Weilheim und Umgebung

Wenn der Ball rollt, ist das Heimweh vergessen

Montagskicker und Flüchtlinge aus Gambia spielen Fußball und grillen zusammen – Revanche gibt es nach dem Ramadan

Gefährliche Situation: Zwei Stürmer der Gambia-Elf vor dem gegnerischen Tor der Montagskicker.Foto: Markus Brändli
Gefährliche Situation: Zwei Stürmer der Gambia-Elf vor dem gegnerischen Tor der Montagskicker.Foto: Markus Brändli

Bissingen. Nur wenige Minuten nach dem Anpfiff durch Schiedsrichter Armin Sigler fällt das erste Tor für die Elf aus Gambia. Die jungen Flüchtlinge aus dem westafrikanischen Land, die seit März in Ochsenwang leben, freuten sich auf

dieses Freundschaftsspiel gegen die Bissinger Montagskicker am Samstagabend. Bereits seit Wochen trainierten sie darauf.

Die Montagskicker in den roten Trikots um Zoran Jovanovic haben Anlaufschwierigkeiten und finden nur langsam zu ihrer Form. Doch sie holen auf. In der Halbzeit steht es zwei zu zwei.

Die jungen Männer aus Gambia in den blauen Trikots sind leichtfüßig und hoch motiviert. Angefeuert werden sie durch ihren Coach und ihre farbigen Freunde am Spielfeldrand des Bissinger Rasens, wo inzwischen erstaunlich viele Zuschauer bei eisigen Temperaturen das Match verfolgen.

In der zweiten Halbzeit übernehmen die Montagskicker die Führung. Torwart Osman kassiert einen Treffer nach dem anderen. Das Fasten und das feuchtkalte Wetter scheint den afrikanischen Fußballern zuzusetzen. Sie sind, wie 90 Prozent der 1,7 Millionen Einwohner von Gambia, Muslime und halten den Ramadan ein, der am Donnerstag begann. Gegessen und getrunken wird erst nach Einbruch der Dämmerung. Am Samstag wird dafür 21.30 Uhr festgelegt.

So geht das Spiel auf dem etwas verkleinerten Spielfeld sieben zu zwei für die Montagskicker aus. Es war stellenweise hart, aber fair. Schiedsrichter Armin Sigler musste nur einmal die Gelbe Karte zeigen, und die sah ausgerechnet Zoran. Er hatte nämlich das Fußballspiel über 90 Minuten organisiert und dafür zahlreiche Sponsoren gewinnen können, die Fußballstiefel, Trikots, Bälle, Essen und Getränke sowie Brötchen und Einweggeschirr spendierten.

Denn nach dem Match warf Barbecuemaster Martin Oelkrug den Grill an, um mit den dunkelhäutigen Freunden aus Ochsenwang gemütlich im Zelt zusammenzusitzen, zu essen, zu trinken und sich zu unterhalten, so gut dies auf Englisch möglich war. „Good german football“, lobte Sana. Die Niederlage war so gut wie vergessen. Er und seine Mitspieler ließen sich die Hähnchenschlegel, Putensteaks und den leckeren Salat, den die Fußballerfrauen der Montagskicker zubereitet hatten, schmecken.

Allerdings war eines für ihn und die anderen Spieler aus Gambia klar: Revanche nach dem Ramadan. Und der endet am 16. Juli. Bis dahin könnte sich auch das Wetter stabilisiert haben.

Ob dann Zorans Ausspruch: „Wir haben auf diesem Platz bei einem Turnier noch nie verloren“, Bestand hat, muss abgewartet werden. Freilich nimmt die Ergebnisse niemand so richtig bierernst. Vielmehr geht es darum, die jungen Flüchtlinge mit in die Gemeinschaft einzubeziehen und nicht alleine zu lassen. Gelebte Integration eben, was nicht überall selbstverständlich ist. Doch Fußball schmiedet Freundschaften und ist international.

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