Weilheim und Umgebung

Schwäbisches Nationalgetränk Most

Staatssekretär Andre Baumann und Andreas Schwarz besichtigen die Streuobstwiesen in Neidlingen

Das Biosphärenreservat rund um Neidlingen erhielt Besuch: Die Politprominenz wanderte entlang der Streuobstwiesen und stellte sich den Fragen der Landschaftspfleger.

Neidlingen. Zahlreiche Vertreter von Naturschutzverbänden, Streuobstinitiativen, Vermarkter und Bürger folgten der Einladung von Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, zum Spaziergang durch die Natur. Maria Stollmeier von der Schwäbischen Landpartie und Biosphärenbotschafterin führte die rund 50 Teilnehmer vom Wanderparkplatz in Neidlingen zu den verschiedenen Streuobstwiesen.

Landschaftspfleger Karl Burkhardt erklärte an den verschiedenen Stationen den Zustand der Apfel- und Kirschbäume. Er beklagte, dass die Kirschernte in diesem Jahr schlecht war: „Fruchtfliegen befielen die Früchte und es gab keine Chance, die lästigen Insekten durch Spritzen loszuwerden. Dadurch sahen die Kirschen bei der Ernte aus, als wäre es schon Oktober.“ Burkhardt informierte die Wandergruppe auch über die Schafbeweidung. Karl Burkhardt machte deutlich, dass bei den aktuell gezahlten Preisen für Streuobst, rund vier Euro pro Doppelzentner, kein Gewinn möglich ist und so die Pflege der Streuobstwiesen deutlich leidet.

Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, bestätigte, dass mit dem knappen Erlös die Motivation fehlt. Allerdings forderte er: „Wenn in den Gemeinden Feste oder andere Veranstaltungen stattfinden, sollen dort vor allem Produkte aus der Region – zum Beispiel Apfelsaft oder Most – verkauft werden. Der Moschd muss wieder zum schwäbischen Nationalgetränk werden!“ Baumann, der am Wandertag durch das Biosphärengebiet seinen 99. Tag in der Landesregierung absolvierte, verwies auf den „Äppelwoi“ in Hessen.

Ein Höhepunkt der Wanderung war der Besuch der Bienenhaus-Sammlung. Da gab es verschiedene Arten von Unterschlupf für die Nützlinge zu bestaunen. Auf dem Landschaftspflegehof von Karl Burkhardt bot sich den Gästen bei einer längeren Rast die Gelegenheit, die verschiedenen Erzeugnisse vor Ort zu probieren. Da mundete die Apfelschorle genauso wie die gebrannten Wässer aus Himbeeren, Birnen oder Sauerkirschen.

Bei der Diskussionsrunde stellten sich Andre Baumann und Andreas Schwarz den Fragen der Streuobstwiesenbetreiber und Schäfer. Dem Vorwurf, dass Gelder vom Land für das vergangene Jahr noch nicht an die Landwirte ausbezahlt wurden, nahm sich Andreas Schwarz an und versprach eine schnelle Regelung. Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen, sprach die Streuobstpreise erneut an und monierte, dass hier ein Erlös von 15 Euro pro 100 Kilogramm enorm helfen würde. Karl Burkhardt bestätigte dies: „Wenn die Preise stimmen, kann ich auch wieder Helfer zur Ernte mitnehmen und die Streuobstwiesen pflegen.“

Im Anschluss besuchte der Wandertross die bekannte Neidlinger Kugelmühle und informierte sich über die verschiedenen Gesteinsarten. Während der Abschlussrunde in der „Alten Kass“ mahnte Andre Baumann: „Die Alb ist das Mekka der Streuobstwiesen in Deutschland. Zum Glück gibt es viele Ältere, die sich noch tagtäglich den Buckel krümmen. Die Nachfolge muss gesichert werden. Wenn die Pflege wegfällt, weiß ich nicht, wie die Gesellschaft das noch auffangen soll.“

Ranger Martin Gienger zeigte in seiner Vorstellung auf, dass bereits die Jüngsten in Sachen Nachhaltigkeit animiert werden. Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren können durch ihren Besuch an verschiedenen Veranstaltungen zu Junior-Ranger-Kids werden, und Teenies zwischen zwölf und 16 Jahren kriegen den Titel Junior-Ranger. Außerdem gibt es Medaillen. Gienger freut sich, dass die Angebote rege wahrgenommen werden.

Interessierte zum Biospährengebiet und dem Junior-Ranger-Programm finden weitere Informationen im Internet unter www.biosphaerenzentrum-alb.de und auf der Webseite www.juniorranger-alb.de.

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