Weilheim und Umgebung

„Verzicht bedeutet nicht Verlust“

Kommunalpolitik Um handlungsfähig zu bleiben, hat sich Owen für eine öffentliche Gemeinderatssitzung entschieden, um den Haushaltsplan präsentieren, diskutieren und verabschieden zu können. Von Iris Häfner

Das Owener Rathaus soll saniert werden. Im Haushalt sind Gelder für einen Architekten-Wettbewerb eingestellt. Foto: Jean-Luc Jac
Das Owener Rathaus soll saniert werden. Im Haushalt sind Gelder für einen Architekten-Wettbewerb eingestellt. Foto: Jean-Luc Jacques

Heute ist alles ganz anders als sonst“. Mit diesen Worten begrüßte Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger den Gemeinderat an ungewohnter Stätte: dem evangelischen Gemeindehaus. Das bot genügend Platz, damit die Räte den nötigen Sicherheitsabstand einhalten konnten - wegen Corona. Die Zusammenkunft hatte einen triftigen Grund: Der Haushaltsplan 2020 wurde eingebracht, diskutiert und verabschiedet. „Wir haben sorgsam abgewogen und waren uns einig, dass die öffentliche Hand gerade jetzt eine besondere Verantwortung und auch eine Verpflichtung gegenüber der Wirtschaft hat, um diese nach Kräften mit Aufträgen zu unterstützen. Dazu brauchen wir das notwendige Handlungsinstrument, und das ist unsere Haushaltssatzung“, erklärte Verena Grötzinger. Damit bleibe Owen handlungsfähig.

„Wir befinden uns gerade in einer Situation, die wir so noch nie erleben mussten. Das fordert von uns allen, unsere Lebensumstände darauf anzupassen - und umzudenken“, sagte Verena Grötzinger. Jeder müsse ein Höchstmaß an Verantwortung für sich selbst und die Gesellschaft übernehmen, damit die Zeit der Corona-Pandemie bestmöglich gemeinsam überstanden werden kann. „Abstand heißt die neue Nähe“, erklärte die Stadtchefin. Es gelte, den sorgsamen Blick für die Nächsten zu schärfen und zusammenzuhalten. „Wir alle sind verunsichert und wissen nicht so recht, wie es weitergehen wird“, sagte sie. Deshalb müsse es jedem ein großes Anliegen sein, sich so gut wie möglich gegenseitig zu unterstützen. „Das war für uns in Owen aber schon immer oberstes Gebot.“ Dank dieser tiefen Wurzeln könne man darauf vertrauen, dass alle ihre Bes­tes geben, um sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. „Das zeigen die wunderbaren Hilfs- und Unterstützungsangebote unserer Vereine, Kirchengemeinden und Organisationen, die entstanden sind“, so Verena Grötzinger.

Ihr ist bewusst, dass der Haushalt wegen Corona eigentlich schon überholt ist und im Laufe des Jahres angepasst werden muss. Aber es gibt wichtige Projekte, die neu gestartet, weitergeführt und zu Ende gebracht werden müssen. Das sind beispielsweise die Teckhalle, der Wettbewerb für die Rathaussanierung sowie die Starkregenrisikoanalyse und die Flussgebietsuntersuchung. „Letztere dienen dazu, dass wir dringend notwendige Erkenntnisse für die weitere Planung eines Neubaugebiets in den Pflaumenäckern bekommen“, erklärte die Stadtchefin. Sie wies aber gleichzeitig darauf hin, dass die Umsetzung und Finanzierung von den weiteren Auswirkungen der Corona-Pandemie abhängen. Owen kommt zugute, dass in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet wurde. „Trotz allem wollen wir den Mut nicht verlieren und mit so viel Zuversicht wie möglich in die Zukunft blicken“, sagte Verena Grötzinger.

„Deshalb wünsche ich uns, dass wir in einigen Monaten erkennen, dass Verzicht nicht unbedingt Verlust bedeuten muss, sondern auch eine Chance bietet, und wir die Welt und auch unsere Mitmenschen dadurch vielleicht mit anderen Augen sehen - Werte wie Respekt, Achtung und Höflichkeit wieder an Bedeutung gewinnen“, sagte sie weiter. Vielleicht werde man entdecken, dass manche neuen Abläufe, die aus der Not geboren waren, gar nicht so schlecht sind und für die Zukunft neue Möglichkeiten bieten: Lernen übers Internet, Viedeokonferenzen oder Home-Office. Vielleicht gelinge es auch, dass die Menschen wieder wirklich miteinander in Ruhe kommunizieren, erreichbar sind für den anderen und so eine Verbindlichkeit schaffen. „Verbindlichkeit und Sicherheit ist doch genau das, was uns vor der Zeit von Corona schon so gefehlt hat“, sagte die Stadtchefin.

Bis dahin wünscht sie sich für alle, den Mut, die Zuversicht, die Hoffnung, das Vertrauen und auch den Humor und das Lachen nicht zu verlieren. „Vertrauen wir also auf unsere Kraft, das zu akzeptieren, was ist. Loszulassen, was war, und Neues entstehen zu lassen in der Zuversicht und Sicherheit, dass alle sich gegenseitig unterstützen und so Kraft geben. „Hoffnung ist dabei die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören. Die Musik unserer Owener Musiker auf den Balkonen verkündet sie, die Hoffnung, und lässt uns lächeln. Das macht mir Mut“, zeigt sich Verena Grötzingen optimistisch.

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