Weilheim und Umgebung

Was Geflüchtete wirklich brauchen

Zuwanderung Weilheim hat begonnen, ein Integrationskonzept auszuarbeiten – und gleich zu Beginn festgestellt, dass das Angebot an die Flüchtlinge und deren Bedarf noch auseinandergehen. Von Bianca Lütz-Holoch

Vereine können viel zur Integration beitragen. Deshalb sollen in Weilheim Wege gefunden werden, wie sie noch stärker eingebunden
Vereine können viel zur Integration beitragen. Deshalb sollen in Weilheim Wege gefunden werden, wie sie noch stärker eingebunden werden können. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Viele helfende Hände, ein hauptamtlicher Koordinator und keine gravierenden Zwischenfälle - eigentlich ist das Zusammenleben mit Flüchtlingen und Migranten in Weilheim bisher ziemlich gut gelaufen. Aber zwei Jahre nach Beginn der großen Einwanderungswelle steht für Stadtverwaltung und Ehrenamtliche fest: Das reicht nicht. Um all die Menschen aus anderen Ländern und Kulturen auch wirklich zu integrieren, sodass sie zu gleichberechtigten Mitgliedern der Gesellschaft werden, braucht es mehr. Darum hat die Stadt Weilheim nun begonnen, gemeinsam mit Ehrenamtlichen und Institutionen, aber auch den Geflüchteten selbst, ein Integrationskonzept auszuarbeiten. Zum ersten Treffen im Rathaus kamen rund 45 Interessierte. Deutlich wurden dabei zwei Dinge: Das Engagement von Stadt und Ehrenamtlichen in Weilheim ist hoch - die Angebote gehen allerdings häufig an dem vorbei, was die Flüchtlinge und Migranten wirklich brauchen.

An spontanen, aber auch ganz konkreten Ideen fehlte es schon beim Brainstorming am ersten Abend nicht. So kam beispielsweise der Wunsch auf, einen jungen Mann für ein freiwilliges soziales Jahr einzustellen, der dem AK Asyl zur Seite steht. Auch intensivere Partner- und Patenschaften in den Schulen zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund wurden ins Gespräch gebracht. Eine Teilnehmerin, die einen 15-jährigen afghanischen Jungen als Pflegesohn aufgenommen hat, warb für diese ganz intensive Form der Integration. „Bei uns läuft sie am Küchentisch ab“, verdeutlichte sie.

Thema waren zudem Schwimm- und Fahrradkurse für Flüchtlinge. Jochen Ziegler, Sprecher des AK Asyl in Weilheim, warnte jedoch vor solch speziellen Angeboten, die in der Vergangenheit nur schlecht angenommen worden seien: „Wir müssen weg von Maßnahmen, Projekten und Highlights“, betonte er. Sie hätten keinerlei nachhaltige Wirkung, wie der AK Asyl feststellen musste. „Statt dessen sollten wir die Menschen selbst fragen, was sie brauchen, und uns überlegen, wie wir eine echte Partizipation auf Augenhöhe hinkriegen.“

Was sie unbedingt brauchen, das stand für die Geflüchteten, die an dem Abend dabei waren, eindeutig fest: „Wir müssen mehr Deutsch sprechen üben - am besten mit Deutschen“, waren sie sich einig. Kein Sprachkurs könne Gespräche von Mensch und Mensch ersetzen. „Aber leider sitzen die meisten von uns nachmittags alleine zu Hause oder unterhalten sich mit anderen Flüchtlingen in ihrer Muttersprache.“ Abhilfe schaffen könnten kleine, informelle Treffen und Gesprächsrunden, die von Deutschen, oder aber von den Flüchtlingen selbst angestoßen werden.

Ein weiterer Schlüssel zur Integration sind die Vereine. „Die Frage ist, wie es uns gelingen kann, die Einsicht in Gruppierungen und Vereine zu transportieren, dass es für das Zusammenleben wichtig und gut ist, sich zu engagieren“, brachte Jochen Ziegler die Schwierigkeit auf den Punkt.

Auch andere, praktische Wünsche kamen zutage: „Wir haben zwar einen Fußballplatz - aber eigentlich würden wir viel lieber Cricket spielen“, fühlte einer der Migranten vor, ob sich da etwas machen lasse.

Gute Lösungen und Möglichkeiten für all die Bedürfnisse und Wünsche zu finden und aufzuzeigen, das wird nun Aufgabe des von der Stadt eingeleiteten und begleiteten Integrationsprozesses sein.

Das Weilheimer Integrationskonzept

Rahmenkonzept Die Stadt Weilheim möchte bis Ende 2018 ein fertiges Integrationskonzept vorliegen haben. Erklärtes Ziel: Weilheimer Flüchtlinge und Migranten dabei zu unterstützen, sich möglichst schnell selbst zurechtzufinden und gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft zu werden.

 

Netzwerk Dringend benötigt werden neue ehrenamtliche Mitarbeiter für die Flüchtlingsarbeit. Damit die Integration gelingt, sollen zudem alle Kräfte gebündelt und vernetzt werden. Deshalb sind neben Stadtverwaltung, Arbeitskreis Asyl, AWO und Sozialem Dienst auch andere Ehrenamtliche, Bürger, Vereine, Schulen, Kindergärten, Kirchen, Institutionen und Geflüchtete angesprochen.

Handlungsfelder Fünf Bereiche soll das Konzept umfassen: Unterkunft und Wohnen, Sprache und Bildung, Arbeit und Ausbildung, Begleitung und Beratung sowie Freizeit und Soziales.

 

Prozess Nach den Sommerferien treffen sich Arbeitsgruppen und Expertenteams, anschließend werden die Erkenntnisse zusammengetragen, geprüft und ein Gesamtkonzept erarbeitet.

 

Ansprechpartner Es werden immer noch Interessierte gesucht, die bei der Integration mitarbeiten möchten. Ansprechpartner ist der Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Weilheim, Thomas Güthle, Telefon 0 70 23/1 61 91.bil

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