Weilheim und Umgebung

Stadtticket kommt trotzdem

ÖPNV Auch wenn der Corona-Ausnahmezustand herrscht: Ab 1. April können Fahrgäste in Weilheim und Neidlingen für drei Euro am Tag Bus fahren. Von Bianca Lütz-Holoch

Gemeinsamer Beitrag zur Verkehrswende: Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle (links) und der Neidlinger Bürgermeister Klaus Däs
Gemeinsamer Beitrag zur Verkehrswende: Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle (links) und der Neidlinger Bürgermeister Klaus Däschler setzen auf das neue Stadtticket. Foto: pr

Wer kann, sollte öffentliche Verkehrsmittel im Moment meiden. Doch auch in Zeiten der Corona-Pandemie gibt es Menschen, die dringend auf sie angewiesen sind. Für sie gibt es gute Nachrichten: Das Stadtticket für Weilheim und Neidlingen kommt wie geplant zum 1. April. Für drei Euro am Tag können Fahrgäste damit so oft sie wollen innerhalb von Weilheim und Neidlingen Bus fahren.

„Die Einführung war von technischer Seite schon von langer Hand geplant“, informiert die Pressesprecherin des Verkehrsverbund Stuttgart (VVS), Uli Weißinger. Deshalb gehe das Stadtticket nun trotzdem an den Start. Richtig zum Tragen kommen sollen die Vorteile dann, sobald die Epidemie überwunden ist.

„Mit dem Stadtticket werben wir für das Busfahren und leisten einen Beitrag zur Verkehrswende und zum Klimaschutz“, sagt Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. Ziel sei es, mehr Menschen für umweltfreundliche Verkehrsmittel zu begeistern und die Straßen zu entlasten. Genauso sieht es sein Neidlinger Amtskollege Klaus Däschler. „Das Stadtticket ist der richtige Schritt zur Stärkung des ÖPNV“, betont er. „Wir leisten durch diese Förderung einen Beitrag zur Verringerung des Individualverkehrs.“

Die Bürgermeister hoffen nun auf eine hohe Akzeptanz. Schließlich lassen sich die Stadt Weilheim und die Gemeinde Neidlingen das Ticket auch etwas kosten: „Die Kommunen müssen das ausgleichen, was der VVS durch das Stadtticket weniger einnimmt“, erläutert Johannes Züfle. Geschätzt sind das in Weilheim etwa 5800 Euro und in Neidlingen 4500 Euro pro Jahr. Genau das schießen die Kommunen vorerst zu. Genau abgerechnet wird später.

Daran, dass das Stadtticket auch in Weilheim und Neidlingen zum Erfolg wird, hegt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler keinen Zweifel. In 19 anderen Städten und Gemeinden - darunter Kirchheim und Dettingen - habe es sich als Verkaufsschlager entpuppt. „Ich bin mir sicher, dass wir nach Ende der Corona-Krise auch in Weilheim und Neidlingen gute Erfahrungen machen“, so Stammler. Im Kreis steigen auch Ostfildern und Wendlingen zum 1. April ein.

Fahrplan wird nicht umgestellt

Dass Weilheim und Neidlingen beim Stadtticket in einem Boot sitzen, liegt daran, dass die Linie 177 über Hepsisau nach Neidlingen fährt. Auf der Strecke war eigentlich eine Fahrplananpassung geplant gewesen. Ab 4. April hätte das Umsteigen entfallen sollen. „Die Änderung kommt jetzt aber noch nicht“, meldet Weilheims Ordnungsamtsleiter Helmut Burk- hardt. Wegen des Coronavirus werde sie verschoben.

Vom neuen Stadtticket profitieren sollen übrigens auch die Busunternehmen. Statt mehreren Einzeltickets werden Nutzer künftig oftmals nur noch ein Stadtticket am Tag kaufen: „.Das erleichtert das Verkaufsprozedere, verkürzt die Fahrgastschlangen beim Einstieg und sorgt somit für pünktlichere Busse“, sagt Uli Weißinger. Derzeit empfiehlt der VVS aber ohnehin, Fahrscheine vorab als Handy-Ticket über die VVS-App zu kaufen: Aufgrund der Corona-Vorsichtsmaßnahmen ist der vordere Einstig beim Busfahrer gesperrt. Ohnehin sollte sich im Moment jeder im Vornherein via Internet über die Fahrpläne informieren. „Um sicher zu gehen, dass der Bus trotz des aufgrund von Corona eingeschränkten Fahrplans fährt“, betont Helmut Burkhardt.

Das Stadtticket wird als Tagesticket verkauft und gilt bis 7 Uhr am nächsten Morgen für beliebig viele Fahrten im Geltungsbereich. Das Einzelticket kostet drei Euro, das Gruppenticket für bis zu fünf Personen sechs Euro. Sparen können Fahrgäste damit ab der zweiten Fahrt.

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