Weilheim und Umgebung

Schrauber präsentieren Preziosen

Bissinger Oldtimer-Veteranen-Gemeinschaft feiert 20-jähriges Bestehen

Nach dem gut besuchten Treffen historischer Fahrzeuge im Frühjahr in der Seegemeinde veranstaltet die Bissinger Oldtimer-Veteranen-Gemeinschaft (OVG) am Sonntag, 18. Oktober, im Rahmen ihres 20-jährigen Bestehens einen Tag der offenen Tür.

Bissingen. OVG-Vorsitzender Herbert Hummel, 69, kann sich ein Leben ohne Schraubenschlüssel und Ölkännchen nicht vorstellen. Vor allem alte Motorräder haben es ihm angetan. „Bereits mit 17 Jahren habe ich geschraubt“, erinnert sich Hummel. Damals schenkten ihm Bekannte, sehr zum Leidwesen der Eltern, ein altes NSU Motorrad. Er richtete es her und stellte es in der Scheune unter einer Plane ab. Sein Vater wollte Schlimmeres verhindern, stapelte es deshalb mit Brennholz zu und gab es später zum Schrott.

Auch der zweite Versuch, Motorrad zu fahren, scheiterte am Einspruch der Eltern. Aufgrund etlicher Stürze ihres Sohnes mit seiner Kreidler Florett, einem 50-Kubik-Moped, hielten sie schwerere Maschinen für viel zu gefährlich. Also kaufte er sich ein Auto. „Aber Motorradfahren hat mich immer gejuckt“, gingen Herbert Hummel potente Zweiräder nicht aus dem Kopf. Das konnte auch die Familiengründung nicht ändern. „Wenn die Jungen aus der Schule sind, kommt ein Motorrad her“, gab er sich das heimliche Versprechen und setzte es schließlich in die Tat um.

Nach einer Zündapp DB 200 schaffte er sich eine „Gummikuh“, eine BMW R80 an. Dann kaufte er am Bodensee eine grüne Zündapp und schließlich entdeckte er in einem Hühnerstall eine total verdreckte NSU Konsul 350. „Die hat wüst ausgesehen. Ich hab sie ganz auseinandernehmen müssen“, erzählt Herbert Hummel. Und des Schraubens und Ölens nicht genug, holte er eine malade NSU Quick mit 98 Kubik aus einer Schrotttonne in Neidlingen.

Wie Fotos im OVG-Vereinsheim in der Bodenäckerstraße im gleichnamigen Bissinger Gewerbegebiet zeigen, stehen Herbert Hummels Zweirad-Preziosen da wie aus dem Schächtelchen. Die rund 100 Mitglieder, darunter auch die der Feuerwehr-Oldtimerfahrzeug-Gruppe, investieren viel Zeit und Geld in ihr Hobby. Doch genau das gehört dazu, wenn der Sinn und Zweck des im Januar 1995 gegründeten Vereins erfüllt werden soll: Erhalt, Wiederherstellung und Pflege von historischen Fahrzeugen. Außerdem beteiligen sich seine Mitglieder an nationalen und internationalen Oldtimerwettbewerben.

Und noch eins: Den Jugendlichen will der OVG, dessen jüngstes Mitglied 26 Lenze zählt, die Kfz-Technik der vergangenen Jahrzehnte näherbringen und mit der heutigen vergleichen. Wobei der Vorsitzende zugibt, dass es nicht ganz einfach ist, die heutige Jugend dafür zu begeistern, viel Geld und Zeit in alte Fahrzeuge zu stecken.

Auch deshalb öffnet der OVG am Sonntag, 18. Oktober, von 10 bis 17  Uhr in der Bissinger Bodenäcker­straße seine Pforten und holt einen Oldtimerspezialisten an Bord. Diplomingenieur Peter Winkler vom TÜV Geislingen wird um 14.30 Uhr über Führerscheine, neue Zulassungsvorschriften im Oldiebereich, über H‑Kennzeichen, rote Nummern und US-Fahrzeuge sprechen und Tipps geben. Natürlich bewirtet der Verein auch seine Gäste mit einem Weißwurstfrühstück und am Nachmittag mit Kaffee und Kuchen. Für Oldtimerfreunde stehen die liebevoll gepflegten Fahrzeugveteranen des OVG parat: historische Motorräder und Autos, darunter bekannte Marken wie Hercules, Zündapp, DKW, NSU, BMW, AWO und Kreidler sowie Mercedes und Fiat.

Übrigens: für Interessierte findet jeden Freitag und Sonntag im Vereinsheim im Bissinger Gewerbegebiet Bodenäcker der OVG-Stammtisch statt, bekannt für seine „Benzingespräche“ in geselliger Runde. Hier werden Erfahrungen aus dem gesamten Kfz-Wesen ausgetauscht. Auch wer keinen oder noch keinen Oldtimer besitzt, ist willkommen. Außerdem stellt sich der Verein im Internet unter www.ovg-teck.de vor.

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