Weilheim und Umgebung

Sorgen und Wünsche finden hier Gehör

Rückblick Singen, unterhalten oder einfach zuhören: Seit zehn Jahren sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Sozialen Netzes Raum Weilheim für Pflegebedürftige da. Von Sabrina Kreuzner

Zeit für Gespräche gab es nach der Veranstaltung - wie hier mit Erika Jahke (links), ein Gründungsmitglied des Sozialen Netzes.
Zeit für Gespräche gab es nach der Veranstaltung - wie hier mit Erika Jahke (links), ein Gründungsmitglied des Sozialen Netzes. Foto: Sabrina Kreuzer

Ein Netz, das auf vielen Stützen getragen wird: Das ist das Soziale Netz Raum Weilheim. Die Gemeinden Weilheim, Holzmaden, Ohmden und Neidlingen schlossen sich vor einem Jahrzehnt zusammen, um ihren Nächsten zu helfen. Den Anstoß dafür gab Erika Jahke: „Damals habe ich vom betreuten Wohnen des Kreisseniorenrats gehört und brauchte das selbst für meine Mutter.“ Da es dieses Angebot in Weilheim noch nicht gab, zögerte sie nicht lange und besuchte den damaligen Weilheimer Bürgermeister Hermann Bauer im Rathaus. „Frau Jahke hat mich getrieben“, sagt Herrmann Bauer mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Es hat nicht viel Überzeugungsarbeit gebraucht“, sagt Herrmann Bauer. „Wir wollten einen eigenständigen und freien Verein gründen“, bestätigt Evi Haußmann. Sie ist seit Beginn ehrenamtliche Geschäftsführerin. Die Gründungsversammlung war für sie aufregend. Verträge mussten abgeschlossen werden, ehrenamtliche Mitarbeiter gefunden und koordiniert werden.

Zum Glück fand das Soziale Netz schnell Rosemarie Bühler. Sie ist seit Oktober 2007 hauptamtliche Angestellte. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen, deren Einsätzen, Schulungen und natürlich Gesprächen mit ihnen. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. „Du bist die gute Spinne in unserem Netz“, lobt sie Christian Birzele-Unger, Erster Vorsitzender des Vereins. Und auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter wissen ihre Arbeit zu schätzen. „Sie hat einen außergewöhnlich guten Sinn dafür, die richtigen Menschen zusammenzubringen“, sagt Margot Schuster. Sie ist die erste ehrenamtliche Mitarbeiterin des Sozialen Netzes. Seit Jahren besucht sie die gleiche Dame. Zwischen ihnen ist ein freundschaftliches Verhältnis entstanden: „Wir singen und reden miteinander. Davon profitieren wir beide.“

Auch Christian Birzele-Unger hat diese Erfahrung gemacht: „Viele unserer Ehrenamtlichen möchten einer Aufgabe nachgehen, nachdem sie in Rente gegangen sind.“ Durch den Besuchsdienst können sie älteren Menschen helfen, sich zu öffnen.

Nicht nur der Besuchsdienst ist ein wichtiger Teil des Sozialen Netzes. Elke Zecher leitet das „Café Lebenslust“ und den „Schönen Nachmittag“. Nachmittags treffen sich einmal im Monat Menschen, die noch fit sind und sich unter Leute mischen möchten. Demenzkranke finden seit fünf Jahren jeden Donnerstag Anschluss im Café Lebenslust.

Ferdi Virnich kümmert sich um die Wohnberatung. Diese wird meistens von den Kindern beantragt. „Das klassische Problem ist das Badezimmer“, sagte Ferdi Virnich. Bei der Beratung findet er heraus, wie die Vertragspartner dort klarkommen: Wie waschen sie sich? Wie steigen sie in und aus der Badewanne? Und wie kommen sie auf die Toilette?

Eines ist den Menschen beim Sozialen Netz wichtig: Sie sind für alle da. Nicht nur Vertragspartner können bei Rosemarie Bühler anrufen. Jeder kann sich bei ihr informieren. Meist sind es Fragen zu Pflegeversicherung und Demenz, die die Angehörigen von Pflegebedürftigen beschäftigen.

Zukünftig möchte das Soziale Netz die Entlastungsangebote weiter ausbauen und flexibler sein. „Hier muss man aber aufpassen und sich immer fragen: Wo hört das Ehrenamt auf und wo fängt die Dienstleistung an?“, sagt Rosemarie Bühler.

Was macht das Soziale Netz besonders?

1. Christian Birzele-Unger, Erster Vor­sitzender: „Für mich ist das Besondere am Sozialen Netz, dass Ehrenamtliche eine Arbeit machen, die hohe Professionalität erfordert. Gerade das Thema Demenz ist sehr anspruchsvoll. Ich sehe es als meine Aufgabe, diese engagierten Menschen so auszurüsten, dass sie diese Arbeit leisten können.“

2. Margot Schuster, erste ehrenamtliche Mitarbeiterin: „Der schöne Zusammenhalt macht das Soziale Netz einzigartig. Wir Ehrenamtlichen machen alle die gleiche Arbeit, das schweißt zusammen. Außerdem ist es schön, dass Rosemarie Bühler einen so feinen Sinn hat, die passenden Menschen zusammenzubringen.“

3. Rosemarie Bühler, hauptamtliche Koordinatorin: „Das Soziale Netz schließt die Lücke zwischen Dienstleistung und Ehrenamt. Unsere Mitarbeiter haben ein offenes Ohr für die Sorgen und Anliegen unserer Vertragspartner. Das ist für die Pflegedienste oft schwer, weil sie sowieso schon unter hohem Zeitdruck stehen.“ skr

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