Weilheim und Umgebung

Umbau der Wohnung zur Krippe wackelt wegen hoher Kosten

Kindergarten Der Holzmadener Gemeinderat will weitere Untersuchungen. Ein unerwartetes Fundament und ein gewölbter Boden treiben den Preis nach oben. Von Anke Kirsammer

Plätze für Kleinkinder sind in Holzmaden derzeit Mangelware. Wo sie künftig untergebracht werden, ist wieder unklar.Foto: Carste
Plätze für Kleinkinder sind in Holzmaden derzeit Mangelware. Wo sie künftig untergebracht werden, ist wieder unklar.Foto: Carsten Riedl

Unliebsame Überraschungen im Untergrund des Holzmadener Schulhofs und der Hausmeisterwohnung veranlassen den Gemeinderat zu einer Kehrtwende: Geprüft werden soll nun, ob zwei Kindergarten- beziehungsweise Krippengruppen in einem Querriegel Richtung Lehrerparkplätze realisiert werden können. Die andere Idee ist, den über dem Kindergarten Schillerstraße angesiedelten Musiksaal und das Klassenzimmer für die Kita zu nutzen und die Schulräume dort neu zu bauen, wo bislang die Ziegen auf dem Gelände untergebracht sind.

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Im Juni hatte das Gremium beschlossen, die Hausmeisterwohnung für rund 560 000 Euro zu einer Krippengruppe umzubauen. Ein Anbau sollte die Einrichtung mit dem Kindergarten verbinden. Probegrabungen haben nun aber im Bereich der Schulhofstützmauer ein Fundament zutage gefördert, das dort nicht zu erwarten war. Das wiederum macht eine geänderte Planung nötig: Hinzu käme ein Abstellraum, Ess- und Foyerbereich wären etwas großzügiger. Krippe und Kindergarten wären barrierefrei erreichbar, allerdings müssten Kindergartenkinder zum Essbereich wie beim ursprünglichen Plan mehrere Stufen überwinden. Zudem plädierte die Architektin Ulrike Ulmer-Herbrik dafür, die Westfassade der Schule mit einem Vollwärmeschutz auszustatten. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf gut 630 000 Euro.

Bürgermeisterin Susanne Jakob hatte noch eine weitere Hiobsbotschaft im Gepäck: In der Hausmeisterwohnung hebt sich der Boden. Der Grund ist wahrscheinlich der Schiefer, auf dem das Gebäude steht. Bisher beträgt die Wölbung nur drei Zentimeter. „Der Prozess beschleunigt sich aber“, so der Bauingenieur Thomas Benz. Auch Zwischenwände und die Decke seien durch den Druck bereits in Mitleidenschaft gezogen. Er erinnerte daran, dass sich der Boden in der Schulküche bereits vor 20 Jahren um bis zu 40 Zentimeter gewölbt hatte. Erhärtet sich der Verdacht durch Kernbohrungen, die in der Hausmeisterwohnung für heute angesetzt sind, müsste eine freitragende Bodenplatte eingebaut werden. Die Verwaltung rechnet dafür mit Kosten von bis zu 150 000 Euro. Susanne Jakob hielt trotzdem an Um- und Anbau fest, weil sie die Dringlichkeit sah, Krippenplätze zu schaffen, und die Sanierung ohnehin notwendig sei.

Dagegen setzten mehrere Gemeinderäte Fragezeichen hinter die Planung. „Ich habe den Eindruck, wir verrennen uns total“, gab Markus Ocker (Holzmadener Bürgerliste) zu bedenken. Angesichts von Kosten, die sich auf eine Million zubewegen, regte er an, Alternativen wie den Querriegel zu untersuchen und Möglichkeiten für eine sechste Gruppe zu prüfen. Volker Schempp (HBL) erinnerte daran, dass der Neubau eines dreigruppigen Kindergartens mit 1,5 Millionen Euro veranschlagt worden sei. Da voraussichtlich nicht nur eine Gruppe benötigt werde, hielt er die im Raum stehenden Kosten für zu hoch.

Mika Carfora (Freie Wählervereinigung) schloss sich seinen Vorrednern an und verwies auf eine Bürgerinitiative „Naturkindergarten“, die sich während der Planungswerkstatt gebildet hat. Damit das Dorfentwicklungskonzept nicht zur Farce werde, sei es wichtig, den Infoabend der Initiative nächste Woche abzuwarten. Einen Waldkindi bezeichnete er als überschaubare Alternative, die es ermögliche, in Ruhe über einen Neubau nachzudenken. „Was uns fehlt, ist eine Krippe“, betonte Susanne Jakob demgegenüber. Um zehn Kleinkinder in einer altersgemischten Gruppe unterzubringen, müssten 20 über Dreijährige einen Waldkindergarten besuchen. Dazu zwingen könne man allerdings niemanden.

Schon im Juni hatte Heike Schwarz (FWV) für den Umbau der Hausmeisterwohnung ohne Anbau votiert. Nun sprach sie sich für die geänderte kleine Variante aus. Rainer Stephan (HBL) hingegen trug den Antrag der Rathauschefin mit. „Ein Querriegel macht den Grundriss und das Schulhofkonzept kaputt.“ Beim Andocken an das untere Gebäude könne man auch auf Überraschungen stoßen. Er regte an, zu untersuchen, ob anstelle des Ziegenstalls an der Nordgrenze ein Gebäude errichtet werden kann, um dort gegebenenfalls den Musiksaal und ein Klassenzimmer unterzubringen. Das Gremium vertagte den endgültigen Beschluss. Untersucht werden sollen nun der Querriegel für zwei Gruppen sowie der Standort Richtung Uhlandstraße.

Schiefer hebt den Boden

Laut Bauingenieur Thomas Benz vom Stuttgarter Büro Henke und Partner sorgen verschiedene Faktoren wie Wärme, Austrocknung, aufsteigende Feuchtigkeit und eine geringe Last für eine Sulfatanreicherung im Schiefer. Daraus entstehen Gipskristalle, die das Volumen vergrößern mit der Folge, dass das Gestein aufblättert.ank