K 1203 wächst. Nun soll die Bürgerinitiative wieder aktiv werden. Von Bianca Lütz-Holoch

Seit Kurzem säumen Schilder und Warnbaken die marode Kreisstraße. Foto: Carsten Riedl
Seit Kurzem säumen Schilder und Warnbaken die marode Kreisstraße. Foto: Carsten Riedl

Das Wort „Schilderwald“ hat für alle, die auf der Kreisstraße 1203 zwischen Ohmden und Schlierbach verkehren, eine ganz neue Bedeutung bekommen. Denn auf der Strecke sind plötzlich Warnschilder und Baken aus dem Boden geschossen wie Pilze. Angesichts dessen können die Ohmdener Gemeinderäte nur die Köpfe schütteln. „Dort, wo die Baken stehen, kommen keine zwei Autos mehr aneinander vorbei“, klagt Benjamin Döbel, der die Straße täglich nutzt. Stets müssten die Fahrer an einer schilderfreien Stelle warten, um den Gegenverkehr durchzulassen. „Und das auf einer Straße, die viel befahren ist.“

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Peter Keck, Sprecher des Landratsamts in Esslingen, versichert: „Das ist keine Dauerlösung“. Aufgestellt habe man die Baken, weil die Bankette an den Seiten frisch aufgeschüttet wurden und nun geschont werden müssen. Nötig sei das gewesen, weil während der Sperrung der Bundesstraße zwischen Kirchheim und Schlierbach viele Verkehrsteilnehmer - auch schwere Laster - auf die K 1203 ausgewichen sind. „Dabei wurden die Bankette noch weiter in Mitleidenschaft gezogen“, sagt Peter Keck: „Mit den Baken wollen wir erreichen, dass die Leute nicht so schnell fahren und nicht gleich wieder alles kaputt geht.“

Umso mehr sehnen Gemeinderat und Verwaltung die Sanierung der Kreisstraße herbei - und umso mehr wächst ihr Frust über die Verzögerung. Ursprünglich hatte der Kreis geplant, diesen Herbst die Bäume im Waldabschnitt zu fällen und im Frühjahr mit der Straßensanierung zu beginnen. Dann stellte sich heraus, dass noch artenschutzrechtliche Gutachten fehlen und die Rodung verschoben werden muss. Schließlich gab das Straßenbauamt bekannt, dass die Straße doch ab Frühjahr saniert werden soll - allerdings zunächst nur zwischen Ohmden und dem Waldrand. Wann das Stück im Wald folgen soll, ist noch nicht klar.

„Ich habe langsam den Verdacht, dass die Sanierung der Kreisstraße und der Bau des Radwegs mit allen Mitteln gebremst werden“, ärgert sich Gemeinderat Roland Greiner. Für Jörg Spielvogel steht fest: „Das ist eine Bankrotterklärung für Landratsamt und Straßenbauamt. Schließlich geht es nur um eine einfache Straße und nicht um ein komplexes Bauwerk.“ Benjamin Döbel pflichtet seinen Kollegen bei: „Wenn es keine Absicht des Kreises ist, dann ist es ein Armutszeugnis für ihn.“

Und die Ohmdener ziehen noch weitere Schlüsse: „Ich sehe schon, dass die Straße womöglich zwei Jahre lang gesperrt bleibt“, prophezeit Bürgermeister Martin Funk. Diese Sorge teilt Roland Greiner. „Es wird doch auch teurer, wenn eine Baustelle eingerichtet, abgebaut und wieder eingerichtet wird“, gibt er zu bedenken.

Martin Funk wartet unterdessen noch immer darauf, dass die Grundstücksverhandlungen besiegelt werden. „Der Kreis kommt nicht zu Potte“, ärgert er sich. Peter Keck hält dagegen: „Es fehlt nur noch ein Grundstück und die notarielle Beurkundung.“ Böses schwant Martin Funk auch, was die Finanzierung angeht: „Ich bezweifle, dass die eingestellten Mittel angesichts der veränderten Sachlage reichen.“ Seine Sorge ist, dass es am Ende doch nichts mit dem Radweg wird: „Aber die Straßensanierung darf es nur mit Radweg geben“, stellt er klar.

Das sehen auch die Gemeinderäte so. Sie wollen nicht länger zusehen, sondern mobilmachen: „Wir müssen auf die Bürgerinitiative zugehen, damit sie wieder aktiv wird“, fordert Jörg Spielvogel. 2014 hatte sich eine Initiative gegründet und sich dafür stark gemacht, dass neben der Straßensanierung ein Radweg gebaut wird.