Weilheim und Umgebung

„Seine Füße flogen über das Pedal gleich Engelsschwingen“

Konzert Ľjuboš Ihring gibt erfolgreiches Debüt als Solo-Organist in der Reihe „Musik an der Peterskirche“.

Der neue Weilheimer Kantor Ljuboš Ihring.Foto: Hans-Günther Driess
Der neue Weilheimer Kantor Ljuboš Ihring.Foto: Hans-Günther Driess

Weilheim. Der neue Kantor und Organist an der Peterskirche Ľjuboš Ihring zeigte in seinem ersten Solokonzert in Weilheim, dass er ein Meister seines Fachs ist. Die gelungene Programmfolge umfasste zwei große Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, Kompositionen aus Klassik und Romantik sowie einen musikalischen Scherz von Gottfried Fischer. Als grandioses Eingangsportal erklang die bekannte Passacaglia c-Moll von Johann Sebastian Bach. Hier erzeugt der Thomaskantor in 32 Variationen über einem ständig wiederholten Bassthema durch Steigerung der Rhythmik und Registrierung und durch die abschließende Fuge großartige Klangfülle. Die historische Barock-Orgel von Andreas Goll war für dieses Werk prädestiniert.

Schon hier bewies Ľjuboš Ihring, dass er ein hochkarätiger Organist ist. Souverän und mühelos bewältigte er technisch und gestalterisch das gesamte Programm und faszinierte mit seinem Spiel die zahlreichen Zuhörer.

Beim Flötenkonzert F-Dur des klassischen Komponisten Jo­hann Christian Heinrich Rinck ­(1770 - 1846) schimmerten unverkennbar Anklänge an Mozart und die Wiener Klassik durch, vor allem in den leisen Passagen. Der Organist setzte mit Manualwechseln reizvolle Kontraste zwischen dem zarten Flötenregister und dem majestätisch-symphonisch wirkenden Tutti.

Der Untertitel zu „Ein musikalischer Scherz“ von Gottfried Fischer (geb. 1924) lautet: „Wenn Mozart ‚Geh aus mein Herz und suche Freud‘ komponiert hätte“. Hier war der Peterskirchenkantor mit großartiger Improvisationskunst ganz in seinem Element und zeigte Kreativität und Virtuosität im besten Sinne. Quasi „mit einem Augenzwinkern“ wurde dabei sogar eine bekannte Melodie aus Mozarts Zauberflöte integriert, der Chor der Sklaven des Monostatos „Das klinget so herrlich, das klinget so schön“.

In der ungewöhnlich lebendigen und expressiven Interpretation der Orgelsonate d-Moll von August Gottfried Ritter (1811 - 1885) kamen die vielen Farben der „Königin der Instrumente“ wunderbar und differenziert zur Geltung. Der Opulenz im vollen Werk der schnellen Sätze stand als Ruhepol der duftig-zart registrierte langsame Satz mit tremolierenden Holzpfeifen und Einsatz des Rückpositivs gegenüber. Ausdrucksstark und mit sensibler Agogik interpretierte Ľjuboš Ihring diese Komposition der Romantik, bei der das thematisch-motivische Material der chromatisch absteigenden Bassmelodik zu Beginn des ersten Satzes als verbindende Klammer auch in den nachfolgenden Sätzen wiederkehrt.

Das dramatische Finale der Fußball-WM war kurz vor Konzertbeginn in Moskau zu Ende gegangen, in Weilheim erfolgte das Konzert-Finale knapp zwei Stunden später mit einem großen Orgelwerk von Bach, Präludium und Fuga in D, als würdiger Abschluss dieses Konzerts in der Peterskirche. Toccatenhafte Abschnitte mit beschwingt-perlendem Laufwerk, eingestreute Tutti-Akkorde und Kaskaden des Wohlklangs prasselten auf die Zuhörer nieder. Hier zelebrierte der Organist den Höhepunkt des Konzertabends. Bei den rasanten Passagen im Pedal fühlte man sich an das Zitat der Zeitgenossen des Leipziger Thomaskantors erinnert: „Seine Füße flogen über das Pedal gleich Engelsschwingen“. Einige Zuhörer, die Ľjuboš Ihring auf der Empore am Spieltisch beobachteten, konnten diesen Satz gut nachvollziehen.

Mit Ovationen für den neuen Kantor forderten die begeisterten Zuhörer eine Zugabe, bei der nochmals die hohe Professionalität und das erfrischend-sprudelnde Improvisationstalent von Ľjuboš Ihring zum Tragen kam. Faszination pur.   Hans-Günther Driess

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