Weilheim und Umgebung

Wehe, wenn der Strom ausfällt

„Wir lesen intensiv“: Grundschüler aus Bissingen erleben an einem ganz normalen Schultag „ganz großes Kino“

Eberhard Frech zeigt den Bissinger Viertklässlern den riesigen alten Filmprojektor.Foto: pr
Eberhard Frech zeigt den Bissinger Viertklässlern den riesigen alten Filmprojektor.Foto: pr

Bissingen. Was haben Grundschulkinder zur besten Unterrichtszeit in der Kirchheimer Altstadt zu suchen? Ganz klar: Da machten sich Nachwuchsredakteure auf zu einer Erkundung im Rahmen des Projekts „Zeitung in der Schule“. Und hier kommt der Bericht des Redaktionsteams der Bissinger Viertklässler:

Am Teck­boten angekommen erwartete uns schon Steffen Maier, der Chef der Mediengestalter, um uns die einzelnen Abteilungen zu zeigen. Er führte uns zuerst in den Anzeigenbereich. Finja fiel der „Glaskasten“ auf, und wir erfuhren, dass dieser Raum genutzt wird, wenn zum Beispiel Traueranzeigen mit Familienangehörigen durchgesprochen werden. Steffen Maier stellte uns auch die verschiedenen Berufe vor, die man bei einer Zeitung braucht, und wir staunten nicht schlecht, wie viele verschiedene Abteilungen und Mitarbeiter es hier gibt.

Später übernahm Andreas Volz, einer der Teckboten-Redakteure, die Führung. Er nahm uns mit ins Redaktionszimmer. Dort durften wir uns um den großen Tisch setzen, an dem sonst die Redakteure ihre Besprechungen abhalten, und unsere Fragen zum Teckboten stellen. Er beantwortete sie gründlich und sehr geduldig. Wussten Sie beispielsweise, dass in der Nacht etwa 17 500 Zeitungen gedruckt werden? Das dauert gar nicht so lang, und wir rechneten aus, dass für den Druck jedes einzelnen Teckboten theoretisch nur drei Sekunden gebraucht werden!

Als alle Fragen beantwortet waren, verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg zu unserer zweiten Besichtigung, im Tyroler-Kino. Auf dem Weg kamen wir an der Rückseite des Kinogebäudes vorbei. Es ragt zu einem Teil über die Lauter und wird von zwei Stelzen gehalten, was Eva mächtig beeindruckte.

Im Kino stiegen wir eine steile Treppe hoch in den ersten Stock, wo die Kinoräume sind. Dort wartete schon das Ehepaar Frech auf uns, die Betreiber des Kinos. Die Familie Frech besitzt noch ein zweites Kino in Kirchheim, das Central-Kino.

Im Vorraum, der wie ein großes Wohnzimmer aussieht, erzählte uns Eberhard Frech, wie Kino früher funktionierte und was sich in der Zwischenzeit geändert hat. Früher war alles sehr aufwendig, weil man mit mehreren großen und schweren Filmrollen arbeiten musste. Und wehe, wenn der Film wieder einmal riss! Heute dagegen zieht man sich den Film vom Filmverleiher auf seinen Server, und schon kann es losgehen.

Natürlich hatten wir auch hier Fragen. So erfuhren wir, dass das Tyroler-Kino 56 Sitzplätze, das Central aber 144 Plätze hat. Mara wollte wissen, wie lange das Ehepaar Frech schon die Kinos leitet. „Seit dem Jahr 2001, also 13 Jahre lang“, war die Antwort von Ulrike Frech. Außerdem erfuhren wir, dass der erfolgreichste Film „Dirty Dancing“ war, weil er in den Kirchheimer Kinos am längsten lief und am meisten Zuschauer hatte.

Nach der Vesperpause erklärte Eberhard Frech uns noch in Gruppen den riesigen alten Kinoprojektor und wie damals ein 35-Millimeter-Film ausgesehen hat. Sky errechnete, dass man für fünf Minuten Film damals 7 200 Bilder brauchte! Blieb diese Maschine aber einmal stehen, dann brannte schon nach wenigen Sekunden der Film durch und musste neu zusammengeklebt werden. Das kann heute mit dem digitalen Vorführgerät nicht mehr passieren. „Wehe, wenn der Film reißt – das gibt es heute nicht mehr“, meinte Eberhard Frech schmunzelnd, „höchstens: Wehe, wenn der Strom ausfällt.“

Schließlich kam der Höhepunkt des Ausflugs: Wir durften uns im Kinosaal einen Platz aussuchen und bekamen eine Sondervorstellung des Films „Rico, Oskar und die Tieferschatten“. Darin wird erzählt, wie ein Junge namens Rico seinen entführten Freund Oskar befreien will und dabei selbst von Mister 2000 verfolgt wird. Jedes Mal, wenn er dabei zu kompliziert nachdenken muss, bekommt er das Gefühl, als ob Bingokugeln in sei­nem Kopf klackerten, und er gerät völlig durcheinander. Die Geschichte war am Anfang ganz lustig, wurde dann aber so spannend, dass einige von uns immer mal wieder kurz wegschauen mussten. Wie der Film ausgeht, wird hier natürlich nicht verraten.

So ging ein ganz besonderer Schulvormittag zu Ende: Wir bedankten uns für die tolle Aufführung. Auf dem Heimweg dachten viele von uns: „Toller Film! Toller Tag! So könnte Schule immer sein!“Klasse 4b

Grundschule Bissingen

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