Weilheim und Umgebung

Wertschätzung muss auch monetär steigen

Dass die Streuobstwiesen gefährdet sind, ist bekannt. Staatssekretär Andre Baumann nimmt Politik, Verwaltung und die Gesellschaft in die Pflicht.

Andre Baumann, Staatssekretär des Umweltministeriums
Andre Baumann, Staatssekretär des Umweltministeriums

Liegen Ihnen die Streuobstwiesen persönlich am Herzen?

ANDRE BAUMANN: Ja, sehr. Baden-Württemberg hat hier eine Verantwortung zu tragen. Die Wiesen haben eine riesige Bedeutung für das Land.

Können Sie den Landschaftspflegern Hoffnung machen?

BAUMANN: Die Politik hat begriffen, dass die Wertschätzung gegenüber dem Streuobst und deren Anbauern erhöht werden muss. Auf dem Spaziergang rund um Neidlingen konnte ich deutlich sehen, dass viele Bäume in schlechter Verfassung sind. Die Ökosysteme können und müssen erhalten bleiben, schließlich sind sie Herberge für knapp 4 000 Arten.

Wie erklären Sie sich den derzeit schlechten Zustand?

BAUMANN: Vermutlich ist es der Lauf der Zeit. Vor rund 250 Jahren war es selbstverständlich, dass Streuobst angebaut wurde. In dieser Zeit sorgte man mit Äpfeln und andern Früchten für den Winter vor. Da der Most ja durch den Gärungsprozess Alkohol enthielt, diente er als keimfreies Getränk. Zudem spielt der Preisverfall eine große Rolle. Wurde früher noch gutes Geld verdient, begann nach dem letzten Krieg der Abwärtstrend in der Bezahlung.

Gibt es eine Patentlösung, um Streuobstwiesenpflege attraktiver zu gestalten?

BAUMANN: Wichtig ist, dass die Bevölkerung erkennt, wie gut die Produkte aus der Region sind. Es gilt, die Kunden zu überzeugen, lieber vom Direktvermarkter zu kaufen, als zum Beispiel Apfelschorle aus China. Ein leichter Anfang ist an den Dorffesten und Märkten möglich. Dort sollten vor allem Säfte, Obst und Fleisch aus der Region verkauft werden. Eine Patentlösung gibt es derzeit noch nicht.

Was raten Sie den Landwirten kurzfristig?

BAUMANN: Zuerst gebührt den Pflegern der Streuobstwiesen ein großes Lob für ihre bisherige Arbeit. Ich bin froh, dass es noch Menschen gibt, die sich den Rücken krumm machen. Mit dem Versprechen, dass die Regierung versucht, zeitnah zu unterstützen, empfehle ich den Landschaftspflegern, unbedingt weiterzumachen. Nur so können die Streuobstwiesen am Leben erhalten werden.

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