Weilheim und Umgebung

So einfach wie Kontoauszüge drucken

Gesundheit Das Rennen war ganz knapp: Wo in Deutschland eröffnet die erste digitale Rezeptsammelstelle? Neidlingen hat gewonnen. Die Bürger nutzen den Service bereits. Von Peter Dietrich

Das erste Rezept-Sammel-Terminal Deutschlands steht in Neidlingen. Foto: Peter Dietrich
Das erste Rezept-Sammel-Terminal Deutschlands steht in Neidlingen. Foto: Peter Dietrich

Es ist eine Weile her, dass der CDU-Bundestagsabgeordnete, Michael Hennrich, zu Besuch bei Neidlingens Bürgermeister Klaus Däschler war. Dabei ging es auch um eine digitale Rezeptsammelstelle, denn Hennrich ist Obmann im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages und Berichterstatter seiner Fraktion für Apotheken. Dann folgten Gespräche mit dem Apothekerverband und der Kassenärztlichen Vereinigung. „Die persönliche Ansprache ist wichtig. Das System sichert Arbeitsplätze vor Ort“, sagt Michael Hennrich.

Neidlingen ist es 2015 gelungen, die Zweigstelle einer Hausarztpraxis in den Ort zu holen. Der Weilheimer Arzt Simon Driesel zog in die Gottlieb-Stoll-Straße ein, die Rezeptsammelstelle folgte als Briefkasten vor der Haustür.

Beide Inhaber sind begeistert

Doch nun wurde es knapp: Auf Donnerstag 15 Uhr war die Eröffnung des Terminals angesetzt, aber die Gemeinde Heusweiler-Kutzhof im Saarland war zwei Stunden früher dran. Dann aber machte eine Neidlingerin den Saarländern einen Strich durch die Rechnung. Das Terminal war noch nicht offiziell eröffnet, funktionierte aber schon. Also schob die Frau einfach ihr Rezept hinein und bekam gegen 12 Uhr ihr Medikament zugestellt. Das erledigte die Stadtapotheke in Weilheim. Sie wechselt sich alle vier Monate mit der Adler-Apotheke ab.

Beide Inhaber sind vom neuen System begeistert: Bisher habe es bei der Zustellung etwa einen Tag Verzug gegeben, sagte Tilla Frank-Neumeyer von der Stadtapotheke, nun bekomme der Patient sein Medikament schneller. „Wir sparen eine Fahrt“, sagt ihr Apothekenkollege Dr. Hansjörg Egerer. Die Fachkraft aus der Apotheke fährt immer erst am Terminal vorbei. Dann kontrolliert sie das Originalrezept. Würde jemand das Terminal mit einer Kopie betrügen, dann würde das spätestens jetzt auffliegen.

Am neuen Service sind viele beteiligt. Die Gemeinde ist Eigentümer des Gebäudes, Mieter ist die Kreissparkasse, in deren Foyer das Terminal steht. Kommt jemand mit dem Gerät nicht klar, kann ein Bankmitarbeiter helfen. Nebenan will die Gemeinde „Betreutes Wohnen“ einrichten, da passt für Bürgermeister Klaus Däschler die digitale Rezeptsammelstelle hervorragend dazu. Technisch umgesetzt hat sie das Münchner Unternehmen VSA.

Wäre die Umsetzung schneller gegangen? Fritz Becker, Präsident des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg (LAV), spricht vom dem „einen oder anderen technischen Problem“ und betont: „Für uns war wichtig, dass das Ding stabil ist.“ Sollte es das einmal doch nicht sein, hat das Terminal einen Notfallschlitz und funktioniert dann eben wie ein gewöhnlicher Briefkasten. Im Normalfall schiebt der Kunde sein Rezept hinein, egal mit welcher Seite nach oben und der PC in der Apotheke meldet: Ein Rezept ist da! Der Kunde bekommt eine Quittung ausgedruckt. Er kann statt Zustellung auch die Selbstabholung wählen und der Apotheke eine Zusatznachricht übermitteln.

Hat das neue System auch Nachteile? Für manche Patienten einen kleinen: Statt ihr Rezept direkt vor der Arztpraxis in den Briefkasten zu werfen, müssen sie nun noch bei der nahen Kreissparkasse vorbei. Doch wer mit einem Kontoauszugsdrucker umgehen kann, beherrscht auch die Bedienung des Terminals.

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