Weilheim und Umgebung

Wenn das König Artus wüsste

Seit 2003 trifft sich die Weilheimer Tafelrunde – Veranstaltungen von Männern für sich und andere

Was ist der Traum so manchen Pfarrers? Eine Gruppe, die ohne ihn funktioniert, zupackt, wenn sie gebraucht wird, attraktive Veranstaltungen auf die Beine stellt und nebenbei sogar noch Geld für gute Zwecke erwirtschaftet. In Weilheim ist solch ein Traum wahr geworden, er heißt „Tafelrunde“.

Die umtriebigen Männer der Tafelrunde. Foto: Peter Dietrich
Die umtriebigen Männer der Tafelrunde. Foto: Peter Dietrich

Weilheim. Wer die Ritter von König Artus‘ Tafelrunde waren, ist eine knifflige Frage für Historiker. Die ritterlichen Herren der Weilheimer Tafelrunde sind hingegen bekannt. Zu ihnen gehören unter anderem Kurt Linsenmayer und Gernot Mast, beide Gründungsmitglieder, sowie Ulrich Mors, Günter Wallenwein, Hans-Ulrich Lindner, Tilman Eber­hardt, Wolfgang Heinzel und Walter Necker.

In der Kirche gibt es allerlei Institutionen, nur für Männer gibt es nichts. Diese Erkenntnis stand im Jahr 2003 am Anfang der Tafelrunde. „Endlich kommt mal jemand und will die Küche nutzen“, befand Jörg Nowak, damals Pfarrer in Weilheim und zugleich Bezirksmännerpfarrer, als ein paar Herren mit dem Männerkochen begannen. „Eigentlich können wir noch mehr gemeinsam machen“, befanden diese Herren einstimmig, wollten gemeinsam schöne Dinge erleben und stellten 2004 ihr erstes Jahresprogramm auf. Jeder brachte Themen ein, die ihn interessieren. Seither wechseln sich interne und öffentliche Termine – auch für Frauen – ab.

So kam in Weilheim zum Kirchenjahr das Tafeljahr. Immer im Januar gibt es eine Filmnacht, bei der sich die Männer im Gemeindehaus einen Film nach dem anderen reinziehen, dort auch vespern und übernachten. Im Februar folgt das Männervesper mit einer Tafel im Chor der Kirche, einem öffentlichen Vortrag und Diskussion. Im März und April folgen Vorträge oder Kabarett. Zu den bisherigen Rednern gehören Erwin Teufel, Erhard Eppler und der Erste Landesbeamte Matthias Berg. Meist während der Blütezeit folgt eine Wanderung, teils mit Übernachtung. Beim Gemeindefest ist die Tafelrunde besonders gefordert. „Wir sind der Bauhof“, sagt Mors. „Dieses Image wollen wir ablegen“, bremst Linsenmayer. Die Tafelrunde hat auch den kirchlichen Männersonntag in Weilheim eingeführt. Sie bereitet einen Gottesdienst vor, übernimmt alles außer der Predigt, anschließend gibt es ein Weißwurstfrühstück. Bei der Churchnight am Reformationstag organisieren die Herren ein Kino in der Kirche. „Vaya Con Dios“, war dort zu sehen, „Die Päpstin“ und „Pilgern auf Französisch“.

Im November folgt ein Männerkochen, bei dem die Herren meistens für die Frauen kochen, richtige Sterneküche unter professioneller Anleitung. Von den Damen kommt übrigens kein Widerstand: Sie sind eher stolz drauf, dass ihre Männer zur Tafelrunde gehören.

Zum monatlichen Stammtisch im „Burgmann’s“ kommt wer will, meist sind es sechs bis zehn der Herren. Eine Diva ist auch dabei, aber das ist okay, denn Diva ist eine Hundedame, und noch dazu gar nicht divenhaft. Die Herren sind ähnlich pflegeleicht, auch theologisch gesehen. „Wir sind undogmatisch und lebensnah“, sagt Lindner. „Jeder hat seine eigenen Gründe, in der Tafelrunde zu sein“, sagt Mors. Dem einen sind Männerthemen wichtig, ein anderer will Leute ansprechen, die sonst nichts mit der Kirche zu tun haben. Kurt Linsenmayer koordiniert gerne Projekte und traut sich zu sagen, was andere verschweigen würden: „Wenn man eine Diskussion anstoßen will, muss man provokant sein.“ Mors stimmt zu: „Man muss auch mal vom Mainstream abweichen.“

Und ein Ritter muss Niederlagen wegstecken: Einmal hat die Tafelrunde 600 Werbeflyer verteilt, nur zwei Leute kamen. Viel mehr erreichte 2012 die Veranstaltungswoche „Kreuz & Quer“ der Evangelischen Kirchengemeinde Weilheim. Sie brachte der Tafelrunde einen Dauereinsatz.

Pfarrer Peter Brändle ist als sprühender Ideengeber weggefallen, die Tafelrunde geht weiter. Der Skeptiker, der ihr zu Beginn ein „euch wird es keine zwei Jahre geben“ prophezeit hatte, hat sich als falscher Prophet erwiesen. Vielfach hat die Tafelrunde die Kirchengemeinde unterstützt, für Beamer oder Weingläser gespendet. Apropos Alkohol: Als die Tafelrunde einmal zur Brennereibesichtigung mit Schnapsprobe fuhr, nahmen engere Gemüter daran Anstoß. Ein Ritter nimmt so etwas gelassen.

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