Weilheim und Umgebung

Strom bringt mehr Bienen nach Bissingen

Versorgung Die Seegemeinde will ihre Energie nachhaltiger beziehen. Für drei Jahre wird zumindest ein Drittel des Gesamtverbrauchs ökologisch abgedeckt. Von Thomas Zapp

So sieht es in der Realität noch nicht aus, aber bald: Bienen vor der Bissinger Schule. Fotomontage: Carsten Riedl
So sieht es in der Realität noch nicht aus, aber bald: Bienen vor der Bissinger Schule. Fotomontage: Carsten Riedl

Bissingen setzt auf Bienenstrom, aber vorerst nur als Pilotprojekt. Die Seegemeinde hat sich entschieden, das nachhaltige Stromangebot der Stadtwerke Nürtingen für die Grund- und Hauptschule sowie dem Kindergarten einzukaufen. Drei Jahre wolle man das Projekt in der Gemeinde testweise laufen lassen, sagte Bürgermeister Marcel Musolf auf der jüngsten Gemeinderatssitzung. Wenn das Ergebnis positiv und die Kosten vertretbar seien, solle es weitergehen. Die Schule mitsamt dem Kindergarten macht derzeit ein Drittel des Stromverbrauchs in der Gemeinde aus. Das Rathaus geht von Mehrkosten in Höhe von 3 000 Euro pro Jahr aus.

Zumindest will die Gemeinde damit ihrer „Vorbildfunktion“ gerecht werden, wie Ratsmitglied Andrea Bizer meint. Schließlich gilt Bienenstrom als etwas Gutes. Die Stadtwerke Nürtingen haben das gleichnamige Produkt im April 2018 ins Leben gerufen. Ein Cent pro Kilowattstunde fließt in einen Topf für Landwirte, die biologische Vielfalt mit dem Fokus auf Bienen, Wildbienen und blühenden Lebensraum unterstützen. Die Projekte werden gemeinsam mit den Verantwortlichen für das Biosphärengebiet Schwä bische Alb ausgewählt. In einem ersten Schritt sollen Maisflächen, die für die Energieerzeugung in Biogasanlagen angebaut werden, in Wiesen mit artenreichen Blütenmischungen umgewandelt werden. Da Wildpflanzen einen geringeren Brennwert haben als Mais, zahlen die Stadtwerke den Landwirten diesen Cent als Entschädigung. Werbewirksam haben sie ihn „Blühhilfebeitrag“ genannt. Die Stadtwerke sind Pioniere und bedienen gleichzeitig einen Trend: Bundesweit ist Bienensterben mittlerweile ein Thema.

Da will auch Bissingen mitmachen und künftig schauen, ob man zu hundert Prozent auf Ökostrom setzt. Vorerst wird das grüne Gewissen mit einem Anteil Bienenstrom beruhigt, während der Rest mit konventioneller Energie läuft. Dabei setzt Bissingen wie in den vergangenen Jahren auf eine Bündelausschreibung mit mehreren Gemeinden, die einen besseren Preis ermöglicht.

Umweltschutz will bezahlt sein, und da tastet sich Bissingen heran. „Artenschutz ist wichtig. Wir müssen so einem Projekt eine Chance geben“, sagt Marcel Musolf. Und dabei bleibt es nicht: Parallel werden in der Gemeinde Flächen für „eine insektengerechte Bepflanzung“ ausgewiesen, betont der Gemeindechef.

Zustimmung gab es im Gemeinderat parteiübergreifend von allen Mitgliedern. „Wir können davon ausgehen, dass die meisten von uns in drei Jahren hier auch noch sitzen, dann sehen wir weiter“, meint Gabriele Göbel von der Unabhängigen Wählervereinigung UWV. Der Beschlussvorschlag ist einstimmig angenommen worden. Ob nun auch die Schüler der Bissinger Grund- und Hauptschule mit dieser Stromversorgung automatisch den sprichwörtlichen Bienenfleiß an den Tag legen, bleibt allerdings abzuwarten.

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