Weilheim und Umgebung

„Trudy“ Ederle – Königin der Wellen

Kino News: Produzent Jerry Bruckheimer dreht Film über die Kanalschwimmerin

Gertrude Ederle wurde im August 1926 in Bissingen ein rauschender Empfang bereitet, er glich geradezu einem Triumphzug. „Trudy"
Gertrude Ederle wurde im August 1926 in Bissingen ein rauschender Empfang bereitet, er glich geradezu einem Triumphzug. „Trudy" wollte mit ihrer Pionierleistung zeigen, dass auch Frauen den Kanal zwischen Frankreich und England durchschwimmen können. Fotos: Teckboten-Archiv

Bissingen. Sie war zu jener Zeit „die berühmteste Dame der Gegenwart“, wie am 25. August 1926 der Schwäbische Merkur schrieb. Die damals 19-jährige Amerikanerin Gertrude „Trudy“ Ederle hatte starke zwei

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Wochen zuvor, am 6. August 1926, als erste Frau in der Rekordzeit von 14  Stunden und 39 Minuten den Ärmelkanal zwischen Kap Gris-Nez in der Nähe von Calais und Kingsdown östlich von Dover durchschwommen. Jetzt will Jerry Bruckheimer, einer der bekanntesten amerikanischen Filmproduzenten („Top Gun“, „Fluch der Karibik 1 – 5“, „Beverly Hills Cop“, „Pearl Harbour“), die „Königin der Wellen“, „Trudy“ Ederle, auf die Leinwand bringen. Der Film über die Meisterschwimmerin soll 2017 in die Kinos kommen.

Dabei tat sich Bruckheimer für Paramount mit dem Drehbuchautor Jeff Nathanson („Man in Black 3“) zusammen, der als Vorlage das Buch von Glenn Stout „Young Woman and the Sea“ nahm. Bereits bekannt wurde auch, wer die Hauptrolle der Gertrude Ederle spielen soll: die 26-jährige englische Schauspielerin Lily James („Downtown Abbey“, „Cinderella“).

Nicht bekannt ist, ob jenes kleine Dorf unter der Teck, das im August 1926 zwei Wochen lang Kopf stand und seine Gertrud Ederle gebührend feierte, im Film eine Rolle spielen wird. „Trudys“ Vater stammt nämlich aus Bissingen, von wo der Metzgerbursche 1892 als 16-Jähriger in die USA auswanderte und in New York eine Metzgerei gründete, die er bald zur Großschlächterei erweiterte.

Seine Tochter Gertrude war nicht nur eine „Wasserratte“ par excellence, sondern auch eine junge, selbstbewusste Frau, die sich nicht damit abfand, dass Frauen in den 1920ern ihre physischen Konditionen nicht beweisen durften. Die Meisterschwimmerin hatte 1924 bei den Olympischen Spielen bereits eine Gold- und zwei Bronzemedaillen für die USA erschwommen. Ihre Vorliebe, große Distanzen im Wasser zurückzulegen, hatte sie entdeckt, als sie 22 Meilen vom Battery Park in New York City nach Sandy Hook schwamm. In der amerikanischen Presse hatte sich „Trudy“ dadurch den Spitznamen „Queen of the Waves“, Königin der Wellen, verdient.

1926 setzte sie dann ihren verwegenen und für „das schwache Geschlecht“ in der damaligen Zeit überaus ungewöhnlichen Plan in die Tat um und schaffte, was noch nie zuvor eine Frau geschafft hatte – den Ärmelkanal von Frankreich nach England zu durchschwimmen. Der zweite Versuch brachte denn auch den erhofften Erfolg und trug ihren Namen um die Welt. Zeitungen räumten ganze Seiten für „Trudy“ ein. Ihre Bilder prangten auf den Titelseiten der Illustrierten. „Trudys“ Kommentar: „Ich bin durch den Kanal geschwommen, um zu zeigen, dass auch eine Frau zu solch einer Leistung fähig ist.“

Nach ihrem sensationellen Erfolg fuhr sie mit ihrem Vater und ihrer Schwester von England nach Deutschland, um ihre 77-jährige Großmutter Margarete im „Lamm“ in Bissingen zu besuchen. Der Einzug in der 1 200 Seelen-Gemeinde glich am 13. August 1926 einem Triumphzug. Die Begeisterung der Bissinger kannte keine Grenzen. 14 Tage lang belagerten Journalisten und Fotoreporter das „Lamm“. In dieser Zeit trat Gertrud Ederle – „just for fun“ – im Bis­singer See gegen einen Göppinger Freistil-Schwimmer und einen Sprecher des Süddeutschen Rundfunks an und machte im Wettkampf beide „nass“.

1914 hatte „Trudy“ Ederle übrigens bei einem Besuch ihrer Verwandten just in dem kleinen Dorfgewässer schwimmen gelernt. Diese Szene wird wohl im Film nicht vorkommen. Dennoch überlegt Bissingens sportlicher junger Bürgermeister: „Man könnte doch die Schauspielerin Lily James hierher einladen. Vielleicht kann sie dann wie Gertrud Ederle im Sommer 1926 in den See steigen“. Das wäre jedenfalls eine originelle Promotion in Deutschland für Bissingen und für „Young Woman and the Sea“.

Gertrud Ederledurchschwamm den Ärmelkanal am 6.8.1926Bissinger B¿rgerinBissingen
Gertrud Ederledurchschwamm den Ärmelkanal am 6.8.1926Bissinger B¿rgerinBissingen
Gertrud Ederledurchschwamm den Ärmelkanal am 6.8.1926Bissinger B¿rgerinBissingenveröffentlicht zur Jubiläumsausgabe 14.6.07
Gertrud Ederledurchschwamm den Ärmelkanal am 6.8.1926Bissinger B¿rgerinBissingenveröffentlicht zur Jubiläumsausgabe 14.6.07