Weilheim und Umgebung

Sieben Schilder sollen die Augen öffnen

Landschaft Im Naturschutzgebiet „Wiestal mit Rauber“ zwischen Jesingen und Ohmden wurden sieben Tafeln aufgestellt. Auf ihnen sind Informationen zum Schutzgebiet und ihren Bewohnern. Von Lena Bautze

Die vielen Wanderer, Radfahrer, Jogger und andere Naturfreunde können sich im Wiestal über ein besonderes vorweihnachtliches Geschenk freuen: In dem knapp 136 Hektar großen Gebiet stehen sieben Infotafeln mit Wissenswertem über das reizvolle Wiesental. Egal, ob bei den Steuobstwiesen und Feldhecken im Norden des Naturschutzgebietes oder im Süden beim Trinkbach - Naturliebhaber finden am passenden Ort eine erklärende Tafel.

Der Impuls für die Schilder kam von Philipp Reuff vom Verschönerungsverein Kirchheim: „Eigentlich wollte ich Infos über das Vulkangebiet hier aufstellen.“ Dazu kam es dann nicht, dafür stehen jetzt Infotafeln zum reichhaltigen Vogelaufkommen, zu Bachlauf und Grünland und andere Besonderheiten bereit.

Gut zwei Jahre hat es gedauert bis die Idee der Schilder in die Praxis umgesetzt wurde. „Man kann im Naturschutzgebiet nicht einfach Tafeln aufstellen,“ stellt Philipp Reuff fest. Gemeinsam mit Anja Beuter vom Regierungspräsidium Stuttgart und der Nabu-Gruppe Jesingen hat der Verschönerungsverein die Schilder konzipiert. Dabei waren Verzögerungen von allen Seiten mit eingeplant. „Wenn Behörden im Spiel sind, dauert es immer etwas länger,“ schmunzelt Klaus Lang vom Nabu Jesingen. Seine Kollegen und er beobachten jetzt schon seit über 40 Jahren das „Wiestal mit Rauber“ und dessen gefiederten Bewohner. Dabei waren die Naturfans eine große Wissensquelle für die Schilder.

Ein besonderes Schmuckstückchen ist die Panoramatafel im Norden. Sie ist nicht nur das Lieblingsstück von Klaus Lang, auch Philipp Reuff ist von dem Ergebnis begeistert. Von deren Standort aus hat man einen weiten Überblick über das Wiestal und auf die Schwäbische Alb.

Auch Bürgermeister Günter Riemer ist stolz auf die sieben neuen Tafeln, die den Bürgern aufzeigen, welch landschaftliche Reize direkt vor ihrer Haustür liegen. „Es ist wichtig, dass die Menschen hier mit offenen Augen durch die Region gehen“, sagt er. Ihm ist es wichtig, dass die Bevölkerung wieder zur Natur zurückkommt und nicht alles als selbstverständlich sieht. „Es gibt Leute, die denken die Milch kommt aus dem Tetrapack und nicht aus der Kuh.“

Die Kühe fühlen sich im Naturschutzgebiet mit seinen bunt blühende Wiesen genauso wohl wie Schwalbenschwänze, Wildbienen und viele andere Tieren. Auch die rund 125 Vogel- und 20 Libellenarten ziehen ihren Vorteil aus der Blütenpracht. Dank der vielen verschiedenen Blühpflanzen sind dort Insekten heimisch.

Anja Beuter und Philipp Reuff stellen die sieben neuen Infotafeln im Naturschutzgebiet zwischen Jesingen und Ohmden vor. Foto: C
Anja Beuter und Philipp Reuff stellen die sieben neuen Infotafeln im Naturschutzgebiet zwischen Jesingen und Ohmden vor. Foto: Carsten Riedl

Die Wiesen im gleichnamigen Tal sind ein besonderes Gut. Sie sind Feuchtwiesen, was den Bauern öfters zu einer guten Ernte verhilft. Klaus Lang nennt diese Gebiete gerne die „Sparkassen der Landwirte“. Dabei ist das Insektensterben natürlich nicht zu vergessen, wie Klaus Lang bekundet: „Wir sind gerade dabei die Insektenpopulation hier in der Region zu bemessen. Bis wir eine ausreichende Statistik zusammen haben braucht es jedoch noch Zeit.“ Laut dem Ingenieur ist nicht nur der Klimawandel Schuld am Massensterben, auch die Landwirte steuern unbewusst dazu bei. „ Mit den neuen Maschinen, die rabiat über die Felder ziehen, werden auch mehr Insekten zerstört, als noch vor ein paar Jahren.“ Damit erkläre sich auch die „Rabenplage“ die einige Bewohner sehen. „Raben, Milane und andere Vögel sehen genau, wann der Bauer sein Feld umgräbt. Für sie ist dann der Tisch reichlich mit toten Insekten gedeckt.“

Schwalbenschwanz
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