Weilheim und Umgebung
Weil Personal fehlt:Stadt kürzt Kita-Zeiten

Betreuung Seit Beginn der Pandemie müssen Eltern bei der Ganztagsbetreuung in Weilheim Abstriche in Kauf nehmen. Jetzt verringert die Stadt die Öffnungszeiten dauerhaft. Von Bianca Lütz-Holoch

Kita von 7 bis 17 Uhr? Das wird in Weilheim künftig die Ausnahme sein. Die Stadt reduziert zum kommenden Kindergartenjahr in vier von fünf Ganztagsgruppen offiziell die Betreuungszeiten. Der Grund: Es fehlt Personal – und ab September erlaubt das Land nicht mal mehr eine geringfügige Unterschreitung des Mindestpersonalschlüssels. „Das zwingt uns dazu, die Öffnungszeiten in den Kitas Lerchenstraße und Schellingstraße anzupassen“, sagt Ulrike Schmid, die bei der Weilheimer Stadtverwaltung für Schulen und Kindergärten zuständig ist. Betroffen sind zwei Ü3- und zwei U3-Ganztagsgruppen. Die Ganztagsgruppe im Kindergarten Bahnhofstraße wird ab September also noch die einzige in Weilheim sein, die an fünf Tagen die Woche jeweils zehn Stunden geöffnet hat.

 

Den Status quo von 2019 erreichen wir nicht mehr“
Ulrike Schmid
geht davon aus, dass das bei den Öffnungszeiten dauerhaft Abstriche zu erwarten sind.

Ganz aus dem Nichts trifft die Eltern diese Nachricht nicht: „Während der Pandemie waren bereits Einschränkungen der Öffnungszeiten erforderlich“, erläutert Ulrike Schmid. Sie werden nun lediglich dauerhaft auf dem Papier festgeschrieben.

Allerdings hatten die Eltern nach wie vor gehofft, dass es sich nur um eine vorübergehende Reduzierung der Öffnungszeiten handeln würde. Das war auch im Kindergartenausschuss der Stadt, dem neben sechs stimmberechtigen Gemeinderäten Erzieherinnen und Elternvertreter angehören, spürbar. „Es wäre schon schön, eine Perspektive für eine Ausweitung der Öffnungszeiten zu haben, falls sich doch Personal findet“, zeigte sich ein Elternvertreter von der endgültigen Festschreibung der verkürzten Zeiten enttäuscht.

Eltern: Der Bedarf ist trotzdem da

Eine andere Elternvertreterin berichtete, dass sich viele Familien angesichts der Einschränkungen in den vergangenen zwei Jahren anders organisiert haben: Sie arbeiten verstärkt im Homeoffice oder haben Tagesmütter engagiert. „Der Betreuungsbedarf ist aber trotzdem da“, betonte sie. Was die Elternvertreter aber auch signalisierten: Es ist gut, dass jetzt die Karten auf dem Tisch liegen. Das ermöglicht den Eltern, sich auf die Bedingungen einzustellen, und erspart viel Frust.

Hoffnung darauf, dass es wieder so wird wie vor den Pandemie, will die Stadt den Eltern nicht machen. „Den Status quo von 2019 erreichen wir nicht mehr“, stellt Ulrike Schmid klar. Deutschlandweit fehlt Personal im Kita-Bereich. Dazu kommen strenge Vorgaben des Landes Baden-Württemberg, was den Personalschlüssel und die Mindestqualifizierung des Personals angeht.

 

Uns ist schleierhaft, wie das alles weitergehen soll.
Johannes Züfle
Weilheims Bürgermeister über die schwierige Personalsituation im Bereich Kinderbetreuung

„Wir werden den Bedarf nicht decken können“, macht Hauptamtsleiterin Daniela Braun deutlich. Der Stadt bleiben damit zwei Möglichkeiten: „Gruppen schließen oder die Öffnungszeiten kürzen.“ Weilheim hat sich für die zweite Option entscheiden. „Ich sehe keine ganz große Zukunft für die Ganztagsbetreuung“, gibt Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle zu: „Denn zur Wahrheit gehört auch, dass wir für zwei Ganztagsgruppen so viel Personal benötigen wie für drei Nicht-Ganztagsgruppen.“ Wie die Kommunen die immensen Herausforderungen im Bereich Kinderbetreuung auf Dauer meistern sollen, weiß er noch nicht. „Uns ist schleierhaft, wie das alles weitergehen soll“, so Züfle.

Dass es für einige berufstätige Eltern nun schwieriger wird, Kinder und Job zu vereinen, weiß man bei der Stadt. „Die Zeiten komplett ausgenutzt haben aber in der Vergangenheit nur die wenigsten Eltern“, macht Ulrike Schmid klar, dass die Einschränkungen nicht die breite Masse treffen. Allen, die über die Kita-Öffnungszeiten hinaus Betreuung brauchen, empfiehlt sie, mit dem Tageselternverein Kontakt aufzunehmen. „Es ist in der Regel kein Problem, dass Tageseltern Kinder von der Kita abholen und noch ein oder zwei Stunden betreuen.“ 

 

Weilheim schafft 60 neue Plätze

Der Bedarf an Kita-Plätzen in Weilheim bleibt hoch. Insgesamt hat Weilheim derzeit sechs Kitas. Im Ü3-Bereich fehlen nach jetzigem Stand im kommenden Kindergartenjahr 30 Plätze. Im U3-Bereich stehen zwar noch zwei Sharing-Plätze zur Teilzeitbetreuung zur Verfügung. Trotzdem stehen zehn Familien auf der Warteliste, weil für sie kein Betreuungsplatz im benötigten Umfang in der Wunscheinrichtung oder zum gewünschten Zeitpunkt zur Verfügung steht. Auch im Freien Kindergarten und im Waldkindergarten ist die Nachfrage ungebrochen hoch: Zum kommenden Jahr sind alle Plätze belegt.

Bis Juli 2024 schafft die Stadt Weilheim 60 neue Betreuungsplätze durch die Umbauten in den Kitas Egelsberg und Öhrich sowie den Neubau eines Jurtenkindergartens. 

Die Kindergartengebühren sollen in Weilheim künftig ganz anders berechnet werden als bislang. Darüber entscheiden wird der Gemeinderat. Bisher wurde danach unterschieden, ob das Kinder einen Ganztags- oder Regelplatz beziehungsweise einen Platz mit verlängerten Öffnungszeiten hat. Außerdem hat die Stadt die Eltern je nach Einkommen mehr oder weniger stark zur Kasse gebeten. Künftig sollen die Gebühren einkommensunabhängig berechnet werden. Es würde dann eine Staffelung nach Betreuungszeiten in Fünf-Stunden-Schritten niedrigere Sätze für Geschwisterkinder geben. 

Pandemiebedingt hat es in einigen Kindergärten Einschränkungen der Öffnungszeiten und sogar Schließphasen gegeben. Drei Gruppen waren so stark betroffen, dass die Stadt den Familien zwei beitragsfreie Monate gewährt. In weiteren drei Gruppen erhalten die Familien einen beitragsfreien Monat.

Um die Engpässe besser meistern zu können, hat der Gemeindetag Baden-Württemberg ein Positionspapier mit Vorschlägen an die Landesregierung verfasst. Darin fordern die Kommunen beispielsweise, dass der Mindestpersonalschlüssel auch künftig um 20 Prozent unterschritten werden darf. Zu den Vorschlägen gehören außerdem eine Erweiterung der maximalen Gruppengröße um bis zu zwei Kinder und Vertretungen des pädagogischen Fachpersonals zu erleichtern.