Weilheim und Umgebung

„Vielen Dank für die schöne Schule“

Armin und Inge Bedke aus Weilheim kümmern sich seit fast fünfzig Jahren um peruanische Patenkinder

Inge und Armin Bedke sind schon in die Elendsviertel von Lima gereist und haben hungrige Kinder mit Frühstück versorgt. Fotos: C
Inge und Armin Bedke sind schon in die Elendsviertel von Lima gereist und haben hungrige Kinder mit Frühstück versorgt. Fotos: Carsten Riedel und KWL

Weilheim. „Es war uns fast schon peinlich, wie wir beschenkt wurden.“ Inge Bedke hält vorsichtig

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einen kleinen Teppich aus weichem Alpaka-Fell in den Händen. Die gesamte Wohnung der Bedkes verströmt südamerikanisches Flair: Handbemalte Figuren mit Cholita-Hüten lächeln aus allen Ecken. An den Wänden hängen Felle und ein selbst gemaltes Bild, auf dem Alpakas grasen. Manches haben sie hier gekauft. Aber vieles sind Geschenke der Dankbarkeit und Gastfreundschaft aus ihrer Reise nach Peru.

Die Bedkes unterstützen schon seit über vierzig Jahren das Kinderwerk Lima (KWL), das benachteiligten Kindern in Südamerika „Chancen fürs Leben“ eröffnet. 2009 war das Paar zum ersten und bisher einzigen Mal in dem kleinen Staat in Südamerika. Sie konnten ihre Patenkinder und die von der Organisation gegründete Johannes-Gutenberg-Schule endlich mit eigenen Augen sehen.

Armin Bedke erzählt von den Anfängen: Ende der 1960er-Jahre verschlug es den inzwischen verstorbenen Professor Doktor Moro in die Kirchengemeinde Heidenheim. Er hatte in Peru gearbeitet und berichtete von der Abwanderung der Bevölkerung in die Slums der Hauptstadt Lima. Dort herrscht großes Elend, unter dem vor allem die Kinder leiden. Sie leben in Hütten aus Abfall, Holz und Blech und haben weder sauberes Trinkwasser noch Toiletten. „Das war damals noch viel schlimmer als heute“, berichtet Armin Bedke. Er und andere Christen der Gemeinde riefen, bewegt durch das Schicksal der Menschen, das Kinderwerk Lima ins Leben.

Die Hilfsorganisation bietet inzwischen nicht nur in Peru, sondern auch in Paraguay Kindergärten und Schulen an. Dort bekommen die Kinder neben einer sehr guten Schul- und Berufsausbildung christliche Werte mit auf den Weg. Außerdem versorgt die Kinderspeisung jeden Tag viertausend Kinder mit einem kostenlosen Frühstück.

Bei ihrem Besuch in Peru haben die Bedkes mitgeholfen, Brötchen und Milch an die hungrigen Kinder zu verteilen. Sie sind erschüttert von den höhlenartigen Elendshütten, in denen manche Familien leben müssen. Den Patenkindern geht es besser: Sie wohnen oft in gemauerten Häusern und haben eine hoffnungsvollere Zukunft. Trotz der Sorgen seien die Peruaner herzlich und lebensfreudig. „Wenn die Feste feiern, feiern die feste“, erzählt Inge Bedke begeistert. Die Gottesdienste liefen ganz anders als in Deutschland ab. Es gäbe so einen Andrang, dass am Sonntag oft mehrere Messen veranstaltet werden müssten. Dann hüllen sich die Menschen in ihre schönsten Sonntagsgewänder.

Seit der Gründung der Organisation hatten die Bedkes schon einige Patenkinder. Inge Bedke versucht, sie an den Finger abzuzählen. Es sind so viele, dass sie sie kaum zusammenbekommt. Viele seien auch weggezogen, man verliere den Kontakt. „Es schmerzt, dass wir ihren Weg nach der Schule nicht mehr verfolgen können“, sagt die Weilheimerin traurig. Denn wenn die Jugendlichen mit 18 die Schule abgeschlossen haben, kann die Organisation den Briefverkehr nicht mehr übersetzen und vermitteln.

Armin Bedke zieht einen Brief ihres bald fünfzehnjährigen Patenkinds Oscar hervor. Das Weilheimer Paar unterstützt den Jungen schon seit elf Jahren. Bunte Zeichnungen zieren den säuberlich geschriebenen Text, der auf der Rückseite von KWL-Mitarbeitern ins Deutsche übersetzt wurde. „In der Schule bekomme ich gute Noten und habe viele Freunde. Vielen Dank für die schöne Schule“, schreibt der Junge. Die Lehrer in den Schulen sind überwiegend Einheimische. Auch sie haben großes Glück, denn sie sind kranken- und rentenversichert – ein Ausnahmefall in Peru.

Die Armut des Landes bekümmere die Regierung kaum, meint Armin Bedke. Das Ehepaar hofft, den Menschen auch eine Botschaft vermitteln zu können: „Kümmert euch um eure Leute.“ Die Peruaner würden ein soziales Verhalten, wie es hier existiert, nicht kennen. Darum freut es die Bedkes besonders, wenn sich ehemalige Patenkinder für nachfolgende Generationen engagieren und selbst Patenschaften aufnehmen.

www.Kinderwerk-Lima.de

„Vielen Dank für die schöne Schule“
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