Weilheim und Umgebung

Verpasste Chance

Vielen Kindern fehlt es an Sozialkompetenz. Warum das so ist, darüber kann man streiten. Sind es die laschen modernen Eltern, die ihren Kindern kein Benehmen mehr beibringen? Ist es der Medienkonsum? Oder ist vielleicht der Umstand schuld, dass Kinder immer weniger Zeit und Raum dafür haben, im freien Spiel mit anderen Kindern Sozialkompetenz zu erlernen? Wer weiß das schon.

DASS es Kindern an Sozialkompetenz fehlt - unabhängig von den Gründen - ist eine Tatsache. Das hätten die mehrheitlich männlichen Skeptiker im Ohmdener Gemeinderat der stellvertretenden Schulleiterin ruhig glauben dürfen. Schließlich sind es sie und ihre Kolleginnen, die sich täglich mit den Folgen herumschlagen müssen. Um fünf vor Zwölf eine Generaldebatte über die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit vom Zaun zu brechen, war völlig unangemessen. Dass die Ohmdener Grundschule nun ein weiteres Schuljahr ohne Schulsozialarbeit auskommen muss, obwohl sie explizit um Hilfe gebeten hatte, ist traurig. Was für eine verpasste Chance.

Übrigens: Skeptiker von Schulsozialarbeit argumentieren oft, früher sei es doch auch ohne Sozialpädagogen gegangen. Die jüngste Ohmdener Gemeinderatssitzung war der beste Beweis dafür, dass es nicht geschadet hätte, wenn es schon vor 40 oder 50 Jahren Sozialkompetenztraining an Schulen gegeben hätte. Eine frisch gewählte Bürgermeisterin in öffentlicher Sitzung derart eiskalt auflaufen zu lassen, obwohl davor Zeit für Gespräche unter vier Augen gewesen wäre, ist unanständig. Das war keine faire Auseinandersetzung, sondern eine plumpe Machtdemonstration. Die Chance einer anderen Gemeinde auf Schulsozialarbeit zu gefährden, ist zudem unsolidarisch und rücksichtslos.

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