Weilheim und Umgebung

Schlafen im Holzfass

Der Campingplatz Aichelberg bietet eine neue Übernachtungsmöglichkeit für Touristen

Zelt und Wohnwagen sind jedermann als gängige Schlafplätze während des Campens bekannt. In Aichelberg können Urlauber auch im Fass übernachten.

Übernachten im Fass: Auf dem Aichelberger Campingplatz besteht dazu die Möglichkeit. Fotos: Thomas Krytzner
Übernachten im Fass: Auf dem Aichelberger Campingplatz besteht dazu die Möglichkeit. Fotos: Thomas Krytzner

Aichelberg. Es gibt sie noch, die Langzeitcamper mit ihren Wohnwägen. In TV-Formaten werden sie gerne als Campingplatzbewohner samt eigenem Schrebergarten dargestellt. Doch dieser Typus stirbt langsam aus. Vermehrt werden die Campingplätze zu Kurzurlaubsorten, und die Schlafplätze verändern sich. Der bodenständige Urlauber greift aufs Zelt zurück, um sich der Natur nahe zu fühlen. Diese Erkenntnis hat Jochen Müller, Geschäftsführer des Campingplatzes in Aichelberg, gemacht. Seit sechs Jahren ist er der Chef über Zelte und Wohnwagen nahe der A 8 und zieht positive Bilanz: „In der Hauptsaison besuchen uns 80 Prozent ausländische Touristen und 20 Prozent aus Deutschland.“ Die typische Belegungswoche von Samstag bis Samstag gibt es kaum noch. „Es kann sein, dass auf dem Platz selbst an einem Mittwoch die Hölle los ist, mit An- und Abreisen.“

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Jochen Müller geht mit der Zeit und hat in einem Fachjournal seine neue Attraktion gefunden: Holzfässer im XXXL-Format. Diese eignen sich für Camper und Durchreisende gleichermaßen als Schlafstätte. Im vorderen Teil gibt es das Wohnzimmer mit Esstisch, im hinteren Teil ist das Schlafzimmer. Geräumig sind die Fässer zwar nicht, aber urig und gemütlich. „Und vor allem zweckmäßig“, sagt Müller. Für eine Familie auf Durchreise ist es die ideale Möglichkeit zur Rast. „Da wir zwischen Holland und Italien genau in der Mitte liegen, nutzen viele Reisende den Campingplatz als Zwischenstation.“ In der Regel bleiben die Gäste für eine Nacht. „Langzeiturlaube forcieren wir auf unserem Platz nicht mehr. Zudem sind die Kurzurlauber für uns attraktiver“, so Müller. Die Schlaffässer sind nach dem Neubau der Sanitär-Anlagen vor fünf Jahren ein neuer Anreiz für die Camper.

Viel Werbung machen muss der Campingplatz nicht. „Mund-zu-Mund-Propaganda an den Ferienorten in Italien und Österreich trägt dazu bei, dass wir stets gut belegt sind“, freut sich Müller und verrät, dass die „richtigen“ Camper heutzutage aktiv sind und während des Zelt- oder Wohnwagenurlaubs viel unternehmen. Die lassen sich nicht mit den beschaulichen Schrebergarten-Campern vergleichen. Die Baden-Württemberger sieht der Platzchef nicht als typische Zeltreisende. Da sind viel mehr die Menschen aus dem Ruhrgebiet, die nach Österreich oder Italien fahren, Gäste in Aichelberg. Und die Fässer finden Anklang. „Beide sind täglich gebucht und alle Urlauber sind von der Form und der Einrichtung begeistert“, sagt er und bedauert, dass er die neue Schlafgelegenheit noch gar nicht selbst testen konnte: „Sie sind ja immer belegt.“

In den nächsten Wochen will Müller den Vorplatz der Fässer noch gemütlicher gestalten. Größere bauliche Maßnahmen plant er momentan nicht, will sich aber in den Wintermonaten umschauen, was es Neues gibt. „Trekkinghütten für Motorradfahrer und Wanderer schwirren mir schon länger als Idee im Kopf herum“, verrät der Campingplatzbesitzer.

Innen gemütlich eingerichtet, man würde sich am liebsten ins Bett legen.
Innen gemütlich eingerichtet, man würde sich am liebsten ins Bett legen.