Weilheim und Umgebung

Wo ist das Problem?

Schule Braucht eine dörfliche Grundschule wie die in Ohmden Schulsozialarbeit? Konrektorin, Lehrer und Bürgermeisterin sagen: Ja. Der Gemeinderat sagt: Nein. Von Antje Dörr

An der Ohmdener Grundschule wird es vorerst keine Schulsozialarbeit geben.Foto: Carsten Riedl
An der Ohmdener Grundschule wird es vorerst keine Schulsozialarbeit geben.Foto: Carsten Riedl

An der Ohmdener Grundschule wird es ab kommenden Schuljahr anders als geplant keine Schulsozialarbeit geben. Das ist das Ergebnis des Beschlusses, der in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats gefällt wurde. Fünf Gemeinderäte stimmten nach hitziger Debatte gegen die Einführung von Schulsozialarbeit, vier Gemeinderäte und die Bürgermeisterin dafür. Ein Gemeinderatsmitglied, das das Zünglein an der Waage hätte sein können, war nicht anwesend. Bei Stimmengleichheit gilt ein Antrag als abgelehnt.

Doch der Reihe nach: Schulsozialarbeit ist im Ohmdener Gemeinderat schon länger ein Thema. Davon zeugen 15 000 Euro, die im Haushalt der Gemeinde für die Finanzierung einer 25-Prozent-Stelle reserviert waren. Das Angebot, das es mittlerweile an allen Kirchheimer Schulen gibt, sollte auf Wunsch der Schulleitung auch in Ohmden eingeführt werden. Die Zeit für Unterricht werde massiv beschnitten, weil die Lehrerinnen häufig gefordert seien, um Streit zu schlichten oder sich mit verbalen oder körperlichen Entgleisungen auseinanderzusetzen, sagte Meike Kerscher, stellvertretende Rektorin, zur Begründung in der Sitzung.

Anbieter von Schulsozialarbeit gibt es einige, doch der größte in Kirchheim und den umliegenden Gemeinden ist das Brückenhaus. Zwei Mitarbeiterinnen berichteten in der Sitzung, was das Ziel von Schulsozialarbeit ist. „Wir schauen auf das Wohl der Kinder, und dass kein Kind in seiner Entwicklung gefährdet ist“, sagte Ingrid Reik. Kein Kind solle ausgegrenzt und durch Streit oder Mobbing psychisch oder körperlich verletzt werden.

Um das zu erreichen, unterstützen Schulsozialarbeiter unter anderem beim Streitschlichten und machen mit den Schülern spielerische Übungen, um die Klassengemeinschaft zu stärken. Großes Augenmerk richten die Pädagogen auf das Training von sozialen Kompetenzen. Auch erlebnispädagogische Angebote, die für eine gute Beziehung zwischen Sozialarbeitern und Schülern sorgen sollen, stehen auf dem Programm. Nicht zuletzt können Lehrer beraten werden, die bei einem Kind Probleme feststellen.

Gemeinderätin Daniela Haible-Lutz brach in der anschließenden Debatte eine Lanze für die Schulsozialarbeit. Die Äußerungen ihrer Kollegen jedoch waren von großer Skepsis geprägt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es an der Ohmdener Schule so schlimm ist“, sagte Wolfgang Lutz. Die Werteerziehung müsse seiner Meinung nach im Elternhaus stattfinden. Auch Roland Greiner hatte große Zweifel an der Notwendigkeit von Schulsozialarbeit. „Bekommen das nicht unsere Lehrer hin?“, fragte er. Das müsse in der Ganztagsschule doch drin sein. „Es kann nicht sein, dass die Bildungspläne so eng sind, dass die Lehrer keine Zeit mehr haben, die Sozialkompetenz der Kinder zu schulen.“ Peter Cramer blies ins gleiche Horn. In seiner Zeit als Elternbeirat habe es auch Probleme gegeben. Aber die seien von den Lehrern gelöst worden. „Ich verstehe nicht, warum man bei 65 Kindern Schulsozialarbeit braucht“, sagte er. Anja Bezler und Jörg Spielvogel betonten, sie seien nicht grundsätzlich gegen Schulsozialarbeit. Sie wollten nur noch einmal nicht-öffentlich zusammenkommen, um in einem vertraulichen Rahmen ihre Fragen stellen zu können.

An diesem Punkt war Bürgermeisterin Barbara Born mit ihrer Geduld sichtlich am Ende. Die Schulsozialarbeit sei im Haushalt der Gemeinde vorgesehen, wenn auch bisher mit Sperrvermerk. „Wenn man etwas im Haushalt veranschlagt und es mit Sperrvermerk versieht, gehe ich davon aus, dass man sich noch mal intensiv damit auseinandersetzen will. Dazu haben sie jetzt die Möglichkeit“, sagte Barbara Born und deutete auf die beiden Mitarbeiterinnen des Brückenhauses. Die Entscheidung zu vertagen sei nicht möglich, weil der Antrag auf Fördergelder bis zum 31. Juli eingereicht werden müsse - ein Punkt, der in der Sitzungsvorlage steht. „Sie haben die Unterlagen seit zehn Tagen!“, sagte Barbara Born sichtlich verärgert. „Sie hätten sich vorher bei mir melden können.“ Ohne die Fördergelder von Land und Landkreis in Höhe von 8 350 Euro kann sich die chronisch finanzschwache Gemeinde Ohmden die zehn Stunden Schulsozialarbeit pro Woche nicht leisten.

Besonders pikant: Fördergelder werden nur für Stellen ab 50 Prozent aufwärts gezahlt. Deshalb wollten Ohmden und Holzmaden mit je 25 Prozent eine gemeinsame Stelle schaffen. Der Holzmadener Gemeinderat hat sich bereits für Schulsozialarbeit entschieden. Weil Ohmden nun nicht mitmacht, wackelt auch die Förderung für Holzmaden.

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