Weilheim und Umgebung

Startschuss für Kirchensanierung

Umbau Fundament und Dach der denkmalgeschützten Ohmdener Dorfkirche werden erneuert. Außerdem bekommt das Kleinod in der Ortsmitte ein Vordach und einen rollstuhlgerechten Zugang. Von Bianca Lütz-Holoch

Kirche Ohmden Vor Ort mit Architekt Dieter Hoff und Pfarrer Taut
Haben einen Plan für die Ohmdener Kirche: Architekt Dieter Hoff (links) und Pfarrer Andreas Taut. Foto: Carsten Riedl

Das Spendenbarometer ist beachtlich weit nach oben geklettert, die Baugenehmigung liegt vor und der Denkmalschutz hat seinen Segen gegeben: Die Kirchensanierung in Ohmden kann starten. Ende dieser Woche soll das Gerüst stehen, in der kommenden Woche beginnen die eigentlichen Bauarbeiten.

„Wenn alles glattläuft, ist die Sanierung im September abgeschlossen“, geht Architekt Dieter Hoff auf den Zeitplan ein. Andreas Taut, geschäftsführender Pfarrer in Ohmden, formuliert es etwas vorsichtiger: „Wir hoffen, dass wir das Erntedankfest im Oktober in einer renovierten Kirche feiern können.“

Dass die Ohmdener Dorfkirche saniert werden muss, steht schon länger fest: Risse ziehen sich durchs Mauerwerk, das Dachgebälk ist morsch und das Fundament ist an einigen Stellen kaum noch vorhanden. „Im Dachstuhl müssen vor allem die verfaulten Mauerschwellen erneuert werden“, sagt Dieter Hoff. Das sind die Balken, die auf der Mauer aufliegen und das Gebälk darüber tragen. Um die frischen Schwellen einbauen zu können, wird der gesamte Dachstuhl mit Zugseilen angehoben. „Er ist sonst noch in einem guten Zustand“, versichert der Architekt, der als Fachmann für Sakralbauten gilt.

Kirche Ohmden Vor Ort mit Architekt Dieter Hoff und vielleicht Pfarrer Taut
Die Flüchtlinge sollen zentral in Ohmden untergebracht werden.

Dann geht es in den Boden. „Im Südosten ist die Fundamenttiefe besonders gering“, sagt Dieter Hoff. Teilweise beträgt sie dort nur 20 Zentimeter. Problematisch sind für die Ohmdener Kirche überdies die immer ausgedehnteren Trockenperioden. „Der Baugrund ist lehmig und schrumpft bei Trockenheit“, beschreibt es Dieter Hoff: „Das Fundament liegt dann quasi hohl.“ Eine Rolle spielt dabei auch die Linde, die seit 1891 auf der Wiese neben der Kirche steht: Sie entzieht dem Boden noch mehr Feuchtigkeit. Denkmalamt und Naturschutz möchten den Baum aber gern im Ensemble erhalten. Nun soll das Kirchenfundament abschnittsweise mit Beton unterfangen werden, um das Gebäude vor weiterem Absacken zu schützen. Saniert wird übrigens auch der alte Taufstein von 1483, der aktuell draußen vor der Kirche steht. Noch in zwei weiteren Punkten wird die Kirche fit für die Zukunft gemacht. Zum einen bekommt der Haupteingangsbereich ein Glasdach. Zum anderen wird ein rollstuhlgerechter Zugang von Osten her geschaffen.

Kirche Ohmden Vor Ort mit Architekt Dieter Hoff und vielleicht Pfarrer Taut
Fundament und Dach der denkmalgeschützten Ohmdener Dorfkirche werden erneuert.  Foto: Carsten Riedl

Zusammen mit dem gläsernen, rund 20 Quadratmeter großen Vordach wird sich der Charakter des Eingangsbereichs im Freien verändern. „Der Kirchenvorplatz vergrößert sich“, sagt Andreas Taut. Dazu werden die Stufen vorm Haupteingang angehoben und ein Stück von der Grünfläche weggenommen. „Das reduziert auch den Pflegeaufwand“, führt der Pfarrer an. Statt Waschbetonplatten zieren künftig Pflastersteine den Boden. Auch der Platz rund ums Kriegerdenkmal wird gepflastert. „Alles in allem soll sich die Aufenthaltsqualität erhöhen, sodass die Leute nach der Kirche auch mal ein bisschen länger stehen bleiben und sich unterhalten können“, sagt Taut.

Kirche Ohmden Vor Ort mit Architekt Dieter Hoff und vielleicht Pfarrer TautTaufbrunnen
Der Taufbrunnen der Ohmdener Kirche.  Foto: Carsten Riedl

Schon seit Jahrzehnten hat die Ohmdener Kirchengemeinde Pläne für einen rollstuhlgerechten Zugang in der Schublade. Jetzt wird er gebaut. Künftig führt von Osten her eine Rampe zum Seiteneingang der Kirche. Der gesamte Weg wird stufenfrei sein und höchstens sechs Prozent Gefälle haben.

236 000 Euro soll die Sanierung der Ohmdener Dorfkirche kosten. Die Finanzierung ist in trockenen Tüchern. Rund 90 000 Euro schießen die Landeskirche und der Kirchenbezirk zu, der Rest wird aus Rücklagen und Spenden gezahlt. „Die Spendenbereitschaft der Ohmdener war hoch“, freut sich Andreas Taut. Über die Crowdfunding-Aktion „Die Mitte erhalten“ sind knapp 40 000 Euro zusammengekommen. Unter anderem gab es Kirchenführungen, Weinproben, Lesungen, Saftverkauf, Basare und einen Sponsorenlauf.

Wünsche sind aber trotzdem noch ein paar offen: „Eigentlich müsste man noch die Kanzel runtersetzen und die Mikrofonanlage erneuern“, sagt Andreas Taut. In den Sanierungskosten sind diese beiden Posten aber noch nicht enthalten. Und noch auf etwas anderes hofft der geschäftsführende Pfarrer: „Dass die bürgerliche Gemeinde ihrer Pflicht nachkommt und das Kriegerdenkmal vor der Kirche saniert.“ Denn dafür ist nicht die Kirche, sondern die Kommune zuständig. „Es wäre natürlich günstig, wenn das in einem Aufwasch mit der Kirchensanierung passieren würde“, so Taut.

Während der Bauarbeiten finden die Gottesdienste im evangelischen Gemeindehaus statt.

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