Weilheim und Umgebung

Trotz guter Auslastung soll Schluss sein

Entscheidung Nach Meinung der Gewerkschaft ist das Werk der Schweizer Group in Hattenhofen gut ausgelastet. Trotzdem soll es geschlossen werden. Von Tobias Flegel

Rund 175 Jobs stehen bei der Schweizer Group Global in Hattenhofen auf der Kippe. Dem Insolvenzverwalter zufolge arbeitet das We
Rund 175 Jobs stehen bei der Schweizer Group Global in Hattenhofen auf der Kippe. Dem Insolvenzverwalter zufolge arbeitet das Werk unrentabel. Foto: Carsten Riedl

Die Hiobsbotschaft von der geplanten Schließung des Werks in Hattenhofen hat die Beschäftigten der Schweizer Group Global kalt erwischt. „Die Leute haben das am Freitag schriftlich vom Insolvenzverwalter erfahren“, berichtet Martin Purschke von der IG Metall. Auch den Bevollmächtigten der Gewerkschaft traf die Nachricht unvorbereitet: „Wir waren sehr überrascht über den schnellen Verkauf.“ Am Dienstag hatte die mit der Suche nach Interessenten beauftragte Kanzlei sowohl die Veräußerung als auch die Schließung von zwei Werken der Schweizer Group bekannt gegeben. Durch die Entscheidung droht 174 Männern und Frauen der Verlust ihres Jobs.

Belegschaft wie Gewerkschaft sind aus einem einfachen Grund überrascht von der schlechten Nachricht: Die Arbeit an dem Standort im Voralbgebiet läuft offenbar gut. „Das Werk ist gut bis sehr gut ausgelastet“, sagt ­Purschke. Die Unternehmensgruppe habe sich im Sommer von der im April aufgenommenen Kurzarbeit verabschiedet. „Es ist unerklärlich, warum ein Werk, das so gut läuft, eingestellt wird“, findet der Mann von der IG Metall.

Die mit dem Insolvenzverfahren beauftragte Kanzlei stellt die Lage anders dar. „Trotz zunächst regen Interesses konnte für die Standorte Hattenhofen und Murrhardt aufgrund nicht rentabler Produktionsabläufe leider kein Investor gefunden werden, sodass Winkler nun dort die Ausproduktion einleiten wird“, teilte „Winkler Gossak“ am Dienstag mit. Der Insolvenzverwalter habe sich in den vergangenen knapp neun Monaten weltweit um Käufer für die Werke der Schweizer Group bemüht, aber nur welche für die Standorte in Roding und Plauen gefunden. Geht der Verkauf dort wie geplant zum 4. Januar 2021 über die Bühne, können in Bayern und Sachsen zusammen 253 Arbeitsplätze gesichert werden. Die Werke in Hattenhofen und Murrhardt konnte Winkler dagegen nicht verkaufen. Im Rems-Murr-Kreis beschäftigt die Schweizer-Gruppe laut einem Sprecher der Kanzlei aus Stutt­gart 102 Menschen.

Sozialverträgliche Lösungen

Der Insolvenzverwalter will in den kommenden Wochen in Hatten­hofen mit dem Betriebsrat sozial­verträgliche Lösungen für die Beschäftigten ausarbeiten. Was das konkret heißt, ist noch unklar: „Wir sind sehr gespannt, was eine sozialverträgliche Auflösung der Arbeitsverhältnisse ist und wie das Angebot für Arbeitnehmer aussehen wird“, sagt ­Martin ­Purschke von der ­IG-Metall. Mitarbeiter von Unternehmen, die sich in einem Insolvenzverfahren befinden, kämen meistens schlecht weg: Für sie gelte ein kürzerer Kündigungsschutz und ein geringerer Anspruch auf eine finanzielle Abfindung.

Der Gewerkschafter will sowohl dem Insolvenzverwalter als auch der Geschäftsleitung in den kommenden Tagen und Wochen auf den Zahn fühlen. „Es ist immer noch unklar, ob es weitere ­Optionen gab“, sagt Purschke. ­Seines Wissens fänden weiterhin Gespräche mit potenziellen Käufern statt. „Wir fordern den Insolvenzverwalter auf, immer noch nach Alternativen für das Werk zu suchen.“

Doch außer der Mitteilung über die geplante Auflösung des Werks erfuhren die Mitarbeiter nichts über die Umstände der Entscheidung sowie die nahe Zukunft. Bei mehreren Treffen von Betriebsrat, IG Metall und Beschäftigten am Dienstag nahm kein Mitglied der Geschäftsführung teil. „Die Leute wurden nicht informiert, wie es weitergehen soll“, sagt Purschke.

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