Weilheim und Umgebung

Wolfgang Bausch „lebt“ in der Steinzeit

Rulamans Welt fasziniert den Holzmadener Geologen – Führungen im passenden Outfit

Neben seinem regulären Beruf als Geologe ist der Holzmadener Wolfgang Bausch einer von 30 ausgebildeten Archäo-Guides im Archäopark Vogelherd im Lonetal bei Niederstotzingen. Mit seiner mobilen Ausstellung ist er jedes Jahr unter anderem an zahlreichen Schulen zu Gast.

Holzmaden. Schon als Kind war Wolfgang Bausch regelmäßig in Höhlen. „Mein Vater kommt von der Ostalb, jedes Wochenende waren wir dort unterwegs und haben auch die Höhlen besucht. Zu ihnen hat er mir dann viele Geschichten erzählt“, erinnert er sich an die Anfänge seines heutigen Hobbys. Ein weiteres Indiz: „Das erste Buch, dass ich verschlungen habe, weil ich in der Höhle war, in der es spielt und es überhaupt so spannend war – Rulaman.“ Später folgte das Geologie-Studium in Stuttgart mit dem Nebenfach Urgeschichte. „Damals hatte sich das angeboten, ich dachte nicht, dass mich diese Thematik heute einmal so intensiv beschäftigen würde“, fügt Bausch hinzu.

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Vor acht Jahren hat ihn sein ehemaliges Studiennebenfach dann wieder eingeholt. In der Vogelherdhöhle im Lonetal wurde die rund 35 000 bis 40 000 Jahre alte Figur eines kleinen Mammuts gefunden. Sie ist eine von mehreren aus Mammutelfenbein geschnitzten Figuren, die bis heute dort ausgegraben wurden – darunter der berühmte Löwenmensch. Auch acht Flöten, die wohl ältesten Musikinstrumente der Welt, fanden Archäologen dort. „Ich wurde dann hier im Ort darauf angesprochen, ob ich nicht einen Ausflug zu den drei bekanntesten Höhlen im Lonetal – Vogelherd- und Bocksteinhöhle sowie der Hohlenstein – organisieren könnte.“ Gesagt, getan. „Ich habe die Tour geleitet und zu den einzelnen Höhlen etwas erzählt – damals aber noch in Zivil“, erzählt Bausch. Es kam dann die Idee auf, dass es doch gerade für die Kinder spannend wäre, wenn er sich bei der Führung auch so kleiden würde wie die ursprünglichen Höhlenbewohner.

Heute verwandelt sich Wolfgang Bausch innerhalb von fünf Minuten in ein Clan-Oberhaupt aus der Steinzeit. Dafür hat er sich selbst zwei Outfits genäht: „Eine Allwettervariante und einen leichten, luftigen Sommeranzug. Als Schnittmuster habe ich einen locker sitzenden Trainingsanzug genommen.“ Auch einen warmen Rentierfellmantel hat er sich schon genäht: „Der ist sehr warm, das Haarkleid des Rentiers ist so dicht, da könnten Sie damit duschen“, verrät er. In der Steinzeit war es das Hauptjagdtier. Es hat ein mageres Fleisch und das Fell wurde und wird für die Kleiderherstellung verwendet. „Es ist ein Herdentier, entsprechend fand man auf einmal immer recht viele“, erklärt der Holzmadener. Gegerbt hat er sich selber auch schon was, zum Beispiel eine Tasche: „Das war allerdings sehr aufwendig, unser Keller war dann erst mal vier Wochen blockiert – einmal und nie wieder“, erinnert sich Bausch und lacht.

Was anfangs als zeitlich begrenzte Workshops gedacht war, ist heute ein zeitaufwendiges Hobby geworden: Unter anderem absolviert Bausch jährlich rund 35 Schulbesuche mit seiner mobilen Ausstellung. Dafür geht es auch nach Merseburg in Sachsen-Anhalt, ins hessische Kassel und nach Konstanz, oder die Klassen kommen zur Exkursion ins Lonetal. Seit 2013 gibt es dort den Archäopark Vogelherd in Niederstotzingen-Stetten, in dem Bausch einer von derzeit 30 zertifizierten Archäo-Guides ist, die Führungen und Workshops anbieten, bei denen die Besucher erfahren, wie man in der Steinzeit lebte und sich versorgte. „Besonders für die Kinder und Jugendlichen ist es immer ein Erlebnis. Mein ältester Teilnehmer bislang war 93 Jahre alt und wollte den Speerwurf – wie früher auf der Jagd eingesetzt – genauso ausprobieren.“

Die Steinzeit fasziniert ihn, seitdem er sich ausgiebig mit ihr beschäftigt: „Allein schon, wenn man sieht, was es hier ganz in der Nähe für bedeutende archäologische Funde gibt. Ich habe mittlerweile rund 200 Bücher über die Steinzeit gelesen, trotzdem kommt immer wieder etwas Neues an Erkenntnissen dazu.“ Sogar ein eigenes Werk mit dem Titel „Liria und Athiko von der Mammuthöhle“ hat er in Form einer Fotogeschichte gemeinsam mit seiner Archäopark-Kollegin Gabriele Dalferth veröffentlicht. Im Lonetal gibt es regelmäßige Ausgrabungen, bei denen er als Archäo-Guide ab und zu live dabei sein darf: „Das hat schon was, wenn man das frisch Ausgegrabene einmal anfassen darf“, findet Bausch. Aktuell läuft fürs Lonetal ein Antrag bei der Unesco, das Trockental auf der Alb zum Weltkulturerbe zu erklären.

Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter www.eiszeitjaeger.info und www.archaeopark-vogelherd.de.

Seine Begeisterung für die Steinzeit gibt Wolfgang Bausch an Kinder weiter.Fotos: privat
Seine Begeisterung für die Steinzeit gibt Wolfgang Bausch an Kinder weiter.Fotos: privat