Weilheim und Umgebung

Seltene Raubkatzen

Europäisches Treffen der Prowler-Fahrer – Freundschaft über alle Grenzen hinweg

Der Esslinger Marktplatz strotzt vor PS. Fans der seltenen Plymouth Prowler trafen sich in der Region und frönten ihrer Leidensc
Der Esslinger Marktplatz strotzt vor PS. Fans der seltenen Plymouth Prowler trafen sich in der Region und frönten ihrer Leidenschaft. Das „Base Camp“ war das Deutsche Haus bei Weilheim.Fotos: Peter Stotz

Kreis Esslingen. Glänzendes Blech in sattem Rot, in Orange, Lila und Gold, glitzerndes Chrom und leise grummelnde Motoren: Es war ein

Festtag für die Sinne der Liebhaber automobiler Raritäten. Drei Stunden lang standen 20 Exemplare des Plymouth Prowler, einer in Europa äußerst seltenen Spezies, auf dem Esslinger Marktplatz. Die Fahrzeugschau war einer der Höhepunkte eines Prowler-Treffens, zu dem Fahrer aus ganz Europa angereist sind. Das „Base Camp“ war der Landgasthof Deutsches Haus bei Weilheim.

„Eigentlich ist das ein reines Spaßmobil. Es ist ein Sportwagen, aber ein sehr amerikanischer, zum Cruisen gemacht“, sagt Dieter Trumpp und tätschelt leicht die Motorhaube seines leuchtend roten Fahrzeugs, das schon auf den ersten Blick Erinnerungen an Bilder aus amerikanischen Filmen wachruft, in denen wagemutige und trotzige Burschen mit sogenannten Hot Rods, aufgebrezelten, mit großvolumigen Maschinen ausgestatteten Fahrzeugen, um die Gunst junger Damen buhlen. „Der Plymouth Prowler ist als bewusste Hommage an diese legendären Autos gebaut worden“, erklärt Trumpp.

Allerdings war der Wagen nie ein Massenprodukt. Insgesamt 11 700 Stück davon wurden gefertigt, ausschließlich für den amerikanischen Markt. Etwa 70 von ihnen haben es nach Europa geschafft, wie Trumpps roter Renner, den ein amerikanischer Militärangehöriger mitgebracht hatte. Der Name leitet sich vom englischen to prowl, zu deutsch umherstreichen oder herumstreunen, ab. Das Abzeichen des Autos, eine schleichende Raubkatze, meist dezent in die Rückenlehnen der Ledersitze geprägt, symbolisiert die potenzielle Kraft und Dynamik, die in der 3,5-Liter-V6-Maschine unter der lang gezogenen Haube stecken.

Dass sich nun fast ein Drittel aller in Europa zugelassener Prowler auf dem Esslinger Marktplatz präsentierten, ist dem Esslinger Dieter Trumpp, Ralf Sommer aus Wendlingen und Heinz Mellmann aus Kirchheim zu verdanken. Sie haben, nach einer ersten Zusammenkunft im vergangenen Jahr in Italien, das europäische Prowler-Treffen organisiert. Vier Tage lang besuchen die Fahrer die Automobilmuseen in Stuttgart, besichtigen die Stadt Esslingen und kreuzen gemeinsam auf Landstraßen durch die Region.

„Viel Zeit gehört der Gemeinschaft und dem freundschaftlichen Austausch“, sagen die drei Organisatoren und erzählen, dass die Fahrer dank des Internets zusammengefunden haben und sich über die gemeinsamen Interessen Freundschaften über alle Grenzen hinweg entwickelt haben. „Es sind alles technikbegeisterte Liebhaber klassischer amerikanischer Autos, keine Raser oder verhinderte Rennsportler, sondern Leute, die das gemütliche Cruisen lieben,“ schildert Trumpp, Prowler-Fahrer seit dem Jahr 2000.

Auch Mitorganisator Heinz Mellmann und seine Frau Sibylle betonen das freundschaftliche Verhältnis, das die Prowler-Enthusiasten pflegen. „Wir sind immer Exoten gefahren, aber beim Prowler ist es noch einmal besonders. Das Hobby verbindet europaweit ganz unterschiedliche und sehr interessante Menschen, Bauarbeiter, Beamte und Industrielle. Es ist eine kleine Familie“, erzählen sie.

Das betont auch Glen Nicolaysen, der aus der norwegischen Stadt Moss angereist ist. „Auf eigener Achse, etwas mehr als 2 000 Kilometer und zwei lange Tage“ war er mit seinem goldfarbenen Wagen unterwegs. Die Anstrengung wurde mit einer Auszeichnung für die weiteste Anreise versüßt. Nicht ganz so lange war Claudia von Ditfurth-Siefken unterwegs. Sie lebt in Rinteln in Niedersachsen und besitzt zwölf, zumeist amerikanische Oldtimer, ihr lilafarbener Prowler ist ihr jüngster Wagen. In der kleinen deutschen Prowler-Szene sei sie als Exotin zu betrachten. „Ich bin die einzige Frau in Deutschland, die so ein Auto hat und auch fährt. Manchmal denke ich, dass es schon ein bisschen ein Männerspielzeug ist“, sagt sie.

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