Weilheim und Umgebung

Viel geschafft und viel zu tun

Zuwanderung Die Flüchtlingsarbeit in Weilheim läuft gut. Trotzdem tauchen immer wieder Probleme auf. Nun soll ein Integrationsforum gegründet werden. Von Bianca Lütz-Holoch

Ein Aushängeschild der Flüchtlingsarbeit in Weilheim: die Kleiderkammer mit ihrem engagierten Team. Foto: Carsten Riedl
Ein Aushängeschild der Flüchtlingsarbeit in Weilheim: die Kleiderkammer mit ihrem engagierten Team. Foto: Carsten Riedl

Vor rund fünf Jahren ist die Flüchtlingswelle über Deutschland hereingeschwappt. Seither muss tagtäglich Integrationsarbeit geleistet werden. Manchmal gelingt sie besser, manchmal schlechter. Weilheim gehört zu den Städten, in denen alles ziemlich gut gelaufen ist. „Da gehört aber auch Glück dazu“, sagt Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. Oft genüge ein Zwischenfall mit Zugewanderten, um die positive Stimmung grundlegend zu verändern. Dem Städtle ist das bis jetzt erspart geblieben. Dass Glück dabei ist, weiß auch Jochen Ziegler, Vorsitzender das AK Asyl. Aber: „Dass das Zusammenleben so gut gelingt, liegt auch daran, dass Stadt und Ehrenamt viel dazu beitragen“, ist er überzeugt.

Um die Belange der Geflüchteten kümmern sich in Weilheim rund 25 Ehrenamtliche des AK Asyl sowie andere Freiwillige. Bereits 2016 hat die Stadt Thomas Güthle als Flüchtlingskoordinator eingestellt. Seine Aufgabe: Die Arbeit sämtlicher Akteure zu koordinieren, die mit dem Thema Flüchtlinge zu tun haben, und das Netzwerk vor Ort zu pflegen und auszubauen. Vor zwei Jahren ist außerdem AWO-Mitarbeiterin Ingrid Haack von der Stadt Weilheim als Integrationsmanagerin eingesetzt worden. Sie hilft Flüchtlingen bei ganz konkreten Problemen, etwa wenn es darum geht, Anträge auszufüllen oder Fragen mit dem Jobcenter zu klären.

Kurz: Weilheim ist gut aufgestellt. „Außerdem funktioniert das Zusammenspiel von Ehrenamt, Verwaltung und Hauptamt sehr gut“, freut sich Jochen Ziegler und fügt hinzu: „Das ist schon etwas Besonderes.“

Trotzdem ist nicht alles rosig. „Es gibt auch Schwierigkeiten“, berichtet Thomas Güthle. Ein Knackpunkt ist nach wie vor das Thema Wohnen. „Wohnraum ist überall knapp“, so Güthle. Das trifft auch Geflüchtete, die nach einer Wohnung suchen. Nur ganz wenige derjenigen, für deren Unterbringung die Stadt zuständig ist, konnten auf dem freien Markt etwas finden. Die anderen leben in Unterkünften, die der Stadt gehören oder die sie angemietet hat.

Nach wie vor existieren auch sprachliche Hürden und Berührungsängste. „Es wäre schön, wenn Nachbarn, die bemerken, dass jemand noch Fehler bei der Mülltrennung oder beim Lüften macht, einfach selbst auf denjenigen zugehen würden, statt damit zu mir zu kommen“, sagt Thomas Güthle. Das „alltägliche Löschen von Brandherden“ schlucke ohnehin schon jede Menge Zeit.

„Weil viele Geflüchtete nicht arbeiten dürfen, fehlt ihnen die Struktur im Alltag“, sagt Thomas Güthle. Die bürokratischen Hindernisse lassen sich aber nicht einfach beseitigen. Ein weiterer Faktor ist, dass die anfängliche Begeisterung vieler Ehrenamtlicher nachgelassen hat.

Erfolgsmodelle und Herzstücke der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in Weilheim sind die Kleiderkammer und die Fahrradwerkstatt. Zum einen finden Geflüchtete dort günstig alle möglichen Waren, die sie brauchen. „Noch viel wichtiger ist aber der Kontakt zu den Menschen“, weiß Jochen Ziegler.

Doch so viel das Ehrenamt auch leistet: „Das Hauptamt ist unerlässlich“, betont Jochen Ziegler. Zum einen biete es die notwendige Kontinuität, zum anderen hätten viele Ehrenamtliche weder das Wissen noch die Zeit, um Geflüchtete etwa vormittags zu einem Termin zum Jobcenter zu begleiten.

Das Fazit von Flüchtlingskoordinator Thomas Güthle: „Es ist noch viel zu tun.“ Pläne für die Zukunft gibt es einige. So sollen Flüchtlinge, die schon eine Weile im Land leben, verstärkt eingebunden werden, etwa beim Dolmetschen oder bei Angeboten wie dem „Wohnführerschein“ - einem Kurs, in dem Geflüchtete für die eigene Wohnung fit gemacht werden und alles übers Energiesparen und den Umgang mit den Nachbarn lernen.

Angedacht ist zudem, dass Weilheim sich dem Kirchheimer Dolmetscherpool anschließt. Ge­plant ist auch, in Weilheim ein so genanntes „Integrationsforum“ zu gründen. Es soll den veränderten Anforderungen in der Flüchtlingsarbeit Rechnung tragen und eine Austauschplattform schaffen, in der der AK Asyl eine wichtige Rolle spielt.

Die 180 Geflüchteten sind dezentral untergebracht

Rund 19 Prozent der 10 000 Einwohner Weilheims haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Vertreten sind 70 Nationen.

Etwa 180 Flüchtlinge in Anschlussunterbringung - also Menschen, die der Stadt zugewiesen wurden - leben aktuell in Weilheim. Etwa 120 davon sind Männer. Die meisten sind Einzelpersonen, es gibt aber auch 20 Familien mit durchschnittlich fünf Mitgliedern.

Den größten Anteil mit rund 65 Personen stellen Geflüchtete aus Syrien. Dahinter folgen Menschen aus Afghanistan, Pakistan, Gambia und dem Irak.

Untergebracht sind die Flüchtlinge dezentral in acht Häusern, die der Stadt gehören oder die sie angemietet hat, sowie in der Flüchtlingsunterkunft Egelsbergstraße. Lediglich 14 Personen haben eine private Wohnung gefunden.

Acht Personen, die ihr zugewiesen wurden, muss die Stadt Weilheim in diesem Jahr noch unterbringen. bil

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