Weilheim und Umgebung

Spätschicht im Weilheimer Jugendtreff

Ab Mitte April sorgen fünf junge Ehrenamtliche an Freitagen für Öffnungszeiten bis Mitternacht

Spätestens um 21 Uhr macht der Weilheimer Jugendtreff dicht – bis jetzt. Doch das soll sich ändern. Denn ab Mitte April wird immer freitags bis Mitternacht geöffnet sein. Möglich ist das, weil fünf Jugendliche auf ehrenamtlicher Basis die Spätschicht übernehmen.

Ob Bar, Tischkicker oder Billard - künftig sollen sich ältere Jugendliche freitags bis 24 Uhr im Jugendtreff aufhalten können. E
Ob Bar, Tischkicker oder Billard - künftig sollen sich ältere Jugendliche freitags bis 24 Uhr im Jugendtreff aufhalten können. Ehrenamtliches Engagement einiger Jugendtreff-Besucher macht das möglich. Foto: Tanja Spindler

Weilheim. Die Möglichkeiten für junge Leute, am Wochenende in Weilheim auszugehen, sind begrenzt. Nun soll es aber ein neues Angebot geben: „Eine ehrenamtliche Öffnung durch Jugendliche an Freitagabenden“, sagt Evelyn Schmidt, langjährige Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendtreffs Weilheim. Regulär schließt der Jugendtreff im Pavillon am Bildungszentrum Wühle freitags um 21 Uhr. „Die Jugendlichen übernehmen dann im Anschluss an unsere Öffnungszeiten bis etwa 24 Uhr“, so Schmidt.

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Gewachsen ist die Idee in den vergangenen Monaten. Immer wieder wurde der Wunsch an Evelyn Schmidt und ihre Kollegin Nicole Demming herangetragen, der Jugendtreff möge zumindest an den Wochenenden länger öffnen. Auch fünf Jugendliche, die schon lange in den Treff kommen, machten sich so ihre Gedanken, wie sich die Freitagabende angenehmer gestalten ließen. „21 Uhr ist freitags zu früh“, sagt einer von ihnen. Allzu oft hätten sie nicht gewusst, wohin nach dem Jugendtreff. „Man kann ja nicht den ganzen Abend im Dönerladen sitzen“, sagt einer, und ein anderer ergänzt: „Sobald man sich irgendwo draußen in einer größeren Gruppe unterhält, wird es laut, und die Anwohner beschweren sich.“

Für Evelyn Schmidt und Nicole Demming stand schnell fest: Die fünf Freunde sind die Idealbesetzung für das Projekt. „Wir kennen sie, sie kommen mit vielen anderen Jugendlichen gut zurecht, sie sind verlässlich und können sich auf eine gute Art durchsetzen“, beschreibt Schmidt.

Am 15. April soll es so weit sein: An dem Freitagabend schlüpfen die fünf Jungs zwischen 17 und 20 Jahren zum ersten Mal in ihre neue Rolle als Ehrenamtliche im Jugendtreff. Zuvor allerdings gibt es für sie noch eine Schulung: „Sie lernen dabei, welche Rechte und Pflichten sie haben, wo sie Unterstützung finden, wenn sie nicht weiterwissen, wie man mit Konflikten umgeht und wann sie ein Hausverbot aussprechen müssen“, erläutert Evelyn Schmidt. Ganz wichtig sei es, die Aufsichtspflicht zu beachten: „Es muss immer einer von der über 18-Jährigen dabei sein.“ Auch einen Crashkurs in Erste Hilfe bekommen die jungen Leute vor dem Start. Außerdem werden sich die beiden Jugendtreff-Mitarbeiterinnen anfangs bereithalten, falls ihre Hilfe gefragt ist.

Das Projekt begrüßt Ralph Rieck, Geschäftsführer des Kreisjugendrings Esslingen: „So etwas ist ein entscheidendes Moment für die Entwicklung eines Jugendtreffs“, sagt er und lobt: „Wenn die Mitarbeiterinnen guten Gewissens ein paar Jungs nennen können, denen sie das zutrauen, ist das auch das Ergebnis guter pädagogischer Arbeit.“

Ganz neu ist das Konzept der ehrenamtlichen Öffnungszeiten für Weilheim übrigens nicht: Schon einmal hatten Jugendliche Schichten am Abend übernommen. „Das ist gut zehn Jahre her“, erinnert sich Evelyn Schmidt. Lange ging es damals nicht gut. „Das lag aber nicht an der Zuverlässigkeit der Ehrenamtlichen“, betont sie. Nach einem Streit untereinander hätten die Verantwortlichen damals ihr Engagement beendet.

Nun hoffen Evelyn Schmidt und Nicole Demming, dass dieser Versuch glückt: „Wir haben den Eindruck, dass die fünf Jugendlichen sehr gut miteinander auskommen und glauben, dass das klappen kann.“

Der neue Standort des Kinder- und Jugendtreffs kommt gut an

Neue Räume: Vor einem knappen halben Jahr ist der Weilheimer Jugendtreff umgezogen. Die neuen Räume im Realschul-Pavillon kommen den beiden Jugendtreff-Mitarbeiterinnen Evelyn Schmidt und Nicole Demming zufolge gut an. „Wir haben viele neue Jugendliche, die jetzt regelmäßig da sind“, hat Evelyn Schmidt beobachtet. Auch dass es nun vier Räume gibt, statt einem, hat den gewünschten Effekt: Verschiedene Jugendgruppen können sich parallel in unterschiedlichen Zimmern aufhalten und bleiben daher auch länger. Den Standort schätzt Evelyn Schmidt sehr: „Seit wir hier am Bildungszentrum Wühle sind, werden wir viel mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen und sind mehr im Leben drin“, freut sie sich. Kooperation: Die Zusammenarbeit und der Austausch mit den Schulen läuft gut. Das bestätigen Lehrer wie auch die Jugendtreff-Mitarbeiter. Luft nach oben gibt es aber offenbar noch bei der Kooperation zwischen Jugendtreff und Schulsozialarbeit. Die Weilheimer Gemeinderätin Gerda Schrägle und der Geschäftsführer des Kreisjugendrings Ralph Rieck äußerten nun im Jugendtreffbeirat den Wunsch, die Zusammenarbeit zu verbessern. Bei Evelyn Schmidt stießen sie damit auf offene Ohren: „Wir fänden das auch sinnvoll, es hat bisher aber leider nicht geklappt“, so Schmidt. Ältere Jugendliche: Angestrebt wird, auch mehr ältere Jugendliche in den Jugendtreff zu holen. Gelegenheit, ihre Wünsche und Interessen zu äußern, haben junge Erwachsene zwischen 16 und 20 Jahren deshalb bei einem Gespräch mit Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. Ein Jugendforum, wie es in den vergangenen Jahren schon zwei Mal angeboten wurde, soll es dagegen frühestens wieder im Jahr 2017 geben.bil