Weilheim und Umgebung

Stadt investiert so viel wie noch nie

Finanzen Im kommenden Jahr hat Weilheim immense Ausgaben zu stemmen. Aber nicht nur die zwei Großprojekte Freibad und Kita machen einen tiefen Griff in den Sparstrumpf notwendig. Von Bianca Lütz-Holoch

Voll im Gange sind die Bauarbeiten am Weilheimer Freibad. Die Sanierung des beliebten Bades am Fuße der Limburg kommt die Stadt
Voll im Gange sind die Bauarbeiten am Weilheimer Freibad. Die Sanierung des beliebten Bades am Fuße der Limburg kommt die Stadt allerdings teuer zu stehen.Foto: Carsten Riedl

Das Jahr 2019 wird für Weilheim ein ganz besonderes. Das liegt zum einen natürlich daran, dass das große Stadtjubiläum ansteht: Vor 1 250 Jahren wurde der Ort zum ersten Mal urkundlich erwähnt, seit 700 Jahren hat Weilheim Stadtrechte. Außergewöhnlich soll 2019 aber auch in finanzieller Hinsicht werden, wie Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle nun in seiner Haushaltsrede klargestellt hat: „Wir setzen die Rekordsumme von zwölf Millionen Euro für Investitionen ein“, legt der Rathauschef die Pläne der Stadtverwaltung für das kommende Jahr dar. Damit die Stadt das stemmen kann, muss sie tief in den Sparstrumpf greifen: „Wir entnehmen 8,6 Millionen Euro“, so Züfle. Wirklich überraschend kommt das Ganze aber nicht: „Das war in Teilen geplant und vorhersehbar“, betont der Bürgermeister.

Immense Summen verschlingen vor allem zwei Großprojekte: Für die Freibadsanierung, die bereits auf Hochtouren läuft, fallen rund 3,8 Millionen an, der Bau der neuen Kindertagesstätte in der Schellingstraße kostet sogar 3,9 Millionen Euro. Beides ist aus Sicht des Rathauschefs jedoch dringend notwendig. „Das alljährliche Bibbern, ob die altehrwürdige Freibad-Technik noch eine Saison mitspielt, ist damit Geschichte“, freut er sich. Mit dem Bau der sechsten städtischen Kita in Weilheim leiste die Stadt zudem einen wichtigen Beitrag für die Betreuung der jüngsten Einwohner und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Geld benötigt die Stadt aber auch noch für andere Projekte: So sind 1,4 Millionen Euro für Straßensanierungen vorgesehen und 382 000 Euro für ein neues Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr. 130 000 Euro kostet die Verkabelung des Bildungszentrums Wühle und mit 345 000 Euro zu Buche schlagen der Architektenwettbewerb sowie weitere Planungen zum Neubau der Turnhalle an der Limburgschule. Die Turnhalle ist übrigens ein Posten, für den die Stadt in den kommenden Jahren noch viel mehr Geld aufbringen muss: 5,3 Millionen Euro werden dafür voraussichtlich benötigt.

Neue Ideen für alten Friedhof

Ganz neu auf der Agenda der Stadtverwaltung sind zwei Projekte. Zum einen soll der alte Friedhof ansprechender gestaltet werden. „Wir möchten die Grünfläche für breite Bevölkerungsschichten attraktiv machen“, sagt Johannes Züfle. Geplant ist, die Gedenkstätten der beiden Weltkriege stärker ins Bewusstsein zu rücken. „Der alte Friedhof könnte als lebendiges Mahnmal für den seit 73 Jahre herrschenden - aber keinesfalls selbstverständlichen - Frieden aufgewertet werden.“ Ihren Friedhofscharakter soll die Anlage jedoch behalten.

Im Fokus steht auch in Zukunft das Thema Wohnraum: „Wir wollen ein zweites Mal ein Programm zum Flächengewinn durch Innenentwicklung auflegen“, erläutert Johannes Züfle. Die Idee der Stadt ist es, Brachflächen und Leerstände zu erfassen, Kontakt mit den Eigentümern aufzunehmen und ihnen eine kostenfreie Beratung durch externe Planer anzubieten. Dafür würden kommendes Jahr 40 000 Euro benötigt.

Den Weilheimern etwas Gutes tun möchte die Verwaltung mit einer Reihe von kleineren Verbesserungen. So könnte der zentrale Bushalt eine elektronische Fahrgastanzeige bekommen, und es sollen neue Sitz- und Ruhemöglichkeiten in der Stadt entstehen. Geplant ist zudem, ein Fortbildungsprogramm für Führungskräfte anzubieten und das Strategische Entwicklungskonzept, das als Leitfaden für die Stadtentwicklung in Weilheim dient, zu überprüfen und zu überarbeiten.

Beim Personal bleibt nach dem Willen des Bürgermeisters alles beim Alten - außer im Bereich Kindergarten und Schule: „Da schlagen wir maßvolle Anpassungen der Stellen um zwei Mal zehn Prozent vor.“

Rote Zahlen sollen eine Ausnahme bleiben

Das ordentliche Ergebnis - die entscheidende Kennzahl für die Genehmigung des Haushalts - fällt in Weilheim 2019 wohl negativ aus. Das ist allerdings kein Beinbruch, wie Stadtkämmerer Dennis Bräunle erläutert. „Wir haben die letzten Jahre immer positiv abgeschlossen“, sagt er. Insgesamt haben sich fast acht Millionen Überschuss angehäuft. Das Minus von rund 1,2 Millionen Euro lässt sich also ohne Schwierigkeiten ausgleichen. Außerdem soll der Exkurs in die roten Zahlen ein Ausrutscher bleiben. „Wir rechnen damit, dass die Ergebnisse in den Jahren 2020 bis 2022 wieder positiv sind“, so der Kämmerer.

Erklären lässt sich der Sturz unter null im kommenden Jahr mit zwei Phänomenen. „Zum einen sind die Investitionen von zwölf Millionen Euro wirklich sehr hoch“, sagt Dennis Bräunle. Zum anderen greift der berüchtigte Zwei-Jahres-Rhythmus. Erwirtschaftet eine Gemeinde ein sehr gutes Ergebnis, so muss sie zwei Jahre später dafür „büßen“. Nach einem außerordentlich guten Jahr 2017 fallen in Weilheim rund 1,3 Millionen Euro mehr an Kreis- und Finanzausgleichsumlage an als 2018. „Das entspricht etwa unserem Minus“, so Bräunle.bil

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