Weilheim und Umgebung

Von Trauben, Geschichte und Profit

Serie Ein Jahr lang begleitet der Teckbote den Weilheimer Hobby-Wengerter Rainer Bauer bei der Arbeit: Er baut nicht nur Wein an, sondern spricht auch über ihn – zum Beispiel im Kinole in Weilheim. Von Bianca Lütz-Holoch

Launig, aber voll gepackt mit Informationen: der Wein-Abend mit Rainer Bauer in Weilheim. Fotos: Carsten Riedl
Launig, aber voll gepackt mit Informationen: der Wein-Abend mit Rainer Bauer in Weilheim. Fotos: Carsten Riedl

Was macht der Wengerter, wenn er gerade nicht im Weinberg steht? Er spricht über ihn. Der Weilheimer Hobby-Wengerter Rainer Bauer jedenfalls wird immer wieder für Vortragsveranstaltungen gebucht. An diesem Abend steht er auf Einladung des Vereins Kino Kunst Kultur Weilheim im Kinole in der Häringer Straße. Im Gepäck hat er nicht nur mehrere Kühlboxen mit guten Tröpfchen, sondern auch jede Menge Informationen rund ums Thema Wein, die er überaus unterhaltsam präsentiert. So kommt es, dass die Gäste am Ende nicht nur beschwingt nach Hause gehen, sondern auch ein ganzes Stück gescheiter sind.

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Wein-Geschichte

„Anscheinend wurde im Jahr 777 in Esslingen schon Wein verkauft“, sagt Rainer Bauer. In Weilheim kultivierte man die Pflanzen nachweislich ums Jahr 1000. „Weinbau gab es aber bestimmt schon vorher“, mutmaßt er. „In Württemberg wurden überall dort, wo Platz war, Reben gepflanzt. Quasi jedes Dorf hatte seinen Weinberg.“ In Kirchheim etwa gab es zu Spitzenzeiten fünf Keltern.

Dann kam im 18. Jahrhundert die Reblaus und mit ihr der Niedergang des Weinbaus. 90 Hektar Anbaufläche wurden auf drei Hektar reduziert. „Heute ist Weilheim die einzige Gemeinde rund um Kirchheim, in der noch Reben kultiviert werden.“

„Weilheim gehört seit 1952 zur Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck“, erzählt Rainer Bauer. Davor wurde der Traubensaft in der örtlichen Kelter gepresst. „Er ging dann an gut 25 Gastronomen, die den Wein selbst ausgebaut haben.“ Den Neuffenern angeschlossen haben sich die Weilheimer aber nur zögerlich.

Ein Wirtschaftsfaktor

Zum Start serviert Rainer Bauer an dem Abend als erstes etwas Prickelndes: den Täles-Secco aus Neuffen. „Prosecco darf er nicht heißen - der Name ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung“, erläutert Rainer Bauer. Das ist ähnlich wie beim Champagner, der - wenn er nicht aus der Champagne stammt - nur „Crémant“ heißen darf und bei Weitem nicht so viel kostet. Ein Wirtschaftsfaktor ist aber nicht nur der Anbauort. „Für Secco zahlt man keine Sektsteuer - für Sekt schon“, weiß Rainer Bauer. Von Kaiser Wilhelm II. zur Finanzierung seiner Kriegsflotte eingeführt, hat sich die Abgabe bis heute gehalten. 1,02 Euro pro Flasche fließen ins Staatssäckel. „Jedes Jahr kommen so 450 Millionen Euro zusammen.“

Und noch etwas anderes rechnet Rainer Bauer vor: „Wenn man einen Sekt unter drei Euro kauft, wird es mit der Qualität schwierig.“ Denn zieht man die Sektsteuer und eine gewisse Gewinnspanne ab, bliebt nicht viel übrig. „Da hat der Grundwein dann vermutlich 30 Cent gekostet.“ Wer dagegen einen ordentlichen Sekt haben möchte, der nicht aus Tank- sondern aus Flaschengärung stammt, muss schon mit mindesten sechs Euro rechnen.

Auch guten Wein gibt es nicht umsonst. Nachdenklich sollten Käufer werden, wenn eine ausländische Flasche Wein aus Chile nicht mal drei Euro kostet. „Der ist im 10 000-Liter-Fass mit dem Schiff gekommen - und der Handel möchte auch noch verdienen“, sagt Rainer Bauer und stellt die Frage in den Raum: „Was verdient der chilenische Weinbauer dran?“ Seine Empfehlung lautet deshalb: Lieber auch mal auf lokalen Wein zurückgreifen.

Info Rainer Bauer ist Mitglied des Vereins der Weilheimer Weinbergbesitzer, Assistant Sommelier und Fachberater für deutschen Wein. Der Teckbote begleitet ihn ein Jahr lang bei der Arbeit.

Weinprobe Rainer Bauer Skinole Kinole Wein Weinbau
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