Weilheim und Umgebung

Vom „Sorgenfreipaket“ bis zu Baumgräbern

Neue Bestattungsformen auf den Friedhöfen in Bissingen und Ochsenwang

Nachdem die Aussegnungshalle auf dem Bissinger Gottesacker 2013 Jahr erweitert, modernisiert und das Vorfeld neu geordnet worden ist, nimmt sich in diesem Jahr die Seegemeinde neuer Grabformen auf ihren Friedhöfen an und teilt sie neu ein.

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RICHARD UMSTADT

Bissingen. Er wollte den evangelischen Kirchengemeinderat nicht außen vor lassen, als es um die neuen Grabformen auf den Friedhöfen in Bissingen und Ochsenwang ging. Deshalb setzte sich Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf bereits im Herbst vergangenen Jahres mit den Vertretern der evangelischen Kirchengemeinde Bissingen an einen Tisch und stellte das pflegereduzierte Gemeinschaftsurnengrab, die Urnenreihen- und Urnenwahlgräber sowie die Baum- und Rasengräber vor. Auch will die Gemeinde prüfen, ob nicht ein Grabfeld für Muslime eingerichtet werden könnte, was die Runde begrüßte.

Als ein „Sorgenfreipaket“ für Angehörige bezeichnete Marcel Musolf pflegereduzierte Urnengräber, die neu auf dem Bissinger Gottesacker angelegt werden sollen. Angehörige, die zum Beispiel weit weg wohnen, können nach der Bezahlung eines Pauschalbetrages an die Genossenschaft der Württembergischen Friedhofsgärtner sicher sein, dass das Grab ihrer Lieben im Urnengemeinschaftsgrab über eine Laufzeit von 20 Jahren von der Bissinger Gärtnerei Oettle gepflegt wird.

Starten will die Gemeinde dabei mit einem kleinen Gräberfeld für bis zu 20 Urnen am Aufgang zum oberen Friedhofsteil. Die Gestaltung des Gemeinschaftsgrabes einschließlich des Grabsteins übernimmt dabei die örtliche Gärtnerei gemeinsam mit der Genossenschaft. Die einmaligen Kosten für die Angehörigen belaufen sich auf rund 1 200 bis 1 500 Euro. Hinzu kommen noch die Bestattungs- und Grabnutzungsgebühren der Gemeinde. Selbst bei einer eventuellen Betriebsaufgabe der Gärtnerei ist die Pflege gesichert, da die Genossenschaft mit im Boot sitzt. Wie Bürgermeister Musolf sagte, habe sich diese Form der Kooperation an vielen Orten in Baden-Württemberg bewährt.

Noch in diesem Frühjahr wird die Gemeinde auf dem Bissinger und dem Ochsenwanger Friedhof die Voraussetzungen für die Anlage von Baumgräbern schaffen. Dieses Angebot richtet sich an Personen, die eine möglichst naturnahe Bestattungsform wünschen, nicht aber auf einen Friedwald ausweichen möchten. Als Gedenkzeichen werden am Zugang zu den Baumgräbern in der Regel baumblattförmige Stelen errichtet, auf denen Metallplatten mit Namen sowie Geburts- und Sterbejahr angebracht werden können.

In Bissingen werden zudem Erd­rasengräber für Bürger angelegt, die keine Feuerbestattung wünschen und deren Angehörigen die Pflege des Grabes nicht möglich ist.

Erstmals lässt die Gemeinde 2016 ein separates Urnenreihengräberfeld und ein eigenes Urnenwahlgräberfeld anlegen. Der Hintergrund ist folgender: Belegte Urnenfelder können nach Ablauf der Ruhezeit nicht geräumt werden, weil einzelne Wahlgräber dazwischen eine längere Laufzeit haben und eine neue Einteilung des Gräberfeldes blockieren.

Die neuen Grabformen sollen zur Jahresmitte beziehungsweise im Herbst 2016 zur Verfügung stehen. Dazu beauftragte der Bissinger Gemeinderat die Verwaltung, die Friedhofsgebühren neu zu kalkulieren.