Weilheim und Umgebung

Weil sonst so viel vergammelt

Streuobst Die Aktion „Pflück mich“ in Weilheim läuft seit etwa zwei Wochen. Bislang hat sich nur ein einziger ­Baumbesitzer gemeldet, der seinen Baum zum Abernten zur Verfügung stellt. Von Heike Siegemund

Ariane Schwarz und ihre Tochter beim Äpfel auflesen
Frau Schwarz kommt mit Tochter und weiteren zum Obst pflücken - Aktion "Pflück mich" der Stadt Weilheimam Parkplatz Friedhof Weinsteige WeilheimObsternte - Apfelernte - Obst - Apfel - Äpfel

Ariane Schwarz blutet das Herz, wenn sie sieht, wie Äpfel, Zwetschgen, Birnen und Co. auf Streuobstwiesen vergammeln. Die Weilheimerin ist mit ihrer Familie viel draußen unterwegs und hat in den vergangenen Wochen bemerkt, dass „wahnsinnig viel Obst“ an den Bäumen oder auf den Wiesen schlichtweg verfault. Denn heuer ist so viel Obst vorhanden, dass manche Wiesenbesitzer gar nicht mehr hinterher kommen mit Ernten, Verbrauchen und Verarbeiten. Die Folge: Das Obst bleibt vielerorts liegen. „Das ist wirklich schade“, bedauert die 45-Jährige.

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Sie kann nicht verstehen, dass die Menschen einerseits Äpfel kaufen, die zum Beispiel aus Südamerika importiert werden, und andererseits das Obst, das vor der Haustür wächst, verkommt. „Das Regionale ist doch das Allerbeste“, betont sie. Die Weilheimerin besitzt selbst keine Streuobstwiese, würde aber gerne Obst aus der Region ernten. Doch sie weiß auch: Privatbesitz betreten und das Obst holen darf man nicht.

Weilheim unterstützt die Aktion

Eine Lösung des Problems wäre eine Initiative, bei der man Interessierten die Streuobstwiesen zur Ernte zur Verfügung stellen könnte, überlegte die Weilheimerin. Und so stattete sie den Mitarbeitern im Weilheimer Rathaus einen Besuch ab. Volker Sigel und Daniela Siegler vom Liegenschaftsamt waren sofort begeistert. Auch dort ist die Problematik bekannt.

Um Wiesenbesitzer und Obstinteressenten zusammenzuführen, initiierten die Rathaus-Mitarbeiter schließlich die Aktion „Pflück mich“: Dabei können Obstbaumbesitzer bei der Liegenschaftsverwaltung im Rathaus weiße Bänder abholen und damit ihre Bäume markieren. Ein so gekennzeichneter Baum kann ohne Rücksprache mit dem Eigentümer oder der Stadtverwaltung abgeerntet werden. Die Aktion läuft nun seit etwa zwei Wochen. Was Volker Sigel besonders freut: „Es gab von unterschiedlichen Gemeinden Anrufe und Interessensbekundungen. Mittlerweile wird die Aktion erfolgreich kopiert.“ So haben zum Beispiel auch Jesingen, Nabern und Owen diese Initiative bereits gestartet.

Eine Tatsache jedoch stimmt Volker Sigel und Daniela Siegler traurig: Bislang hat sich bei ihnen nur ein einziger Baumbesitzer gemeldet und ein weißes Band für seinen Zwetschgenbaum in Hepsisau abgeholt. „Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Das ist verwunderlich“, sagt Daniela Siegler. Viele Bürger fragen: „Wo sind denn die Bäume mit den weißen Bändern?“.

In Pfullingen, wo eine ähnliche Aktion bereits seit mehreren Jahren läuft und die dem Weilheimer Modell als Vorbild diente, seien in dieser Erntesaison bereits rund 100 weiße Bänder ausgegeben worden, sagt Volker Sigel. Er und seine Kollegin hoffen, dass sich das Ganze noch einspielt. Vielleicht müsse die Aktion zunächst bekannter werden. Auch Ariane Schwarz wünscht sich, dass sich „die Bereitschaft der Wiesenbesitzer entwickelt“ und dass sich mehr Baumbesitzer melden. „Vielleicht haben sie Angst, dass etwas abgerissen oder zertrampelt wird“, zeigt sie Verständnis.

Unterdessen hat die Stadt Weilheim beschlossen, auch ihre städtischen Obstbäume zur Verfügung zu stellen, sagt Volker Sigel: „Wir haben selbst viele Bäume, an denen jetzt die weißen Bänder angebracht sind und die abgeerntet werden dürfen.“

 

Wo genau sich die Bäume befinden, die zur Ernte zur Verfügung stehen, erfahren Interessierte in den Rathäusern Weilheim und Owen sowie bei den Verwaltungen Jesingen und Nabern.