Weilheim und Umgebung

Wo zum Kuckuck?

Das Wahrzeichen der Hepsisauer ist einfach von der Lampe am Rathaus verschwunden

Lange saß er auf der Lampe über der Tür, jetzt ist er weg: Der Hepsisauer Kuckuck. Foto: Jean-Luc Jaques
Lange saß er auf der Lampe über der Tür, jetzt ist er weg: Der Hepsisauer Kuckuck. Foto: Jean-Luc Jaques

Weilheim. „Das ist mir schon vor 14 Tagen aufgefallen“, sagt Jürgen Schumann. Er hat einen Blick für den Kuckuck, denn sein Vater war Bürgermeister und er hat deshalb lange im Rathaus gewohnt. Zuerst dachte er, der Kuckuck sei zum Schutz vor den Bauarbeiten im Rathaus in Sicherheit gebracht worden. Doch nach etwa einer Woche wurde Schumann skeptisch und fragte bei der Ortsverwaltung und dem Ortsvorsteher nach: Was ist mit dem Kuckuck los? Keiner wusste etwas, aber nein, das sei keine Sicherheitsmaßnahme. Der Kuckuck am Hepsisauer Rathaus, das Wahrzeichen der Hepsisauer, ist verschwunden. Es gibt weder ein Bekennerschreiben noch einen konkreten Verdacht. Doch wann genau ist das Unglück passiert?

„Ich habe alle Nachbarn gefragt, keinem ist etwas aufgefallen“, sagt Schumann. Durch den Umbau kämen viele Leute ins Gebäude. Jeder könne einfach durch das Fenster oberhalb der Lampe hinauslangen und den Kuckuck abschrauben. Dass jemand von außen auf der Leiter hochgeklettert ist, glaubt Schumann nicht. Das wäre aufgefallen. Auch hätte womöglich der Bus in der engen Wendeschleife den Dieb von der Leiter geholt. „Der Kuckuck ist beim Kuckuck. Den werden wir nicht wieder bekommen“, befürchtet Schumann. „Ich habe meinem Sohn gesagt, er soll in Ebay gucken.“ Der Materialwert sei ja nicht so groß. Weit niedriger als der Wert für die Hepsis­auer: „Solange ich denken kann, ist der auf der Lampe.“

Dass man das aus Eisen geschmiedete Wahrzeichen so einfach von der Lampe abschrauben kann, war für die Ortschaftsverwaltung neu. Er hängt schon rund 70 Jahre am Rathaus und passe zum Stil vom Gebäude, betont man dort. Einen begründeten Verdacht gebe es keinen, zu viele Leute gehen derzeit aus und ein, um das Rathaus zur Flüchtlingsunterkunft umzubauen.

„Was will derjenige damit anfangen?“ fragt Gerda Schunter. Der Bruder ihres Onkels, Georg Kauderer, hat den Kuckuck gefertigt. „Als wir geheiratet haben, Anfang der 1960er-Jahre, war er schon da.“ Kauderer habe als Schmied eine Werkstatt in Esslingen-Mettingen gehabt. Sein Sohn habe sie übernommen. Sie meine, bei ihm im Treppenhaus ebenfalls einen solchen Kuckuck gesehen zu haben. Vielleicht kann er ja den Hepsisauern als Kopiervorlage für einen Ersatzkuckuck dienen? Doch leider ist Georg Kauderer junior, der wie sein Vater hieß, inzwischen verstorben. Einen Kuckuck hat die Witwe Inge Kauderer nie gesehen. Er müsste ihr aufgefallen sein: „Ich habe 28 Jahre in dem Haus gewohnt.“ Sie kann sich aber die Vermutung erklären: „Die gleiche Laterne hängt bei mir, aber ohne Kuckuck.“ Wie andere Befragte ist sie sich nicht sicher, ob die Behauptung stimmt.

Der Kuckuck sei das Meisterstück ihres Schwiegervaters gewesen. Der Meisterbrief, den die Handwerkskammer Stuttgart am 4. August 1930 ausgestellt hat und den Inge Kauderer extra hervorholt, gibt leider keinen Hinweis auf das Meisterstück. Inge Kauderer bedauert sehr, keinen Bruder des Kuckucks zu haben, so gerne hätte sie den Hepsisauern geholfen.

 

Auch die Redaktion des Teckboten würde gerne wissen, wo der Kuckuck gelandet ist. Sachdienliche Hinweise zum Verschwinden und vermuteten Verbleib des Kuckucks nimmt sie unter der Nummer 07021/975022 oder per E-Mail an redaktion@teckbote.de entgegen.

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