Weilheim und Umgebung

Trendige regionale Produkte

Gaumenfreude Die achte Auflage des Weilheimer Käsemarkts erfreute sich großer Beliebtheit, besonders Regionales wird wertgeschätzt. Von Sabine Ackermann

Alles Käse? Von wegen. Auf dem Käsemarkt im Weilheimer Städtle gab es zahlreiche Köstlichkeiten, die rund um die Teck wachsen un
Alles Käse? Von wegen. Auf dem Käsemarkt im Weilheimer Städtle gab es zahlreiche Köstlichkeiten, die rund um die Teck wachsen und produziert werden. Fotos: Sabine Ackermann

Der Zettel, auf dem die Namen der saisonalen Wildkräuter- und Blumenmischungen für Küche und Tee aufgelistet sind, flattert im Wind. „Auf Anfrage auch individuell“, bietet Francesca Greiner aus Owen darauf an. Ihr Stand ist gut besucht, das Interesse an den Naturprodukten ist groß. Auch deshalb, weil es viel zu lesen gibt, sowohl an den unzähligen kleinen Fläschchen mit Essenzen und den besonderen Botschaften. Zum einen bittet sie um Spenden für eine gemeinnützige Organisation, macht auf die verheerende Regenwaldabholzung am Amazonas aufmerksam. „Suche Helfer für die Mutter Erde“, heißt es auf einem weiteren Plakat. Ihre Absicht ist, an einem Tag in die Natur zu gehen und Müll zu sammeln, über die Pflanzen zu reden und so die Verbindung „Mensch - Natur“ wieder herzustellen.

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Gelesen wurde dieser Aufruf. Zwei ältere Frauen unterhalten sich darüber, finden die Aktion generell gut. Bei der Nachfrage, ob sie dabei auch mitmachen würden, antwortet eine Dame: „Jetzt sind die Jungen dran, die leben doch in der Wegwerfgesellschaft. Wir haben unseren Beitrag längst geleistet.“

Tacheles reden - auch das gehört irgendwie zum Käsemarkt. Und dieser lockte bei der achten Auflage am Ende der Biosphärenwoche eine stattliche Anzahl an Besuchern in den historischen Stadtkern Weilheims. Rund um den Platz der malerischen Peterskirche - in der übrigens zeitgleich eine Hochzeit stattfand - drehte sich vieles, aber eben nicht alles, rund um den Käse. Im Vordergrund standen insbesondere regionale Produkte, wie unter anderem Liköre oder Brände von den Streuobstwiesen der Brennerei vom Pfundhardthof. „Ich kann mich nicht beklagen“, verrät Christoph Schietinger und schenkt immer wieder ein hochprozentiges „Schlückle“ ein. Ein junges Paar aus Kirchheim befindet sich in der Entscheidungsphase. Während Benjamin Greye zu „nicht so süß“ tendiert, mundet Saskia Höhenberger der eher liebliche Brombeerlikör. „Der schmeckt fast wie Saft“, berichtet sie und bedauert, dass ihr Favoritenfläschchen mittlerweile ausverkauft ist. Im Angebot sind unter anderem noch die acht Jahre gereifte „Gellerts Butterbirne“ sowie Pflaume oder Walnuss.

Selbst wenn der Trend seit ein paar Jahren zum Ziegenkäse geht, muss Caroline Hepperle vom gleichnamigen Bio-Demeter-Hof aus Kirchheim zugeben: „Wir müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten, um die Vorurteile abzubauen“, verrät sie und begrüßt es, dass man auf diesem kleinen und feinem Markt „nah am Kunden ist“. Das finden auch Christa Glaser und Marion Gölz vom Hoflädle aus Nabern, denn nicht von ungefähr hat sich das Ehepaar Ursula und Hans-Rudi Bührle aus Bad Boll mit unterschiedlichen Käsesorten eingedeckt.

Rundum zufrieden ist Thomas Buck. Der Kirchheimer bietet unter anderem Kissen aus Kirsch-, Raps- und Traubenkernen an und lobt: „Selten hatte ich ein so gutes und kaufinteressiertes Publikum.“ Über mangelndes Interesse braucht sich außerdem Heiner Sommer von der Ratsstube nicht zu beklagen, gerne schauen ihm die Leute dabei zu, wie der Fachmann handgeschabte Käsespätzle zubereitet. Dem Gastronom liegt dabei ganz besonders eine Sache am Herzen: „Dass die Menschen wieder die Qualität der Speisen wahrnehmen“. Eine weitere Aktion war das angekündigte „Butterstampfen“, wobei „Butterschütteln“ der korrektere Ausdruck gewesen wäre. „Das wird von Erwachsenen und Kindern gut angenommen“, freut sich Birgit Schäfer vom Freilichtmuseum Beuren, die nicht müde wird, den Interessierten unter dem Motto: „Kühe machen Mühe“ darüber Wissenswertes zu erzählen. Gefragt sind die kleinen, mit etwas Sahne gefüllten Schraubgläser, die man dann je nach „Muckis“ zwischen fünf und zehn Minuten kräftig schütteln muss. Und tatsächlich - plötzlich bildet sich am Glasboden Butter und darüber etwas durchsichtige Buttermilch. Stolz schmieren sich Kimberly, Ines, Bruno und Noah ihre Eigenproduktion aufs Brot und lassen sich diese mit und ohne Kräuter schmecken.