Weilheim und Umgebung

Schließung ist nicht mehr abzuwenden

Wirtschaft Bei der Schweizer Group ist die Stimmung gedrückt. Jetzt ist auch Hauptkunde Daimler abgesprungen.

Wirtschaft Bei der Schweizer Group ist die Stimmung gedrückt. Foto: pr
Wirtschaft Bei der Schweizer Group ist die Stimmung gedrückt. Foto: pr

Hattenhofen. Mit einer Kundgebung wollte die IG Metall ein Zeichen setzen, dass es noch Hoffnung für das Unternehmen Schweizer Group aus Hattenhofen gibt. Doch nachdem bekannt geworden war, dass mit Daimler nun auch der Hauptkunde abspringt, lässt sich die Schließung wohl nicht mehr verhindern.

Entsprechend gedrückt war die Stimmung vor den Werkstoren. Gewerkschafts-Bevollmächtigter Martin Purschke kommentiert den Rückzug von Daimler: „Das ist ein Schlag ins Gesicht. Ende des Jahres wird für die meisten hier Schluss sein.“ „Pfui“, ruft einer der Beschäftigten. Nach dem ersten Personalabbau 2017 habe es geheißen, dass der Betrieb danach wieder vorangehen würde, sagt Purschke. Doch Ende 2018 ging die Schweizer Group das erste Mal insolvent. Die Ungewissheit über die Zukunft habe sich dann über das gesamte vergangene Jahr hingezogen. Am Ende des Sommers sei klar gewesen, dass das Unternehmen verkauft werde, und noch einmal seien 100 Arbeitsplätze verloren gegangen. Jetzt müsse man einen weiteren Schnitt machen, habe die Begründung gelautet. Doch der neue Eigentümer habe nach nur zwei Monaten wieder Insolvenz angemeldet. Im Sommer dieses Jahres seien die Geschäfte wieder angelaufen, die Schweizer Group hätte sogar Leiharbeiter beschäftigt: „Wir hatten Hoffnung bis zum Schluss.“

Die Folgen der Corona-Pandemie will Purschke nicht gelten lassen: Die Beschäftigten seien in Kurzarbeit gegangen. Dass der Hauptkunde nun den Stecker gezogen habe, findet er brutal. Auch Volkswagen, ein weiterer Kunde, hätte den Beschäftigten keine Sicherheit gegeben und das Ende der Schweizer Group in Kauf genommen: „Das Werk könnte laufen, aber wenn es zu ist, ist es zu.“ Neben den 170 Mitarbeitern in Hattenhofen sind auch ungefähr 100 weitere in Murrhardt betroffen.

In Gesprächen mit Insolvenzverwalter Marcus Winkler will die Gewerkschaft die Bedingungen für einen geordneten Übergang in die Arbeitslosigkeit schaffen. Neben Banken, Kunden und Versicherungen seien auch die Beschäftigten Gläubiger des Unternehmens, betont Purschke: „Es muss mindestens eine Transfergesellschaft her.“ Simon Scherrenbacher

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