Weilheim und Umgebung

Trubel, Trump und Tälesgartenschau

Fasching Narrengruppen aus der Teckregion waren beim Fasnetsumzug der „Leirakiebl“ mit von der Partie.

Auch die Weilheimer Rossmugga feierten mit. Foto: Heike Siegemund
Auch die Weilheimer Rossmugga feierten mit. Foto: Heike Siegemund

Deggingen. Ein buntes und lautes Tohuwabohu herrschte am Samstagnachmittag in Deggingen im Oberen Filstal: 66 Gruppen mit 1 700 Teilnehmern sind in den Ort eingefallen und haben diesen in einen brodelnden Hexenkessel verwandelt.

Die Sonne scheint vom blauen Himmel, und so säumen zahlreiche Zuschauer den Straßenrand: schätzungsweise 5 000 und damit so viele wie noch nie, freut sich Stefan Schidloch, Zunftmeister der örtlichen Häsgruppe „Degg­ner Leirakiebl“, die zu ihrem 16. Fasnetsumzug geladen hat. Nach drei ohrenbetäubenden Böllerschüssen geht es los: Die Mitglieder des Fanfarenzugs der Freiwilligen Feuerwehr Deggingen, die in Mönchskutten stecken, eröffnen den Umzug und verraten den Zuschauern sogleich, wer ins Kloster Ave Maria einzieht: „Ave 2.0 Next Generation“, ist auf einem Schild zu lesen, das ein Mitglied auf dem Rücken trägt.

Ebenfalls ein lokales Thema, das viele Menschen im gesamten Oberen Filstal bewegt, greift der Turnverein Deggingen (TVD) auf: die Gartenschau-Bewerbung. Der mit bunten Papierblumen und Girlanden geschmückte Mottowagen gibt preis, was sich die Vereinsmitglieder wünschen: einen Bergsee in Deggingen. Die Mitglieder tragen mit Blumen, Haaren und Bärten sowie Sonnenbrillen und -hüten dekorierte Gießkannen auf den Köpfen, verteilen Tulpen an die Zuschauer und werfen Blumensamen in die Menschenmenge. Doch der „Garten Eden“ ist nicht kostenlos zu haben, warnt der TVD und sorgt sich um den Schuldenstand seiner Heimatgemeinde.

In Berlin sind die Affen los

Weit über die Region hinaus blicken die Mitglieder des Degginger Musikvereins, die zum Teil als Mexikaner verkleidet sind: Sie nehmen Donald Trump aufs Korn und kritisieren seine Pläne, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen zu wollen: „Uns durchtrumpt ein kalter Schauer - sinnloses Geld für eine Mauer“, steht auf einem Schild geschrieben.

Insgesamt fünf Mottowagen tuckern durch Deggingens Ortsmitte: Neben dem TVD sind die Fasnetsgesellschaft Gosbach „De Loidige“ sowie die Bauwagen Oberhausen, Hattenhofen und Unterböhringen dabei. Letzterer kommt direkt „Aus dem Dschungel ins Barlament“ und macht klar: „In Berlin sind die Affen los - da­rum ist unser Durst so groß“. Hier wird ordentlich Party gemacht - ebenso auf den großen Gefährten der anderen zwei Bauwagen, auf denen der Bass wummert und die Jugendlichen ausgelassen tanzen, grölen, trinken und sich in die Arme fallen.

„Früher hatten wir nur einen Mottowagen des TVD“, erinnert sich Stefan Schidloch. Mittlerweile jedoch sei der Degginger Umzug größer geworden und habe sich etabliert.

Derweil toben zahlreiche Hexen, Geister, Teufel, Dämonen, Kobolde, Gardemädchen sowie viele weitere ulkige, gruselige und bunte Zeitgenossen durch die mit Konfetti übersäte Hauptstraße - darunter die Kirchheimer Kloster-Deifel, die Weilheimer Rossmugga, die Lenninger Hexa und die Reußenstein-Dämonen. Sie verteilen Süßigkeiten an die Kinder und treiben Schabernack mit den Besuchern. Mit von der Partie sind auch die Degginger und Reichenbacher Kindergärten sowie die Gruppe „Flecka Hopfer“, der sich in närrischen Kostümen vier Degginger Gemeinderäte angeschlossen haben: Fabian Gansloser, Stefan Geis, Werner Heigl und Ulrike Reinelt. Darüber freut sich Stefan Schidloch, selbst Ratsmitglied. Jedoch würde er sich wünschen, dass das Gremium samt Bürgermeister nächstes Jahr eine eigene Gruppe stellt.

Nach fast zwei Stunden ist der Umzug vorbei - aber noch lange nicht die Party: An den Ständen und im Kiebl-Party-Zelt bei der Kaplaneigasse sowie im Bürgerzentrum und im „Hasenheim“ wird noch lange weiter ausgiebig gefeiert. Heike Siegemund

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