Weilheim und Umgebung

Vorgeschmack auf ein buntes Festjahr

Auftakt Mit einem Festakt hat die Stadt Weilheim ihr Jubiläumsjahr eröffnet. Geboten waren an dem Abend keineswegs nur Reden, sondern auch Theater, ein Film, Musik und lockere Gespräche. Von Bianca Lütz-Holoch

Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle warb für ein Jubiläumsprogramm, an dem alle teilhaben dürfen.Foto: Markus Brändli
Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle warb für ein Jubiläumsprogramm, an dem alle teilhaben dürfen.Foto: Markus Brändli

Attraktiv und vielfältig. So sieht Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle seine Stadt. Genau so soll auch das Festprogramm in diesem Jahr sein, wenn Weilheim anlässlich seiner ersten urkundlichen Erwähnung vor 1250 Jahren und der Erhebung zur Stadt vor 700 Jahren Doppeljubiläum feiert. Einen Vorgeschmack darauf gab es nun beim Festakt in der Weilheimer Limburghalle, der den Auftakt zum Jubiläumsjahr bildete und rund 500 Gästen ein äußerst erfrischendes und abwechslungsreiches Programm rund um Weilheims Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bot.

Nur eine zentrale Festrede gab es - gehalten vom baden-württembergischen Minister für Soziales und Integration, Manfred Lucha. Esslingens Landrat Heinz Eininger, die Bundestagsabgeordnete Renata Alt, der Kreisarchivar Manfred Waßner und der Kirchheimer Landtagsabgeordnete Andreas Kenner dagegen kamen in einer kurzweiligen Talkrunde zu Wort - und sorgten für ernste wie auch heitere Beiträge.

Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle führte nach einer kurzen Ansprache durch den Abend. Kinoatmosphäre kam auf, als er den Gästen den neuen Weilheimer Imagefilm präsentierte, den zwei Weilheimer Studenten gedreht haben. Auch Theaterluft durfte das Publikum schnuppern: Die Mimen der Theaterspinnerei Frickenhausen gewährten erste Einblicke in ihr multimediales Stück „Der Glöckner von Weilheim“, das sie im Juli und August in der Peterskirche aufführen. Zwischendurch wurde die Limburghalle dann immer wieder zum Konzertsaal: Die Stadtkapelle Weilheim spielte einen Konzertmarsch und ein Swingstück und lieferte die musikalische Begleitung zum Weilheim-Lied „Wer kennt sie nicht, die alte Stadt?“, bei dem alle Gäste zum Mitsingen angehalten waren.

„Alle, die es wollen, sollen am Festjahr teilhaben dürfen“, sagte der Rathauschef. Er erinnerte daran, dass das Ehrenamt in Weilheim eine tragende, unverzichtbare Säule darstelle. „Die Geschichte unserer Stadt wäre anders verlaufen, wenn es nicht schon immer zupackende Persönlichkeiten gegeben hätte“, sagte Züfle und forderte die Weilheimer auf: „Wir dürfen und müssen weiterhin die Dinge selbst in die Hand nehmen und die Zukunft unserer Stadt gestalten.“

Frieden und Wohlstand seien es, gab Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle zu bedenken, die es der Stadt ermöglichten, zum zweiten Mal ein Jubiläum groß zu feiern. „Der Jubilarin geht es gut“, attestierte der Schultes der betagten Stadt: „Sie ist sogar rüstiger und vitaler als je zuvor.“ Sein Wunsch an sie: „Eine gedeihliche und friedvolle Zukunft“.

Sozialminister Manfred Lucha
Sozialminister Manfred Lucha
Festakt in der Limburghalle 1250 Jahre Weilheim, BM Johannes Züfle
Festakt in der Limburghalle 1250 Jahre Weilheim, BM Johannes Züfle
Festakt in der Limburghalle 1250 Jahre Weilheim, Minister Lucha
Festakt in der Limburghalle 1250 Jahre Weilheim, Minister Lucha

„Weilheim ist ein ganz starkes Stück Landkreis“

Festakt in der Limburghalle 1250 Jahre Weilheim
Festakt in der Limburghalle 1250 Jahre Weilheim

Weilheim. Für Landrat Heinz Eininger sind Limburg und Peterskirche Sinnbild der Stadt, während Kreisarchivar Manfred Waßner mit Weilheim vor allem das Stadtarchiv verbindet. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Renata Alt wiederum verriet, dass sie fast täglich an die Stadt unter der Limburg denkt und der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Kenner schwelgte in Erinnerungen an einen Frühsommer im Weilheimer Freibad. Ob nun persönliche Erinnerungen, ernsthafte Betrachtungen oder humorvolle Anekdoten - was Teckboten-Redakteur An­dreas Volz seinen Gesprächspartnern bei einer Talkrunde während des Festakts zum Stadtjubiläum in der Weilheimer Limburghalle entlockte, war nicht nur interessant, sondern auch unterhaltsam.

Landrat Heinz Eininger etwa hatte zwei Tipps für Besucher Weilheims parat, die einen gewissen Aufstiegswillen voraussetzen: den Turm der Peterskirche und die Limburg. Wer vom Turm schaue, blicke auf ein Städtle, das Tradition und Zukunft in sich vereine und „ein ganz starkes Stück Landkreis ist“. Der Limburg zu Füßen liege ein Sinnbild dessen, was den Kreis ausmacht: Kulturlandschaft und reizvolle Natur auf der einen Seite, Industrie, Häuser und Verkehrsachsen auf der anderen. Fest steht für ihn: „Wir kommen an die Grenzen dessen, was die Natur an Bebauung möglich macht.“

Die Bundestagsabgeordnete Renata Alt gab - von Andreas Volz nach ihren ersten Erinnerungen an Weilheim gefragt - Persönliches preis: „Die Pflanzen für meine Terrasse habe ich damals bei einer Weilheimer Baumschule geholt“, erzählte sie. Sie ließen sie täglich an die Stadt denken. Auch an ihren ersten Besuch in der Limburghalle erinnert sie sich: „Dort habe ich Bastian Pastewka und Anke Engelke gesehen.“ Nicht immer hat Renata Alt in Deutschland gelebt: „Ich habe meine Wurzeln in der Slowakei, aber meine Heimat hier gefunden.“ Ein Anliegen ist es ihr, weltoffen zu bleiben und anderen auch zu ermöglichen, ihre Heimat in der Region zu finden.

„Weilheim atmet Geschichte“ sagte einer, der es wissen muss. Aus Sicht des Kreisarchivars Manfred Waßner greifen in Weilheim Vergangenheit und Gegenwart ineinander wie in wenigen Orten. „Da denke ich nicht nur an die Gebäude, sondern vor allem auch an das Stadtarchiv, das bis 1500 zurückreicht.“ Für die Zukunft gelte es, weiter Geschichte zu schreiben - eben nicht mehr auf Pergament, sondern digital überliefert.

„Meine allererste Liebe war Weilheimerin“, gestand der Landtagsabgeordnete Andreas Kenner. Ähnlich fest in Erinnerung geblieben ist ihm das Jahr 1992. Damals war das Kirchheimer Freibad im Mai noch wegen Sanierung geschlossen und die Kirchheimer pilgerten nach Weilheim, wo angesichts der Besuchermassen mittags schon die Pommes aus waren. „Damals ist der VfB Meister geworden“, erinnerte sich Kenner. Unvergessen auch der Tag, als ihm die Hepsisauer Landfrauen eine Flasche Zwetschgenschnaps überreichten mit dem Hinweis: „Sonst kommt die SPD ja nicht mehr auf 40 Prozent.“

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