Weilheim und Umgebung

Von Schwaben und Komantschen

Vortrag Günther Fischer gab Einblicke zum Thema „Indianer in Texas und Oklahoma“.

Foto: rs

Holzmaden. Der „Alt-Holzmadener“ Günther Fischer bereist seit nahezu 30 Jahren regelmäßig Texas und Oklahoma. Bei einem Referat, das er auf Einladung der Volkshochschule in Holzmaden hielt, trat manche Überraschung zutage. Das von Karl May und Hollywood vermittelte Bild über Texas als karge Prärielandschaft stimmt so nicht. Die Zuhörer waren erstaunt, dass Amerikas größter Staat eine der wasserreichsten Regionen mit einer endlos langen Küste am Golf von Mexiko ist, die von texanischen Eichen und Oliven genauso geprägt ist wie von Kakteen und Agaven.

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Der Referent verstand es ausgezeichnet, mit bunten Bildern, Filmsequenzen, Musikeinspielungen und seinen Erzählungen den 75 Interessierten das heutige Texas näherzubringen. Er berichtete, dass es durch zahlreiche deutsche Ortsnamen wie Braunfels, Friedrichsburg, Luckenbach oder Bergheim nicht zu übersehen ist, dass es viele deutschstämmige Texaner gibt. Deren Vorfahren kamen um 1840 ins Land. Diese Auswanderer hatten schon kurz nach ihrer Ankunft Kontakt mit dem „gefährlichsten aller Indianerstämme“, den Komantschen. Ein Friedensvertrag im Jahr 1846 schuf bis heute anhaltendes Vertrauen zwischen den deutschen Siedlern und den Indianern. Dieser Friede wurde allerdings oft gestört.

Günther Fischer hat im Laufe der Jahre auf den Spuren württembergischer Auswanderer viele Freunde sowohl bei den Deutsch-Texanern als auch bei den Komantschen gefunden.

Zwischen den Kulturen

Fischer schilderte das Schicksal weißer Kinder, die im 19. Jahrhundert von Indianern entführt wurden. Sie wurden vollständig in deren Stammesleben integriert. Bei seinen Nachforschungen stieß er auf einen Rudolph Fischer, dessen Entführungsschicksal zu einem späteren Hin- und Herwandern zwischen den Kulturen führte. Die Wurzeln des als Farmer tätigen Fischer liegen im Schwäbischen. Er heiratete eine Komantschin. Etliche Nachfahren leben heute noch in Texas.

Fischer berichtete weiter über das Leben im heutigen Texas und den mühsamen Weg der Komantschen zurück zu eigener Identität und Kultur. Aufgrund seiner Verdienste ist er seit 20 Jahren Ehrenbürger einer texanischen Stadt und Botschafter der Komantschen in Oklahoma.

Mit einem Augenzwinkern brachte Fischer die enttäuschende Erkenntnis hervor: „Nach vierjähriger Recherche habe ich erfahren müssen, dass die Vorfahren meines Namensvetters Rudolph nicht aus Holzmaden, sondern aus Heidenheim stammen.“rs