Weilheim und Umgebung

Wo der Teufel an die Wand gemalt ist

Radio Dass Gruibingen von Staus geplagt ist, hat eine SWR-Reporterin neugierig gemacht. Sie kennt die Gegend noch aus ihrer Kindheit – ohne gute Erinnerungen. Von Jürgen Schäfer

Im Einsatz für den SWR: Marion Eiche in Aichelberg.Foto: Tilmann Ehrke
Im Einsatz für den SWR: Marion Eiche in Aichelberg.Foto: Tilmann Ehrke

Marion Eiche kommt fast ins Hüpfen beim Versuch, die Kälte abzuschütteln. Es ist 8.10 Uhr, fünf Minuten vor ihrem Einsatz. Gleich wird sie ihren Hörern berichten, dass sie vor der Feng-Shui Raststätte in Gruibingen steht, dort wo die Bauform und das Ambiente rund und bunt seien - im Zeichen der Tiefenentspannung. Das ist ihr Ausgangspunkt für die Erkundungstour „Stau mal vorbei“.

Marion Eiche ist hier fremd. Das soll so sein, damit sie alles auf sich wirken lassen kann. Die 48-Jährige kommt aus Freiburg. Sie ist vorwiegend Nachrichtenredakteurin, geht aber auch raus ins Land. Im November hat sie für die ARD-Rundfunkanstalten vom Treffen von Steinmeier und Macron auf dem Hartmannswillerkopf im Elsass berichtet.

Aber sie war schon mal auf dieser Autobahn. In ihrer Kindheit ist Marion Eiche mit ihren Eltern immer wieder hier durchgekommen, auf dem Weg nach Bayern. Und da war immer Stau: bei Aichelberg, am Drackensteiner Hang. Das steckt ihr so in den Knochen, dass sie die A 8 seither gemieden hat „wie der Teufel das Weihwasser“. Sie teilt ihren Hörern mit: Im Moment läuft der Verkehr. Aber es könne sein, dass die Ampel am Tunnel einfach auf Rot gehe, und dann hat man den Stau.

Eine zerstückelte Gegend

Mikrofon aus, Kopfhörer runter. Jetzt geht’s rein in den Ort. Im Rathaus kennt die Kundschafterin schon jemand: Sina Hofmeister, eine Studentin für den gehobenen Verwaltungsdienst. Die war für die Stadt Wiesensteig bei der CMT und hat der SWR-Reporterin dort schon die Wanderwege und Wacholderheiden auf der Filsalb nahegebracht. Jetzt soll sie den Hörern von SWR 4 etwas über Gruibingen erzählen. Als Einheimische mit CMT-Erfahrung ist sie die Richtige.

Es ist ja nicht so einfach. Marion Eiche hat sich schlau gemacht über Sehenswürdigkeiten, die es links und rechts der Autobahn gibt. Von Gruibingen bis zur Ausfahrt Ulm-West. Aber die Freiburgerin empfindet diesen Raum nicht als Einheit. Sondern so zerstückelt. Mit Kreisgrenzen hier und dort. Mit Bäder-Orten, die reizvoll sein mögen. Aber es fehlt ihr ein tragendes Element.

"Bei uns ist der Teufel an die Wand gemalt"

Vom Gruibinger Bürgermeister Roland Schweikert erfährt sie Erstaunliches. „Bei uns ist der Teufel an die Wand gemalt.“ In der Martinskirche nämlich, auf alten Fresken. Dort führt der Teufel die Menschen in Versuchung. „Passen Sie auf“, gibt Schweikert der Reporterin mit auf den Weg. Marion Eiche hat Glück. Die Kirche ist offen. Weil die Handwerker drin sind. Sie haben die Kirchenbänke zur Seite geräumt und verlegen eine neue Heizung. Die Besucherin entdeckt den Teufel an der Wand unter einer Schutzfolie. Ist er auf einem Bild oder mehreren? „Mir gefallen so alte Kirchen“, sagt sie.

Auch die Lammbrauerei weckt ihr Interesse. Sie klopft an. Kann man den Betrieb besichtigen? Braukunst - das wäre etwas für ihre Hörer. Spontan geht das nicht, erfährt sie. Mit Anmeldung und für Gruppen schon. Aber es gibt einen Brauereiladen, er hat grad aufgemacht. Da würde die Reporterin glatt ein Bier probieren. Das gäbe ein schönes Video für den „Regionencheck“ im Internet. Ein alkoholfreies aus Gruibingen gibt’s nicht. Aber eines, dessen Name sie anspringt: „Saukalt“. Passt auch zum Tag.

Einkaufen kann man vergessen

Es ist 10.10 Uhr, als Marion Eiche ihren Hörern das Ergebnis ihrer Recherche mitteilt. Und Sina Hofmeister Gelegenheit gibt, über den Stau in Gruibingen zu berichten. „Nichts beschönigen“, hat sie ihr eingeschärft. Die Studentin ist da nicht in Gefahr. „Man kommt nicht raus aus dem Ort, wenn Stau ist“, berichtet sie, man kann da das Einkaufen im Nachbarort vergessen. Oder man fährt außen rum über Auendorf. Stau sei oft. In den Ferien immer. Die Gruibingerin hat auch einen Ausflugstipp: das Deutsche Haus mit Wanderung auf den Boßler.

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