Weilheim und Umgebung

Spender trotzen Virus und Fasching

Blutspenden Beim Termin in Holzmaden spielen weder Narren noch Corona-Angst eine Rolle. Mit angepeilten 180 Spenden an diesem Tag gehört die Urwelt-Gemeinde zu den Spitzenreitern im Land. Von Thomas Zapp

Blutspendetermin in der Gemeindehalle Holzmaden, Selbstversuch von Thomas Zapp, Bluspende, DRK Blutspendedienst
Blutspendetermin in der Gemeindehalle Holzmaden, Selbstversuch von Thomas Zapp, Bluspende, DRK Blutspendedienst. Foto: Markus Brändli

Mindestens 50 Kilogramm Körpergewicht? Kein Problem, da gibt es reichlich Puffer! Gab es eine Akupunktur oder eine Endoskopie in den vergangenen vier Monaten? Negativ. Schwangerschaft? Negativ. Gefängnisaufenthalt? Negativ. Transsexuelle Person mit sexuellem Risikoverhalten? Negativ. Die Fragen an den Blutspende-Neuling und Autoren dieses Artikels sind nicht ohne, aber sicher nicht diskriminierend gemeint. Sie sind erforderlich, weil es das „Medizinproduktgesetz“ so verlangt. „Sie sind als Blutspender sozusagen Hersteller eines Medizinproduktes“, erklärt mir Marc Schindel vom DRK Weilheim. Schließlich geht es hier um Sicherheit. Blutspenden sollen schließlich Leben retten, nicht gefährden.

Nach einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus werden wir Blutspender an diesem Nachmittag in der Gemeindehalle von Holzmaden nicht ausdrücklich gefragt. „Sie müssen beantworten, wo und wann Sie im Ausland waren“, sagt Daniel Schnell vom Blutspendedienst Baden-Würt­temberg. Damit seien Risikogebiete ebenfalls abgedeckt. Der Check der Körpertemperatur gehört ohnehin dazu, und zwar per Infrarot und kontaktlos: Dabei wird der Stift nur wenige Sekunden vor die Stirn gehalten. „Wer mit roten Augen kommt und triefender Nase, wird eh wieder heimgeschickt“, sagt Daniel Schnell. Das ist bei mir nicht der Fall.

Der richtige Mix aus Anspannung und Lockerheit ist die halbe Miete. Beim Blutspenden kann auch der rote Gummiball helfen. Den Bl
Der richtige Mix aus Anspannung und Lockerheit ist die halbe Miete. Beim Blutspenden kann auch der rote Gummiball helfen. Den Blick auf sein Blut hat sich der Redakteur lieber für später aufgehoben: Als es aufs Foto gebannt war.Fotos: Markus Brändli

Nicht nur das allgegenwärtige Coronavirus-Thema, auch der Rosenmontag könnte die angepeilte Zahl von 187 Spenderinnen und Spendern an diesem Tag gefährden. War ich anfangs noch am überlegen, ob ich heute tatsächlich meine Blutspender-Karriere starte, ist spätestens jetzt klar: Die Spenderzahl muss erreicht werden, also fließen heute auch 0,5 Liter Redakteursblut. Ich bin aber nicht der einzige: Neben Senioren kommen auch einige Holzmadener direkt mit dem Blaumann zum Spenden. Nur Jüngere sieht man am frühen Nachmittag nicht.

Mit einem Vorabpiekser wird gecheckt, ob der Sauerstoffgehalt im Blut stimmt, danach werden Blutdruck und Herzfrequenz geprüft. Dann informieren die Helfer noch zu Risiken und Nebenwirkungen. Es kann Blutergüsse geben, auch ein Nerv unter der Haut kann getroffen werden. Das trifft aber auf jede Blutabnahme oder Impfung beim Hausarzt ebenfalls zu. Gerade den Erstspendern passiere es, dass ihnen schlecht oder schwindelig wird, erfährt man weiter. Sie machen 90 Prozent der „wackeligen“ Spender aus. Davon wiederum sind 90 Prozent Frauen. Das teilt der Helfer ohne Häme mit, weil es einfach ein Fakt ist.

Wichtig ist auch, im Vorfeld genug zu trinken. Also kippe ich schnell noch zwei, drei Gläser Sprudel hinunter, mehr Blubberwasser erlaubt der Magen auf die Schnelle nicht. Nun geht es also auf die Liege. Faust machen, lösen, Faust machen. Dann legt die Helferin einen Ball in die Hand, den ich bearbeiten soll. Sie schaut zufrieden: Es läuft. Ich schaue lieber nicht auf den Beutel, der sich langsam füllt, auch wenn ich keine Frau bin. Neben mir ertönt eine Stimme. „Zum ersten Mal hier?“ - „Ja, und Sie?“ - „Zum 25. Mal.“ - „Glückwunsch zum silbernen Spendenjubiläum.“ Beim internen Blut-Battle ist der Nachbar etwas schneller. Wahrscheinlich sind seine Venen etwas größer. Meine Zeit ist aber auch nicht schlecht, kurz nach ihm bin ich fertig.

Blutspendetermin in der Gemeindehalle Holzmaden, Selbstversuch von Thomas Zapp, Bluspende, DRK Blutspendedienst
Blutspendetermin in der Gemeindehalle Holzmaden, Selbstversuch von Thomas Zapp, Bluspende, DRK Blutspendedienst. Foto: Marus Brändli

Um einen halben Liter Blut erleichtert, ist erst mal nicht so ganz klar, wohin die Reise geht. Liegen bleiben, aufstehen? Auf jeden Fall erst mal den Arm heben. Das sieht ganz lustig aus: Als ich zum Tisch gehe, an dem andere Spender sitzen, haben alle ihren Arm gehoben. Das sieht aus wie früher in der Schule. Ich nehme lieber noch einmal die Liege, anstatt den Stuhl, bin ja ein Anfänger.

Nach 15 Minuten erhebe ich mich etwas unsicher und begebe mich zum Getränketisch - das Glas Cola hilft. Nun gibt es noch eine Belohnung: eine Grillzange. Und nicht zu vergessen: Das kalte Buffet im Nebenraum ist gratis.

Um 17.30 Uhr vermeldet Sigrun Maurer-Schindel vom DRK Weilheim: „Wir liegen bei 112 Spendern, das ist absolut im Schnitt.“ Holzmaden gehört zu den spendenfreudigen Orten. „Auf dem Land ist die Spendenbereitschaft höher, dort nimmt man noch mehr Anteil am Schicksal des Nachbarn“, sagt Daniel Schnell. Seit Jahren nehme sie aber generell ab. Das hat nichts mit der Corona-Angst zu tun, sondern ist eher ein gesellschaftliches Phänomen. „Woran es genau liegt, wissen wir nicht“, sagt er. Baden-Württemberg gehöre aber bundesweit mit einem Schnitt von 124 Spendern pro Termin zu den Spitzenreitern. „Andere Bundesländer kommen kaum auf 60“, sagt er.

Mein Nachbar mit dem silbernen Jubiläum sagt: „Ich hab meine Söhne schon einmal mitgenommen. Ich hoffe, sie werden auch Spender.“ Ab 18 dürfen sie mitmachen.

Weitere Termine gibt es unter der gebührenfreien Hotline 08 00/1 19 49 11 oder im Internet unter www.blutspende.de

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