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Sie wollen zurück zur Streitkultur

Politik In Weilheim tritt bei der Kommunalwahl eine neue Wählervereinigung an: die BDF. Entstanden ist sie aus der Bürgerinitiative pro Limburghalle. Von Bianca Lütz-Holoch

Hans-Peter Sindlinger und Ilse Fischer bilden die Doppelspitze der BDF. Ihr Ziel ist es, dass die neue Wählervereinigung den Spr
Hans-Peter Sindlinger und Ilse Fischer bilden die Doppelspitze der BDF. Ihr Ziel ist es, dass die neue Wählervereinigung den Sprung in den Gemeinderat schafft. Foto: Jean-Luc Jacques

Drei Wählervereinigungen, drei Fraktionen. Das war in den vergangenen Jahren in Weilheim die Regel. Nach der Kommunalwahl am 26. Mai könnte sich das jedoch ändern. Denn mit der Bürgerdemokratischen Fraktion - kurz BDF - tritt in Weilheim eine neue politische Kraft auf den Plan. Ob sie den Einzug in den Gemeinderat schafft und wenn ja, mit wie vielen Sitzen, bleibt abzuwarten.

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„Unser oberstes Ziel ist es, überhaupt reinzukommen“, sagt Ilse Fischer, die zusammen mit Hans-Peter Sindlinger den aktuellen Vorstand der BDF bildet. Wunsch wäre es freilich, mehr als einen Sitz zu ergattern: „Es wäre schon schön, wenn man sich innerhalb der Gruppierung austauschen und Themen aufteilen könnte.“

Zur Wahl tritt die BDF an, weil sie in Weilheim etwas verändern und bewegen möchte. „Uns gibt es derzeit zu wenig Auseinandersetzung im Gemeinderat“, kritisiert Hans-Peter Sindlinger: „Es kann doch nicht sein, dass 18 Personen in einem Gremium sitzen - und alle haben die gleiche Meinung.“ Damit spielt er auch auf die Geschehnisse an, die überhaupt erst zur Geburt der BDF geführt haben.

Hervorgegangen ist die Wählervereinigung aus der Bürgerinitiative pro Limburghalle. Sie hatte sich 2016 formiert, um einen Abriss der Stadthalle zu verhindern. Ein Bürgerentscheid endete eindeutig zugunsten der Initiative. 68 Prozent der Wähler votierten gegen den Verwaltungsvorschlag, als Ersatz für die Limburghalle eine Kombihalle in der Stadtmitte zu bauen. Im Gemeinderat hatte der Vorschlag zuvor nur eine Gegenstimme kassiert. „Wenn 95 Prozent der Stadträte für etwas stimmen, und 70 Prozent der Bürger denken anders, dann läuft etwas schief“, schließt Ilse Fischer.

Das hat für die Initiative mit den Ausschlag gegeben, weiterzumachen und eine Wählervereinigung zu gründen. Gleichzeitig, so erzählt Hans-Peter Sindlinger, hätten auch viele Weilheimer die Gruppe aufgefordert weiterzumachen. Der Verantwortung möchte sie sich nun als BDF stellen. „Man kann schließlich nicht eine Vase zerdeppern und dann die Scherben liegen lassen“, so Sindlinger.

Für Ilse Fischer steht fest: „Wir wollen künftig so arbeiten, dass nie mehr solch große Diskrepanzen zwischen dem entstehen, was der Gemeinderat beschließt und was die Bürger möchten.“ Mit Hans-Peter Sindlinger ist sie sich aber auch einig, dass Auseinandersetzung nicht Krieg bedeuten darf: „Wir wollen keine aggressive Kampfstimmung im Gemeinderat verbreiten, sondern faire Diskussionen unter Berücksichtigung der Demokratie führen.“

Glaubt man Ilse Fischer und Hans-Peter Sindlinger, so schließt die BDF in Weilheim eine Art „Marktlücke“: „Der Zuspruch seitens der Bürger ist groß, und wir haben schon viele Mitglieder gewonnen.“

Zwar ist die BDF aus der Hallenfrage heraus entstanden - als Wählervereinigung hat sie sich nun aber ein Wahlprogramm gegeben, das darüber hinausreicht. Am Herzen liegen der Gruppe auch die Schulen, das Lehrschwimmbecken und der Kindergarten, die Finanzierung der Infrastruktur und der Mangel an qualifizierten Fachkräften, zum Beispeil bei der Kinderbetreuung. „Die Bauerei ist die eine Sache. Dann müssen die Gebäude aber auch noch unterhalten und mit Leben gefüllt werden“, sagt Hans-Peter Sindlinger. Er plädiert dafür, noch langfristiger zu denken und immer zu überlegen, was man den kommenden Generationen hinterlässt - baulich ebenso wie finanziell.

