Weilheim und Umgebung

Weihnachtsgeschichte spielt im Moos

Lenningerin fertigt in Handarbeit Egli-Krippenfiguren und stellt sie in einer Landschaft aus natürlichen Materialien aus

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Lenningen. Das Angebot an Weihnachtskrippen führender Markenhersteller ist groß. Doch es muss nicht immer ein Modell von der Stange sein, wie die Krippe von Johanna Planz in Lenningen zeigt.

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Die 72-Jährige hat ihre Weihnachtskrippe selbst gebaut, die vor allem durch sogenannte Egli-Figuren besticht. Weihnachtskrippen sind für Johanna Planz etwas ganz Besonderes. Die Lenningerin, die in Österreich geboren wurde und aufgewachsen ist, kann sich noch gut daran erinnern, wie sie als Kind zusammen mit ihrem Vater von Haus zu Haus zog, um die Krippen der Nachbarn zu bewundern. „Das hat in Österreich bis heute Tradition“, erzählt Planz. „Das liegt sicherlich auch daran, dass Österreich vorwiegend katholisch geprägt ist, während die Schwaben größtenteils evangelisch sind. Wer dort eine Krippe aufbaut, zeigt sie, lädt andere zu sich ein.“ Ein Brauch, den Johanna Planz bis heute pflegt.

Wer möchte, kann einen Blick auf ihre rund 3,5 Quadratmeter große Krippe werfen, die sie im Eingangsbereich ihres Wohnzimmers mit viel Liebe zum Detail aufgebaut hat. „Erst kürzlich hat mich der Kindergarten besucht“, berichtet die Rentnerin. Die Kinder seien von ihrer ganz individuell gestalteten Modelllandschaft für die Weihnachtsgeschichte völlig begeistert gewesen. Im Wald hat Johanna Planz vor Jahren Baumrinden, Äste, Zweige, Moose und Pilze gesammelt, die sie trocknete und für die Gestaltung der Krippe nutzte. Bekannte mit handwerklichem Geschick bastelten der Lenningerin den Stall von Bethlehem, unter dessen Dach Maria, Josef und Jesus in einer Futterkrippe sowie die drei Weisen aus dem Morgenland zu sehen sind. Einige Zentimeter weiter führt ein Weg aus Filz zu der aus Holz gefertigten Fassade jener Herberge, in der es für die Eltern und ihr Kind keinen Platz mehr gab.

Einen Großteil der Figuren hat Johanna Planz in aufwendiger Handarbeit selbst hergestellt. Dabei handelt es sich um sogenannte Egli-Figuren. „Es sind Erzählfiguren und keine Spielpuppen im herkömmlichen Sinn“, sagt Planz. „Sie dienen als Medium für Botschaften unterschiedlichster Art. Egli-Figuren besitzen zwar kein Gesicht, trotzdem haben sie für die Rentnerin eine große Ausdruckskraft. Ihr Ursprung und Haupteinsatzgebiet liegt in der Darstellung und Nachempfindung biblischer Geschichten und Erzählungen, weshalb Egli-Figuren auch oft als biblische Erzählfiguren bezeichnet werden.

Vor rund zehn Jahren sah Johanna Planz zum ersten Mal die Figuren bei ihrer Chefin. Kurzerhand belegte sie einen Kurs, um selbst Egli-Figuren herzustellen. „Gut zehn Stunden Arbeit stecken in jeder Erzählfigur“, berichtet Planz. „Zuerst wird aus Draht der Körper geformt. Der Kopf besteht aus Bastelgips, der nach dem Austrocknen mit Schleifpapier bearbeitet wird, bis er glatt ist. Anschließend werden laut der Lenningerin die Arme und Beine des Drahtgestells fest mit Trikotstoff umwickelt, um der Figur Stabilität zu verleihen. „Dazu eignen sich am besten alte Unterhemden, die man in Streifen schneidet“, erklärt Johanna Planz. In einem weiteren Schritt kommt Strumpfgewebe zum Einsatz, das in Köper- und Kopfform zugeschnitten und zusammengenäht wird.

Dabei entsteht quasi ein Overall, der sich über Drahtgestell und Gipshaupt ziehen und mit Stopfwolle ausfüllen lässt. „Das Füllmaterial muss ganz dicht und fest sitzen, damit die Figur später einen guten Stand hat“, so die Ruheständlerin, die nicht nur die Kleider der Egli-Figuren, sondern auch deren Lederschuhe selbst angefertigt hat. Um ihre Stabilität weiter zu erhöhen, wird Johanna Planz zufolge ein Stück Eisen oder ein Stein an den Füßen befestigt. Die Figuren seien biegsam und ließen sich dadurch in jede beliebige Haltung bringen. „Dadurch erhalten sie natürlich eine ausdrucksstarke Köpersprache, durch die die Modelllandschaft und die in ihr dargestellte Weihnachtsgeschichte erst so richtig lebendig wirkt“, erklärt die 72-Jährige, die zu ihrer Krippe einen ganz besonderen Bezug hat, denn sie ist ein Unikat, das in mühe- und liebevoller Handarbeit gefertigt wurde.

Jedes Jahr an Weihnachten freut sich Johanna Planz darauf, die Kartons auszupacken, in denen sämtliche Einzelteile verstaut sind. Dann überlegt sie sich, wie sie die Szenerie gestaltet und die Figuren anordnet, zu denen auch Schafe gehören, die sie selbst gebastelt hat. Für die 72-Jährige ist das alljährlich ein ganz besonderer Moment.

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Weihnachtsgeschichte spielt im Moos
Weihnachtsgeschichte spielt im Moos
Die Lenninger „Krippenmutter“ Johanna Planz vor ihrem Werk. Fotos: Daniela Haußmann
Die Lenninger „Krippenmutter“ Johanna Planz vor ihrem Werk. Fotos: Daniela Haußmann