Weilheim und Umgebung

Vorzeigeschule wird 50

Einzugsgebiet des Schulzentrums in Boll reicht bis nach Weilheim und Göppingen

Das Schulzentrum Bad Boll wird 50. Aus der Grund- und Hauptschule ist eine inklusive ­Gemeinschaftsschule geworden, die Förderschule schließt.

Vorzeigeschule wird 50
Vorzeigeschule wird 50

Bad Boll. Es fiel in das damals erste Kurzschuljahr 1966, als ein Schulzentrum in Boll das Alte Schulhaus in der Ortsmitte ablöste. Letzteres diente 90 Jahre als Schule und war kein angenehmer Ort. Fürchterlich ausgetretene alte Stufen, heruntergekommen und verschludert - so beschreibt es Helmut Elsässer. Von den Toiletten hinterm Haus, in einem alten Stall, ganz zu schweigen. „Wir haben uns gefreut auf die neue Schule“, erinnert sich Elsässer.

Die entstand auf der grünen Wiese Richtung Bad Boll, und sie war jetzt auch Hauptschule für Dürnau und Gammelshausen. „Sie war schon etwas Besonderes“, erzählt Elsässer. Große Räume, offene Fenster nach Süden, der Physiksaal mit den höhenversetzten Stühlen, ein richtiger Chemieraum, in dem man Versuche machen konnte. „Das war vorher nur in der Theorie.“ Wichtig auch: saubere Klos, Fahrräder im Trockenen. Ein ganz neues Wohlgefühl.

Mit den vormals „verfeindeten“ Dürnauern und Gammelshäusern hat man schnell Freundschaft geschlossen, berichtet Elsässer, und sie brachten ja auch etwas mit. Die Boller Schüler hatten jetzt für die Übergangszeit Turnstunden in der Dürnauer Kornberghalle - gar kein Vergleich mit der alten Boller Turnhalle am Badwasen. Und im Dürnauer Hallenbad hat mancher Schüler schwimmen gelernt.

Nach drei Jahren stand auch eine Turnhalle am neuen Schulzentrum. Die Gemeinde griff sogar zu einem „Sonderhieb“ im Gemeindewald, um den Bau zu finanzieren. Eine Generation von Buchen fiel.

Weil die Schülerzahl Mitte der 70er-Jahre auf fast 500 kletterte, kam 1977 eine Erweiterung der Grundschule. Dann fielen die Schülerzahlen auch wieder, der Tiefstand war 1989 mit unter 300 erreicht.

Die Grundschule wurde 1993 schon wieder abgerissen, weil der Bau mit Holzschutzmittel verseucht war. Man hätte ihn sanieren müssen und wollte sowieso aufstocken. So machte die Gemeinde Tabula rasa und baute zweistockig neu. „Das war kaum teurer“, weiß der heutige Rektor Thomas Schnell. Auch die Hauptschule musste saniert werden. Zudem war ein Anbau mit Lehrerzimmer nötig.

Werkrealschulen hielten Einzug im Land – die Boller Schule war dabei. Ab 1995 bot sie für besonders begabte Hauptschüler Wahlpflichtfächer und ein 10. Schuljahr an. Innovativ wurde sie drei Jahre später. Schüler von der Bodelschwingh-Schule in Göppingen kamen als Außenklasse – der Beginn der Inklusion in Bad Boll.

Vor acht Jahren hatte die Heinrich-Schickhardt-Schule, wie sie jetzt hieß, noch gut 300 Schüler. Zwei Jahre später waren es 500. Die Hauptschulen hatten ausgedient, flächendeckend wurden Werkrealschulen neuen Typs eingeführt, und die Bad Boller Schule wurde Werkrealschule auch für Heiningen. Zuvor hatte sie sich schon weiterentwickelt mit ­Realschul-Modulen.

Während andere Werkrealschulen schwächelten, wurde die Schickhardt-Schule 2012 eine von 30 Starterschulen für die neue Gemeinschaftsschule. Ihr Einzugsgebiet reicht von Eschenbach bis Weilheim, im Jubiläumsjahr hat sie einen Höchststand von gut 550 Schülern. Davon sind knapp 200 Grundschüler aus Boll – diese Zahl ist stabil geblieben. Weil die Schule aus allen Nähten platzte, kam vor drei Jahren ein Containerbau auf dem Schulhof hinzu. Er soll möglichst wieder verschwinden, weil er teure Miete kostet.

Die Förderschule, seit 1977 in Blumhardtschule umbenannt, schrumpfte hingegen und wird just zum Schuljubiläum schließen – ein Novum im Kreis –, weil sich die Eltern für die Inklusion an der Gemeinschaftsschule entschieden haben. An diesem Angebot haben die Schulleiter Thomas Schnell und Matthias Bäuerle gearbeitet, erläutert der Leiter des Staatlichen Schulamts in Göppingen, Jörg Hofrichter.

Dass die Förderschule überflüssig wurde, sei nicht das Ziel, sondern die Konsequenz von guten Ideen, begeisterten Lehrerkollegen und der Unterstützung der Gemeinde als Schulträger gewesen. Die beiden Schulleiter seien Vordenker.

Mit einem Schulfest am 1. Juli wird das Jubiläum 50 Jahre Schulzentrum Bad Boll gefeiert. Um 14 Uhr ist Eröffnung, von 14.30 bis 17 Uhr gibt es Projektpräsentationen. Im Anschluss können Ehemalige beim Sektausklang in alten Zeiten schwelgen.

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