Im Vorstand der BDF sitzen aktuell Hans-Peter Sindlinger und Ilse Fischer. Hans-Peter Sindlinger hat bereits kommunalpolitische Erfahrung. Von 2001 an ist der Unternehmer zwölf Jahre lang Mitglied des Weilheimer Gemeinderats gewesen, damals für die UWV. Ilse Fischer, ebenfalls Unternehmerin, ist kommunalpolitische Neueinsteigerin. Der Dritte, der im aktuellen Wahlflyer der BDF als Vorstandsmitglied auftaucht, ist Jörg Bauer. Er allerdings hat er sein Vorstandsamt schon wieder niedergelegt.

Dem Weilheimer Rat könnte ein Umbruch bevorstehen

Weilheim. Es wird spannend. Denn in Weilheim geht es bei der Kommunalwahl am 26. Mai nicht nur darum, wie viele Sitze die drei bisherigen Wählervereinigungen erhalten und welche ihrer Kandidaten den Sprung in den Gemeinderat schaffen. Nachdem nun eine vierte, neue Gruppierung mitmischt (siehe Artikel oben), könnte es zu viel grundlegenderen Veränderungen und Verschiebungen im Ratsrund kommen.

Aktuell sieht es im Weilheimer Gemeinderat so aus: Stärkste Fraktion ist die Freie Wählervereinigung (FWV) mit sieben Sitzen. Die Unabhängige Wählervereinigung (UWV) steht mit sechs Sitzen an zweiter Stelle. Fünf Sitze hat die Soziale Bürgervereinigung (SBV) inne. Sollte nun zusätzlich die Bürgerdemokratische Fraktion (BDF) den Sprung in den Gemeinderat schaffen - und davon ist aktuell auszugehen - büßen eine oder mehrere der bisherigen Gruppierungen einen oder mehrere Sitze ein.

Das sorgt für Verunsicherung bei den alteingesessenen Wählervereinigungen - und macht die ohnehin mühsame Suche nach geeigneten und willigen Kandidaten nicht leichter. „Die Aussichten für die Bewerber, in den Gemeinderat einzuziehen, sinken mit dem Auftauchen der vierten Liste“, gibt Rainer Bauer, Sprecher der UWV, zu bedenken. Viele zögern, wenn die Aussicht darauf, gewählt zu werden, gering ist. „Dabei sind Menschen, die auf diese Art politische Verantwortung zeigen, sehr wichtig“, betont Rainer Bauer.

Mehr Frauen wären erwünscht

19 Kandidaten - 16 aus Weilheim und drei aus Hepsisau - darf jede Wählervereinigung aufstellen. Von den 18 aktuellen Gemeinderäten treten 16 wieder an. Wolfgang Rehm (UWV) und Steffen Meckes (SBV) kandidieren nicht mehr für die kommende Wahlperiode.

Ihre Liste für die Wahl am 26. Mai zu füllen, bereitet aber nicht nur der UWV Mühe. „Wir haben dieses Mal auch Schwierigkeiten, ausreichend Kandidaten zu finden“, sagt Dr. Hansjörg Egerer, Sprecher der Freien Wählervereinigung (FWV). Besonders schwer sei es, weibliche Mitstreiter aufzutun. „Wir hätten gerne mehr Frauen auf unserer Liste“, betont Hansjörg Egerer.

So geht es auch Gerda Schrägle (SBV). Zwar sind schon genug Kandidaten gefunden. „Unser Ziel, 50 Prozent Frauen aufzustellen, haben wir aber leider nicht erreicht“, bedauert sie. Ohnehin sei es ein „extrem schwieriges Unterfangen gewesen“, genügend Menschen zu finden, die zur Gruppierung passen und bereit sind, sich kommunalpolitisch zu engagieren. In Gesprächen hat Hansjörg Egerer erfahren: „Viele motivierte Weilheimer sind bereits vielseitig engagiert und können kein zusätzliches Ehrenamt schultern, das so viel Zeit kostet wie die Gemeinderatsarbeit.“ Vor allem Frauen, die Kinder haben und berufstätig sind, sehen dazu oft keine Möglichkeit.

„Unsere Liste für Weilheim ist voll. Wir haben sogar Ersatzkandidaten“, freut sich BDF-Vorstandsmitglied Hans-Peter Sindlinger. Eine Lücke ist trotzdem geblieben: „Für Hepsisau haben wir leider niemanden gefunden“, bedauert er.Bianca Lütz-Holoch