Weilheim und Umgebung

Turnhalle: Ein Modell hat die Nase weit vorn

Städtebau Beim Architekturwettbewerb zur Schulturnhalle in Weilheim gewinnt ein Entwurf, der dem Schulhof Raum lässt und sich zur Stadt hin öffnet. Von Bianca Lütz-Holoch

So sieht der Siegläufer aus: In ihrer Visualisierung zeigt die Arbeitsgemeinschaft Datscha Architekten und
EH2A Architekten, wie sie die neue Schulturnhalle geplant hat.

Der Favorit steht fest: Im Architekturwettbewerb zum Neubau der Turnhalle an der Weilheimer Limburgschule hat eine elfköpfige Jury den gemeinsamen Entwurf zweier Stuttgarter Architekturbüros zum eindeutigen Sieger gekürt. Ein zweiter Platz wurde nicht vergeben, zwei weitere Arbeiten landeten auf Rang drei. Der Siegerentwurf sowie die Beiträge 19 weiterer Architekturbüros sind noch bis Montag in der Weilheimer Limburghalle ausgestellt.

Am Eröffnungsabend der Ausstellung herrscht großer Andrang: Rund 150 Interessierte sind gekommen, um Modelle und Pläne für die neue Schulturnhalle anzuschauen. Architekt Martin Bez, einer der Fachpreisrichter, erläutert die preisgekrönten Arbeiten. Er stellt auch die besten Ideen für die Gestaltung des Quartiers rund um das künftige Gebäude vor.

„Die Halle im Siegerentwurf ist diskret, aber originell“, fasst Martin Bez zusammen. Eingereicht hat ihn die Arbeitsgemeinschaft „Datscha Architekten“ und „EH2A Architekten“ aus Stuttgart. Das rötliche Gebäude sitzt auf einer Kante zwischen Schulhof und Lindach. Sechs Satteldächer lassen es wirken wie eine Reihe kleinerer Häuser. „Sie hat damit nicht das typische Äußere einer Turnhalle“, so Bez über das Konzept, das die Jury als „erfrischend“ betitelt.

Rein in die Räume geht es vom Pausenhof aus. Auf der oberen Ebene gibt es eine kleine Zuschauertribüne. Die beiden Hallenteile - ein kleinerer und ein größerer - liegen auf der unteren Ebene nahe der Lindach und lassen sich bei Bedarf miteinander zu einem großen Raum verbinden, etwa bei Einschulungsfeiern oder Schülerversammlungen. Unten liegen auch Umkleiden und Geräteräume. „Es wird nirgends eng“, lobt Martin Bez die übersichtliche, funktionale Anordnung. „Eigentlich ist alles ganz simpel aufgebaut - es ist verwunderlich, dass sonst niemand darauf gekommen ist.“

Ein weiterer Pluspunkt: „Das Gebäude hat einen relativ kleinen Fußabdruck.“ Es ist also wesentlich weniger ausladend als die Bauten in anderen Plänen. Das bringt Vorteile für den Schulhof: „Die Halle und die beiden Schulgebäude bilden zusammen einen schönen, großen, zusammenhängenden Pausenhof“, betont Martin Bez. Das ist der Jury aus Architekten, Gemeinderäten und Vertretern der Stadtverwaltung besonders wichtig gewesen: „Wir waren der Auffassung, dass die Turnhalle am Rand stehen und der Schulhof die Mitte darstellen soll - und nicht umgekehrt.“

Gefallen hat den Juroren auch, dass beide Hallenteile Fenster in Richtung Lindach, Rathaus und Peterskirche haben und sich der Bau damit quasi zum schönen Städtle hin öffnet. „Hier geht es ja nicht um eine Vereinssporthalle, in der Wettkämpfe stattfinden und Fenster wegen Ablenkung und Blendung kritisch sind, sondern um eine Turnhalle für Grundschulkinder“, so der Architekt. Tageslicht und Ausblick sollen für eine angenehme Atmosphäre sorgen.

Zwei weitere Entwürfe von Stuttgarter Architekturbüros haben jeweils einen dritten Preis gewonnen. An einem übte die Jury Kritik, weil die Halle stark ins Erdreich eingegraben werden müsste, am anderen störte sie die Kleinteiligkeit mit vielen Ecken und Kanten sowie der labyrinthartige Umkleidenbereich. Auch dass beide nur wenige Fenster vorsehen, kam nicht gut an.

Zwölf Stunden hat die Jury die komplett anonymisierten Arbeiten beraten und Entwürfe aussortiert. „Es ging dabei nicht um Geschmack, sondern um Qualität“, betont Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. Bestimmte Kriterien waren vorgegeben, zum Beispiel, dass die Halle sich gut ins städtebauliche Umfeld einfügen muss und ein geeigneter Aufenthaltsort für Grundschulkinder mit guter Belichtung sein soll.

Die Ausstellung ist noch bis Montag, 10. Juni, täglich in der Limburghalle zu sehen. Heute ist sie von 14 bis 19 Uhr geöffnet, am Samstag von 10 bis 15 Uhr, am Sonntag von 11 bis 16 Uhr und am Montag von 11 bis 16 Uhr.

Das Interesse an den Plänen und Modellen war groß.Foto: Markus Brändli
Das Interesse an den Plänen und Modellen war groß. Foto: Markus Brändli

Die Entscheidung trifft der Gemeinderat

Ihren Favoriten hat die Jury auserkoren. Fest steht damit aber nur, dass eines der drei vorne platzierten Turnhallenmodelle gebaut wird. Welches, das entscheidet der Gemeinderat in einer seiner nächsten Sitzungen. Den Auftrag für die Planung bekommt das Architekturbüro, auf dessen Arbeit die Wahl der Räte fällt.

Geliefert haben die Büros auch Ideen für die Gestaltung des Quartiers nördlich und südlich der Halle. Sie wurden separat bewertet. Es gab drei erste Preise. Aus allen Entwürfen kann die Stadt beliebig schöpfen und sie unabhängig von den Büros, die sie abgegeben haben, verwenden.bil

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