Weilheim und Umgebung

Schlendern zwischen Rittern

Weilheim Der erste Zähringermarkt verzaubert die zahlreichen Gäste aus nah und fern mit köstlichen Leckereien und Szenen aus dem Mittelalter. Von Tamara Kandler

1. Weilheimer Zähringermarkt  , Marktplatz Weilheim,
1. Weilheimer Zähringermarkt , Marktplatz Weilheim,

Frische Kräuter! Frisch geerntet aus dem Garten! Die quirlige Magd, die sich mit ihrem Korb durch die Menge schlängelt, ruft laut. Fahnen in Weinrot und Gold flattern vor dem Rathaus, und die Klänge von Laute, Dudelsack und Hornflöte untermalen die Szene. Dann durchdringt der laute Schlag von der Münzprägerei das bunte Treiben auf dem Weilheimer Marktplatz.

Am Samstag haben mit dem ersten Zähringermarkt Ritter, Mägde, fahrende Spielleute und Herzog Bertold I. und seine Frau Richwara den Weg nach Weilheim gefunden und sich unter das „gemeine Volk“ gemischt. Die Innenstadt schmückt sich mit Fahnen und Wimpeln in mittelalterlichem Kleid, und an zahlreichen Ständen locken Backhausbrot, Liköre, Honig und duftende Seifen. Auch Bertoldszipfel, Zähringer Nudeln und „Drachenfleisch“ werden zum Verkauf angeboten. Dann ertönen Trommel und Tamburin: Vor dem Marktbrunnen stimmt Thelonius Dilldapp mit seinem Gefährten Severin ein neues Lied an. Ein Mutiger schnappt sich eine Rassel und macht mit.

Der Sänger aus Mainz hat eine bunte Mischung von Liedern aus dem Hochmittelalter bis ins 19. Jahrhundert im Gepäck. Allerdings sind kaum Melodien aus den alten Zeiten überliefert, verrät der Musiker. Texte liegen dagegen vor. „Die Musik ist also auch ein Kompromiss aus unserem heutigen Hörgeschmack und dem, was man sich als mittelalterlich vorstellt“, erklärt er und findet: „Es ist eine schöne Idee, die Zähringer wieder aufleben zu lassen!“

Vor der Peterskirche sammeln sich die Menschen neugierig vor der Münzpräge. Der „Münzpräger von der Teck“ Ove zeigt den Schaulustigen den Rohling aus Messing, der dann in einen Ring gelegt wird. Zu beiden Seiten befinden sich Stempel, die der Münze ihren Aufdruck verpassen. Mit einem Ruck lässt Ove das Gewicht hinuntersausen. „Klappt das nur mit einem Schlag?“, fragt einer erstaunt, während die Kinder sich die Ohren zuhalten. Durch den wohlgeführten Schlag wird die Münze größer und bekommt ihren charakteristischen scharfen Rand. „Auf dem Medaillon seht ihr nun einen keltischen Knoten, Runen und einen Drachen – es ist ein Mädchen, das sieht man daran, dass sie den Mund offen hat“, witzelt Ove. Es handelt sich dabei um den walisischen Drachen, erklärt er. „Also wir verbuchen den lieber mal als Drachen von der Limburg“, widerspricht eine Umstehende lachend. Die Kinder dürfen schwere Helme aufsetzen und alte Schwerter in die Hand nehmen. Auch ein Trinkhorn und altes Besteck hat Münzpräger Ove dabei, der sich zu jedem Gegenstand eine Geschichte aus dem Ärmel zaubert: Die Gabeln waren damals nur zweispießig, denn drei Zacken galten als ein Zeichen des Teufels.

Wer weiter durch die geschmückte Stadt flaniert, wird Zeuge eines wilden Schwertkampfes, eines unverschämten Diebstahls oder begegnet immer wieder dem Herzog Bertold und seiner Frau. Im Rathaus wartet eine Ausstellung über die Zähringerstädte wie Freiburg oder Bern. Stadtführungen für Kinder und Erwachsene vertiefen die geschichtlichen Einblicke. Sandra Schöne von der Innenstadtoffensive der Stadt Weilheim, selbst in einen mittelalterlichen Umhang gehüllt, strahlt über das ganze Gesicht: „Mein Highlight sind auf jeden Fall das zum Leben erwachte Paar Bertold und Richwara! Die Gewänder wurde originalgetreu genäht.“ Ziel der Innenstadtoffensive ist, etwas Eigenes zu kreieren, und sie findet den Genießermarkt mit Mittelalter-Flair rundum gelungen. Auch in Zukunft möchte die Stadt darauf setzen. „Wir können stolz darauf sein, die Wiege der Zähringer zu sein. Mit uns hat alles angefangen“, meint Schöne. Geplant ist, das Wappen auf Bierdeckeln, Taschen oder Coffee to Go-Bechern präsenter zu machen. Und auch beim Stadtjubiläum 2019 dürfen sich die Weilheimer auf Begegnungen mit den Zähringern freuen.

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