Weilheim und Umgebung

Weilheims Pfarrer zelebriert sein eigenes Beethoven-Jahr

Corona Die kleine Serie „Lockdown“ gewährt Einblicke in das Leben von Menschen während der Pandemie.

Pfarrer Matthias Hennig Foto: Peter Dietrich
Pfarrer Matthias Hennig Foto: Peter Dietrich

An Arbeit mangelt es Matthias Hennig in Lockdown-Zeiten nicht. Allerdings sind die Aufgaben des Pfarrers der evangelischen Peterskirchengemeinde in Weilheim andere als sonst: „Statt produktiv zu sein und zu organisieren, bin ich nun eher mit Deorganisieren, Absagen und der Umsetzung der Corona-Verordnung beschäftigt“, sagt er. Die Pandemie und die Einschränkungen haben aus seiner Sicht Umbrüche in der Gesellschaft und große Bedrückung ausgelöst. Auch bei ihm haben sich Alltag und Freizeit verändert. „Ich spiele wieder öfter Klavier“, so Hennig. Dabei zelebriert er 2020 sein ganz eigenes Beethoven-Jahr: „Jede Woche versuche ich, eine der 32 Klaviersonaten zu spielen - und wenn ich das nicht schaffe, höre ich eine an.“ Auch Bücher nimmt er zur Hand. „Ich lese viel Belletristik, die sich mit der zerbrechlichen Weltlage beschäftigt.“ „Homo deus“ von Yuval Noah Harari oder „Die Geschichte des Wassers“ von Maja Lunde gehören dazu. Ob beruflich oder privat - Matthias Hennig versucht in Zeiten von Kontaktbeschränkungen, dem Zwischenmenschlichem trotzdem Raum zu geben. „Zum Beispiel telefoniere ich länger mit den Menschen, ohne Blick auf die Uhr.“ Zudem genießt der Vater von fünf Kindern das intensivere Familienleben. „Wenn ich abends frage, wer noch mit mir Tischtennis spielen will, gehen mindestens drei Hände hoch.“ Nicht zuletzt hat Matthias Hennig festgestellt, wie sehr alte Lieder und liturgische Traditionen in dunklen Tagen plötzlich wieder tragen: „In großen Leidenden wie Dietrich Bonhoeffer finde ich mich auf neue Weise wieder.“ Bianca Lütz-Holoch


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