Weilheim und Umgebung

Sorgen sind bei ihr gut aufgehoben

Bildung Eva-Maria Schmidt ist seit einem Jahr Schulsozialarbeiterin an der Weilheimer Limburg-Grundschule. Sie kümmert sich um kleine und große Probleme von Kindern, Eltern und Lehrern. Von Bianca Lütz-Holoch

Beliebt bei den Grundschülern: Schulsozialarbeiterin Eva-Maria Schmidt.Foto: Carsten Riedl
Beliebt bei den Grundschülern: Schulsozialarbeiterin Eva-Maria Schmidt. Foto: Carsten Riedl

Kaum hat es geläutet, klopft es. Eva-Maria ­Schmidt öffnet die Tür. Auf der Schwelle drängen sich einige Erstklässler. „Können wir reinkommen?“, fragt ein Junge, während ein kleines Mädchen auf Eva-Maria Schmidt zustürmt und die Arme um sie schlingt. Es dauert nicht lange, und die nächsten Kinder stehen vor ihrer Tür. Manche wollen einfach nur Hallo sagen, andere hoffen auf eine Spielerunde, und wieder andere müssen ihr etwas in Ohr flüstern.

Eva-Maria Schmidt ist seit einem Jahr Schulsozialarbeiterin an der Weilheimer Limburg-Grundschule - und für viele Kinder ein sicherer Hafen im bewegten Schulalltag. Die 35-Jährige, die in Bluse und schwarzer Hose so gar nicht dem typischen Sozialarbeiter-Klischee entspricht, hat immer ein offenes Ohr - vor allem für die Kinder, aber auch für Mütter, Väter und Lehrkräfte. „Ich nehme eine Brückenfunktion zwischen Schülern, Lehrern und Eltern ein“, beschreibt sie ihren Job. Sie ist neutral, vermittelt und führt Gespräche, bietet Einzeltrainings und Prävention an und schaltet - wenn nötig - das Jugendamt ein. Ganz wichtig auch: „Ich habe Schweigepflicht“, betont sie.

„Im Vergleich zu anderen Städten ist in Weilheim die Welt noch in Ordnung“, weiß Eva-Maria ­Schmidt. Und trotzdem: „Auch hier gibt es Gewalt und Mobbing, Streit und verhaltensauffällige Schüler.“ Ihr Ziel: den Kindern all das an die Hand zu geben, was sie brauchen, um solche Herausforderungen gut bewältigen zu können.

Geprägt haben die Sozialpädagogin mehr als zweieinhalb Jahre in der Berliner Stadtmission. Dort hat sie mit wohnungslosen und psychisch kranken Menschen gearbeitet. Grundlegende Verhaltensänderungen, das weiß Eva-Maria Schmidt, sind ab der Pubertät sehr schwer zu erreichen. „Dann kann man nur noch Krisenmanagement betreiben“, sagt sie. „Kinder dagegen sind wie ein guter Boden, in den man säen kann.“ Genau den möchte sie in Weilheim bereiten, durch Prävention und Intervention. Und genau deshalb hält sie Schulsozialarbeit an Grundschulen für wichtig.

Großen Raum hat in ihrem ers­ten Jahr die Basisarbeit eingenommen: Beziehungsaufbau, Streit­schlichten, Gespräche mit Eltern und Lehrern. Immer wieder geht es auch um alltägliche Probleme, etwa wenn Kinder im Unterricht nicht stillsitzen können oder Streits in Schlägereien ausarten. Dann kommen Eva-Maria Schmidts Helferlein zum Einsatz. „Ich arbeite gerne mit Stickys“, sagt sie. Mit den kleinen Gummifiguren können die Kinder nachspielen, was ihnen im Pausenhof oder zu Hause passiert ist. „Es ist dann leichter, über Gefühle wie Trauer, Wut oder Angst zu sprechen.“ Mit Fragen versehene hölzerne Eis­stile helfen, herauszufinden, was die Kinder bewegt oder was ihnen fehlt.

An der gesamten Schule neu eingeführt hat Eva-Maria ­Schmidt die „Stopp“-Regel. Dabei lernen die Jungen und Mädchen, ihre individuellen Grenzen zu benennen und zu verdeutlichen, wann für sie der Spaß aufhört. „Sie muss von Schülern und Lehrern konsequent umgesetzt werden, dann ist sie sehr effektiv“, so Schmidt.

Ebenfalls neu ist der Pausenraum, in den die Schüler zum Spielen mit der Schulsozialarbeiterin kommen können. „Der Pausenhof ist für 330 Schüler nicht sehr groß und bietet wenig Rückzugsmöglichkeiten“, so Schmidt, „Manche Kinder fühlen sich dort wie im Wimmelbuch.“ Drinnen haben die Kinder dann die Möglichkeit, in ruhigerer Umgebung Gesellschaftsspiele zu spielen.

Künftig stärker im Fokus stehen soll die Gewaltprävention. Das Pensum, das Eva-Maria ­Schmidt im Rahmen ihrer 50-Prozent-Stelle zu bewältigen hat, ist aber ohnehin „knackig“, wie sie es formuliert. Nun bekommt sie Unterstützung. Die Stadt plant eine Kooperation mit „Personen Sicherheitskonzepte Reinöhl“ (PSKR) aus Kirchheim. Das Unternehmen hat sich auf Selbstbehauptungs-, Gewaltpräventions- und Anti-Mobbing-Trainings spezialisiert und soll auch Kurse an der Limburg-Grundschule anbieten. „Das entlastet mich nicht nur, es ist für die Jungs auch viel besser, wenn ihnen gestandene Männer als Rollenvorbild dienen“, so Schmidt.

Zusätzlich möchte sie noch ein Coolness-Training und ein Präventionsprogramm einführen, das in den Unterricht integriert wird.

Was für manchen anstrengend klingen mag, ist für Eva-Maria Schmidt ein Traumjob. „Jeder Tag ist anders, meine Aufgaben sind vielfältig - und ich liebe es einfach, mit Kindern zu arbeiten“, sagt sie.

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