Weilheim und Umgebung

Viel Lärm um nichts

Recht Die Stadt Weilheim hat neue Lärmkarten erstellen lassen, weil eine EU-Richtlinie es so vorschreibt. Das Verfahren und das Ergebnis empfinden Bürgermeister und Gemeinderat als frustrierend. Von Bianca Lütz-Holoch

Ganz besonders laut ist es in der Neidlinger Straße in Weilheim.Foto: Markus Brändli
Ganz besonders laut ist es in der Neidlinger Straße in Weilheim.Foto: Markus Brändli

Ergebnis Nummer eins lautet: Weilheimer, die an Durchgangsstraßen oder nahe der Autobahn wohnen, müssen teilweise ziemlich viel Lärm ertragen. Ergebnis Nummer zwei: Abhilfe gibt es eigentlich keine. Beide Erkenntnisse, die der - von einem Fachbüro aufwendig erstellte - Entwurf für einen Lärmaktionsplan liefert, haben Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle wenig überrascht. „Dass wir uns überhaupt noch einmal damit beschäftigen mussten, liegt an der EU“, klärte er Gemeinderat und Bürger auf. „Wir haben uns jetzt fünf Jahre lang gesträubt. Wenn wir allerdings noch länger gewartet hätten, wäre mit einer Rüge zu rechnen gewesen.“ Was er persönlich von dieser EU-Richtlinie hält, daraus machte der Schultes keinen Hehl: „Achtung, Papiertigeralarm“, warnte er.

„Von sehr hohen Lärmimmissionen betroffen sind im Stadtgebiet lediglich 63 Personen“, ging Verkehrsingenieur Peter Koehler auf die Ergebnisse der Lärmkartierung ein. Vor allem in der Zeller Straße, der Oberen Grabenstraße, der Brunnenstraße und der Neidlinger Straße ist es stellenweise richtig laut. Am höchsten wird der Schallpegel an zwei Häusern in der Neidlinger Straße.

„Die Gesamtzahl der Betroffenen in Weilheim ist zwar nicht gering, aber auch nicht so hoch, dass man in Weilheim - verglichen mit anderen Kommunen - von einer starken Verlärmung sprechen könnte“, so Peter Koeh­ler. Außerdem ist die Dezibelzahl fast nirgendwo so hoch, dass man von einer Gesundheitsgefährdung sprechen könnte: „Deshalb gibt es kaum eine Handhabe, aufgrund dieser Analyse ein Schwerverkehrsverbot oder Tempo 30 durchzusetzen.“ Die einzige mögliche Maßnahme sei es, bei Sanierungen und Neubauten auf den Einbau von Schallschutzfenstern zu dringen - eine Vorgabe, die in Weilheim ohnehin schon seit 2011 gilt.

Gemeinderat Joachim Naasz (FWV) störte sich daran, dass all die Werte auf Berechnungen, nicht auf Messungen basieren: „Hat man denn nicht mal ein Mikro hingehalten, um zu überprüfen, ob die Werte stimmen?“, fragte er. Peter Koeh­ler versicherte, dass auf die Berechnungen Verlass ist: „Bei Stichproben sind die gemessenen Werte sogar immer niedriger als die berechneten.“ Rainer Bauer (UWV) bezweifelte, dass alle EU-Staaten derart akribisch bei der Erstellung von Lärmaktionsplänen vorgingen wie Deutschland, und bekam Recht von Peter Koeh­ler: „Polen zum Beispiel hat einen Plan fürs ganze Land mit zehn Seiten“, sagte er augenzwinkernd mit Blick auf das 29 Seiten starke Werk für die Stadt Weilheim. Steffen Meckes (SBV) machte darauf aufmerksam, dass die Autobahn nach wie vor die größte Lärmquelle ist. „Da wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung sinnvoll - aber politisch ist das ja nicht gewünscht“, kritisierte er. Seine Fraktionskollegin Gerda Schrägle konnte nur den Kopf schütteln: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum man viel Geld für ein Gutachten ausgeben muss, das keine Auswirkungen hat.“ Michael Kübel (FWV) erinnerte daran, dass es wichtig sei, das eigene Verkehrs- und Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen: „Jeder Einzelne müsste zurückschrauben“, betonte er.

Auch Bürgermeister Johannes Züfle würde lieber eine andere Herangehensweise ans Thema Lärm sehen: „Man müsste eher ordnungspolitisch vorgehen und beispielsweise bestimmte Auspuffarten an Motorrädern und Autos verbieten“, sagte er. Denn die verursachten im Ort den größten Lärm.

Der Entwurf für den Lärmaktionsplan liegt noch drei Wochen lang im Weilheimer Rathaus aus. Die Bürger können dazu Stellung beziehen.

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