Weilheim und Umgebung

Und ewig rockt die Kaiserin

Musical Projektchor, Profisänger, Musiker und der Männerchor Hepsisau reißen die Zuschauer in der Weilheimer Limburghalle von den Sitzen. Von Sabine Ackermann

Nach 2016 und 2017 verhält es sich auch bei der dritten Auflage der „SpotLights of Musical“ in der Weilheimer Limburghalle wie beim Essengehen - man hat ein Leibgericht in seinem Lieblingslokal, aber irgendwann möchte man doch auch mal etwas anderes probieren. Mal neue Gaumenfreuden mit unbekannten Ingredienzien erleben und dennoch sicher sein, dass Kompetenz, Einsatzfreude sowie das Personal weiterhin fester Bestandteil dieses besonderen Hochgenusses sind.

„Das Besondere“ ist genau das, was Theresia Schaff - früher Müller - als musikalische Leiterin aus ihren etwa zwei Dutzend Herren des Männerchors Hepsisau und des nicht minder stattlichen Projektchors herauszukitzeln vermochte. Unterstützt wurde die sangesfreudige Herrenriege, die bereits seit 2011 ihrer Dirigentin „verfallen“ ist, abermals von einer bunt zusammengewürfelten Truppe aus „Vielbeschäftigten, Kennern, Könnern sowie Neueinsteigern“ aus Weilheim und dem angrenzenden Umland.

70 Künstler auf der Bühne

„Coole Typen, heiße Bräute und tanzende Schornsteinfeger“, macht Moderatorin Jasmin Bachmann richtig Appetit auf die Gala. Und man hört ihr gerne zu - ihr Erzählstil ist nicht nur kurzweilig, sondern auch informativ. Als überaus abwechslungsreich entpuppt sich ebenfalls die Mischung aus bekannten und beliebten Musicals, harmonisch interpretiert von allen etwa 70 Mitwirkenden - egal ob Profi oder Laie. Was für ein Anfang: Kraftvoll und illustrativ schlüpft Sopranistin Ramona D‘Uva in die Rolle der lebenserfahrenen Schamanin „Rafiki“ und nimmt das Publikum mit Liedern wie „Der ewige Kreis“ und „Er lebt in dir“ vom ersten Ton an gefangen. „Nur kein Genieren“ lautet ihr Ratschlag als „Frau Wolf“ in „Elisabeth“, und auch die Rolle der „Vogelfrau“ in „Mary Poppins“ füllt die Sopranistin perfekt aus. „Seid bereit“, weiß Tenor Steffen Schaff als Löwenkönig „Scar“ um die Beschränktheit der Hyänen.

Im gehaltvollen Stück „Elisabeth“, das die märchenhafte Lebensgeschichte der österreichischen Kaiserin Elisabeth als Totentanz erzählt, verkörpert er den „Tod“ dagegen auf fast unheimliche Weise. Schaff beschert Gänsehaut mit Liedern wie „Der letzte Tanz“ oder „Die Schatten werden länger“ und sorgt am Schluss zumindest musikalisch als „Mr. Banks“ im Musical „Mary Poppins“ für „Korrektheit und Ordnung“.

„Kann es wirklich Liebe sein?“, fragt sich Melanie Dreher als Löwenmädchen „Nala“ und betont mit glasklar klingender Stimme als selbstbewusste Kaiserin Elisabeth „Ich gehör nur mir“. So „supercalifragilisticexpialigetisch“ die Sopranistin als „Mary Poppins“ auch sein mag, es waren die netten Chordamen, die den „Teelöffel Zucker“ in Form kleiner Bonbons beim Publikum verteilten.

Gemäß dem Grundsatz „Hakuna matata“ hat Daniel Hoang als Löwe „Simba“ keine Probleme, den Zuschauern im Anschluss sowohl als „Kaiser Franz“ sowie als Elisabeths Attentäter „Lucheni“ zu gefallen. Nach dem Lied „Alle Fragen sind gestellt“, das der Bariton zusammen mit seiner eindrucksvoll aussehenden Ehefrau interpretiert, fordert er gemeinsam mit dem hungernden Volk „Milch“ - manche „Wutbürger“ indes sogar direkt bei Bürgermeister Johannes Züfle.

„Grease“ sorgt fürs Highlight

Auch die Rolle des dauerfröhlichen Kaminfegers „Bert“ steht Daniel Hoang gut zu Gesicht. Eng verbunden mit Mary Poppins singen beide „Schritt für Schritt“ und tanzen stilvoll dazu. Der Muntermacher des Abends schlechthin war allerdings „Grease“. Aber auch Ohrwürmer wie „Summer nights“ oder „All choked up“, die „Sandy“ alias Sabine Barthelmess rhythmisch und mit Esprit in Szene setzt, sorgten für jede Menge Freude.

Durchweg bewegungsfreudig und bisweilen mit Mut zur coolen „Frise“ zeigte sich der Chor, denn offensichtlich scheinen die Jungs und Mädels in der Pause in einen Jungbrunnen gefallen zu sein. Ein dickes Lob gebührt außerdem den professionell aufspielenden Musikern, Band-Leader und Arrangeur Bernd Steixner, Professor Harald Lierhammer am Piano, Gitarrist Wolfgang Kehry, Bassist Alex Uhl, Martin Grünenwald am Schlagzeug sowie Andy Geyer, der an Klarinette, Saxofon und Querflöte zu begeistern wusste.

„Coole Typen und heiße Bräute“ im Rampenlicht: Egal ob im märchenhaften Musical „Elisabeth“ (Bild oben), beim Walt-Disney-Hit „K
„Coole Typen und heiße Bräute“ im Rampenlicht: Egal ob im märchenhaften Musical „Elisabeth“ (Bild oben), beim Walt-Disney-Hit „König der Löwen“ (unten) oder im Klassiker „Grease“(links) - die 70 Musiker nahmen sich bei der dritten Auflage der „SpotLights of Musical“ jeder Rolle eindrucksvoll an und sorgten dadurch für jede Menge Broadway-Flair in der Weilheimer Limburghalle. Fotos: Sabine Ackermann
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